30 Jahre Arte

Gegen Trends gestellt und innovativ geblieben

06:17 Minuten
Am Sitz des deutsch-französischen Kultursenders Arte ist eine rote Skulptur mit dem Name des Sender aufgebaut. Im Hintergrund ist ein Bürogebäude.
„Arte hat sich gegen Trends gestellt“, sagt der Medienwissenschaftler Tobias Hochscherf. Der Sender war damit erfolgreich. © picture alliance / dpa / Claudia Kornmeier
Tobias Hochscherf im Gespräch mit Stephan Karkowsky · 30.05.2022
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Als grenzübergreifender Kultursender war Arte schon zu seinem Start vor 30 Jahren innovativ. Nun hat sich der Sender auch für populäre Formate geöffnet. Als europäische Plattform habe Arte eine große Zukunft, sagt Medienwissenschaftler Tobias Hochscherf.
Am 30. Mai 1992, vor genau 30 Jahren, strahlte der französisch-deutsche Fernsehsender Arte erstmals sein Programm aus. Das war damals ein „innovatives Projekt“, das auch mit der Idee der europäischen Integration verbunden war, erläutert Tobias Hochscherf. Er ist Professor für audiovisuelle Medien an der Fachhochschule Kiel.

Fernsehen über Grenzen hinweg

Ungewöhnlich war, dass Arte über Landesgrenzen hinweg gesendet hat. Denn anders als bei der Filmkultur, „die immer international war, ist Radio- und Fernsehkultur oftmals landesweit beschränkt“, so Hochscherf.

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Im Arte-Programm stechen die Retrospektiven hervor, zudem pflegt der Sender das kinematografische Erbe, indem Filme gezeigt werden, die sonst im Kino oder Fernsehen nicht mehr laufen. Außerdem strahlt der Sender gute Dokumentationen und Reportagen aus.

Mehr populäre Formate

„Arte hat sich auch gegen Trends gestellt“, so Hochscherf. „Es ist ein Sender, der keine Werbung ausstrahlt.“ Überdies gehe Arte thematisch vor, ohne die Formatierung des Fernsehens zu übernehmen.
Beispielhaft stünden dafür die Themenabende, bei denen aus verschiedenen Perspektiven Sachverhalte in mehreren Sendungen dargestellt werden. „Damit wurde der Nerv bei einem anspruchsvollen Publikum getroffen.“
In den vergangenen 30 Jahren hat sich das Arte-Programm geändert. Manche sprechen von einer Verflachung. Hochscherf entgegnet, dass der Sender das Richtige tut und das Programm öffnet – jedoch nicht hin zu einer Kopie der privaten TV-Stationen, sondern zu mehr populären Formaten. „Das ist richtig, sonst könnte man Arte vorwerfen, das europäische Projekt sei eines der Eliten.“

Originalsendungen mit Untertiteln

Mit den in den vergangenen Jahren aufgekommenen Streamingdiensten sei das Programm von Arte ergänzt worden, gibt Hochscherf zu bedenken. Denn die privaten Anbieter hätten die Idee der Mehrsprachigkeit von Inhalten – ein Kern des Kultursenders – übernommen.
Hier liege auch eine große Chance für den Sender, findet Hochscherf. Durch die Kooperationen mit anderen europäischen öffentlich-rechtlichen Anstalten könnte sich Arte weg von einem französisch-deutschen Projekt hin zu einer „europäischen Plattform“ entwickeln. Etwa, indem mehr Sendungen in den jeweiligen Originalsprachen mit Untertiteln angeboten würden.
(rzr)

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