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Rang I | Beitrag vom 05.10.2019

"24-Decade-History of Popular Music"Die amerikanische Geschichte in 246 Songs

Von André Mumot

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Der queere Künstler Taylor Mac ist mit einem aufwendigen Kopfschmuck und starker Schminke während seiner Performance zu sehen. (Berliner Festspiele / Little Fang )
Der US-Künstler Taylor Mac in seiner Performance "24-Decade History of Popular Music". (Berliner Festspiele / Little Fang )

Eine legendäre Show kommt nach Deutschland: Taylor Mac präsentiert sein 24-stündiges, queeres Musiktheaterspektakel bei den Berliner Festspielen. Es soll durch seine schiere Länge die Zuschauenden zerreißen, aber auch Verbindungen knüpfen.

Mit einem monumentalen, 24-stündigen Musiktheaterspektakel hat Taylor Mac erst den Broadway erobert und dann die halbe Theaterwelt. Nun wird die "24-Decade-History of Popular Music", eine queere Zeitreise in 246 Songs, auch in Deutschland aufgeführt. Das Ganze findet im Rahmen des "Immersions"-Programms der Berliner Festspiele statt. Verteilt auf vier Abende, die einen neuen Blick auf die amerikanische Geschichte von 1776 bis heute werfen – anhand von 246 Songs in spektakulären Arrangements und Bühnenkostümen.

Die Grundlagen für das Konzept wurden früh gelegt, wie Taylor Mac berichtet: Schon 1987, als er mit vierzehn Jahren den ersten AIDS-Walk in San Francisco miterlebt hat und spürte, wie die queere Community gerade vor dem Hintergrund der so bedrohlichen Epidemie ihre eigene Stärke fand:

Wie stärkt man sich, wenn der Druck von außen groß ist?

"Diese Frage ist auch zum Zentrum meiner Arbeit geworden: Wie stärkt man sich, während der Druck von außen so groß ist? Auch deshalb wollte ich eine Aufführung machen, die 24 Stunden dauert, bei der wir alle irgendwie zerrissen werden, aber auch Verbindungen miteinander knüpfen."

In der Show wird Geschichte ganz neu erfahrbar, weil sich der Fokus verschiebt. "Wir okkupieren die Geschichte. Als ich aufgewachsen bin, wurde uns in den Schulen nichts über queeres Leben beigebracht. Und auch heute ist das in den Vereinigten Staaten nicht wirklich anders", so Taylor Mac. "Ich habe mir deshalb gesagt: Wenn ich als queerer Mensch die Geschichte auf die Bühne bringe, wird auch die Geschichte mit all den Kontexten, die ich mitbringe, queer."

Aufführungen im Haus der Berliner Festspiele

Dass ein europäisches Publikum womöglich nicht alle Bezüge sofort versteht, erscheint Taylor Mac nicht als wesentliches Problem. "Interessant ist, dass viele Europäer mehr über die amerikanische Geschichte wissen als die Amerikaner selbst. Außerdem wollte ich nie ein universelles Kunstwerk machen. Es ist gut, wenn es für alle funktioniert, aber das ist nicht mein Ziel." Das Aufregende am Theater sei doch, etwas zu sehen, was nicht mit der eigenen Erfahrung zu tun habe. "Das öffnet einen, macht einem klar, was man sein könnte, statt sich nur in dem zu bestätigen, was man schon ist."

"A 24-Decade History of Popular Music" startet im Haus der Berliner Festspiele am nächsten Donnerstag, weiter geht es dann am 12., 18. und 20. Oktober.

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