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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 06.02.2019

25 Jahre DeutschlandradioEin Labor der Wiedervereinigung

Moderation: Stephan Karkowsky

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Umzug des DS Kultur. (Deutschlandradio)
Während des Umzugs des Senders DS Kultur ins RIAS-Gebäude. (Deutschlandradio)

Vor 25 Jahren gingen die Deutschlandradio-Programme auf Sendung, mit ehemaligen Mitarbeitern des DDR-Rundfunks DS Kultur, des Deutschlandfunks in Köln und RIAS in Westberlin. Ost und West trafen in einer Weise aufeinander wie sonst an wenigen Orten der Republik.

"Am Tag, nachdem die Mauer gefallen ist, die erste Redaktionssitzung morgens um zehn: Es war Totenstille, es gab Kollegen, die haben geweint", erinnert sich Jörg Degenhardt, der damals beim DDR-Rundfunk arbeitete. "Aber es dauerte gar nicht allzu lange, dann haben wir auch die Chance gesehen, nach dem Motto: Jetzt müssen wir beweisen, dass wir auch richtig guten Journalismus können."

Vor 25 Jahren, Anfang 1994, ging Deutschlandradio auf Sendung: Insbesondere das RIAS-Funkhaus in Berlin wurde zu einem Labor der Wiedervereinigung. Ehemalige Mitarbeiter des DDR-Rundfunks und des Rundfunks im Amerikanischen Sektor (RIAS) Berlin machten gemeinsam Programm.

Sachsen – "dieses fremde Land"

"Im RIAS war es ja erst einmal eine Zeit der Neugier. Was ist diese DDR eigentlich?", erinnert sich Ulf Dammann an die Nachwendejahre. "Meine Kollegin Renate Schönfelder und ich haben sehr schnell eine einwöchige Expedition nach Sachsen unternommen, in dieses wirklich fremde Land, und haben ein einstündiges Feature über dieses Bundesland Sachsen gemacht. Und das war aufregender, als wenn man nach China reiste." Im RIAS wurde Dammann zunächst noch angefeindet, weil er mit den Ost-Kollegen – "den Kommunisten" – gemeinsame Sendungen machte.

Arbeit in der Abteilung "Nachrichten und Aktuelles" des DeutschlandRadio im Jahr 1995. (Deutschlandradio)Arbeit in der Abteilung "Nachrichten und Aktuelles" des DeutschlandRadio im Jahr 1995. (Deutschlandradio)

"Wir hatten auch Angst", sagt die ehemalige RIAS-Mitarbeiterin Renate Schönfelder. "Das ist auf beiden Seiten so gewesen. Ich hatte auch das Gefühl: Ja, sind die jetzt doch alle klüger? Also, da ist die normale Konkurrenz, die unter Journalisten ist, ja auch da gewesen."

"Das ist ein Team, kein Kollektiv mehr"

Astrid Kuhlmey, ihre Kollegin aus dem Osten, war neugierig, fühlte sich aber erst mal fremd im RIAS-Funkhaus. "Wir wussten ja nicht mal, wo das Klo ist, da wird man natürlich so ein bisschen kleiner."

Stück für Stück haben sie die anfängliche Fremdheit überwunden, die schon im Sprachgebrauch spürbar war, wie sich Astrid Kuhlmey erinnert:

"Ich ging irgendwo lang und sagte: Das müssen wir nachher noch mal im Kollektiv besprechen." Da habe sich ein Vorgesetzter umgedreht und gesagt: "Frau Kuhlmey, Sie werden sich jetzt daran gewöhnen, dass es ein Team ist und kein Kollektiv mehr." Solche Begrifflichkeiten würden sich zwar nebensächlich anhören, "aber das bedeutet natürlich eine ganze Menge".

In unserer einstündigen Zeitfragen-Sendung erinnern sich zwei Redakteurinnen und zwei Redakteure aus Ost und West an die Jahre des Zusammenwachsens bei Deutschlandradio: Astrid Kuhlmey und Jörg Degenhardt vom DDR-Sender DS Kultur, Renate Schönfelder und Ulf Dammann vom RIAS.

(wist/ lk)

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