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Interview / Archiv | Beitrag vom 30.09.2014

25 Jahre Prager "Balkonrede"Balkon als politischer Ort hat ausgedient

Architekt Stephan Braunfels über neue Räume der Inszenierung

Moderation: Nicole Dittmer und Julius Stucke

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König Willem-Alexander und Königin Maxima der Niederlande im Palast Nordende in Den Haag.  (picture alliance / dpa / Rpe / Albert Nieboer)
Nur noch ein repräsentativer Ort: Das Königspaar der Niederlande zeigt sich seinem Volk in Den Haag. (picture alliance / dpa / Rpe / Albert Nieboer)

Ob Evita Peron, die Queen oder - heute vor 25 Jahren - Genscher in Prag: Große Reden ans Volk wurden oft von einem Balkon aus gehalten. Doch damit ist es inzwischen vorbei, meint der Architekt Stephan Braunfels.

"In der Regel werden heute kaum noch große Reden von Balkonen gehalten", sagt Braunfels. Als er den Neubau des Paul-Löbe-Hauses geplant habe, habe er jedenfalls nie auch nur im Traum an einen Balkon gedacht, so der Architekt und Städtebauer. Zwar gebe es dort  Terrassen- und Balkonflächen. "Aber das waren für mich eigentlich Räume wie die privaten Balkone, also wo die Mitarbeiter des Parlaments und vielleicht sogar die Parlamentarier ins Freie treten können, rauchen können, eine Party feiern können und nicht politische Reden halten."

Erinnerung an schreckliche Vergangenheit

Den Grund, warum der Balkon als Ort politischer Rede aus der Mode gekommen ist, sieht Braunfels darin, dass er "stark an die Vergangenheit und teilweise an sehr schreckliche Vergangenheit erinnert". So habe beispielsweise Hitler 1938 von einem Balkon der Hofburg in Wien seine Rede zum Anschluss Österreichs gehalten.

Ohnehin träten heutige Politiker meistens im Fernsehen auf, so der Architekt. "Ich habe noch nie Angela Merkel auf einem Balkon eine große Rede halten hören."

 

 

Mehr zum Thema:

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(Deutschlandfunk, Mauersplitter, 30.09.2014)


(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 30.09.2014)

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(Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 30.09.2014)

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