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Kompressor | Beitrag vom 31.05.2019

15 Sendeminuten von Joko und KlaasWenn in Unterhaltung das Wort Haltung steckt

Thomas Lückerath im Gespräch mit Christine Watty

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Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf bei der NDR-Talkshow am 21. April 2017 (picture alliance / rtn / ulrike blitzner)
Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf: "Es gibt ein paar Leute, die vielleicht mehr zu sagen haben als wir." (picture alliance / rtn / ulrike blitzner)

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben von ihrem Sender 15 Minuten Sendezeit gewonnen. Was machen sie damit? Sie lassen drei Aktivisten über ihre Anliegen berichten. Medienexperte Thomas Lückerath freut sich darüber.

Am Dienstagabend haben die Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf bei ihrem Haussender 15 Minuten Extra-Sendezeit gewonnen. Am Mittwoch wurde die von ihnen gestaltete Viertelstunde im Programm von ProSieben ausgestrahlt – mit sehr ernsten Themen. 

Thomas Lückerath, Chefredakteur des Medienportals dwdl.de, sagt, das Besondere an der Sondersendung um 20.15 Uhr sei gewesen, "dass sehr viele Menschen eingeschaltet haben, die wissen wollten, was Joko und Klaas da vorhaben, und zweitens, dass die Moderatoren das verwandelt haben in eine Plattform für den guten Zweck".

Seenotretter, Obdachlosenhelfer & Co.

"Es gibt ein paar Leute, die vielleicht mehr zu sagen haben als wir", so leitete Heufer-Umlauf die Viertelstunde ein. "Vor allem auch sinnvollere Sachen zu sagen haben als wir", fuhr Winterscheidt fort.

Und dann sprach also in einem minimalistischen Ambiente Pia Klemp, Kapitänin des beschlagnahmten Rettungsschiff "Iuventa 10", über Seenotrettung und das Leid, das sie sieht. "Innerhalb Europas wird Solidarität mit Menschen in Not kriminalisiert", klagte sie an.

Danach berichtete der Berliner Obdachlosenhelfer Dieter Puhl von seiner Arbeit. Schließlich erzählte Birgit Lohmeyer vom Leben im Dorf Jamel in Mecklenburg-Vorpommern, wo sie und ihr Mann von rechtsradikalen Nachbarn terrorisiert werden.

Die Neugier der Zielgruppe habe sich auch in den Quoten geäußert. "Joko und Klaas Live" war am Mittwoch die meistgesehene Sendung des Tages in der Zielgruppe der Privatsender. 1,33 Millionen 14- bis 49-jährige Zuschauer schalteten ein und bescherten ProSieben einen Marktanteil von 19,7 Prozent, ein Wert deutlich über dem Schnitt des Senders.

"Lebenssignal fürs lineare Fernsehen"

"Das ist ein Lebenssignal fürs lineare Fernsehen gewesen", sagt Fernsehexperte Lückerath. Man könne Vorfreude schüren und dann wollten die Menschen auch wissen, für was die Showmaster ihre gewonnenen 15 Minuten nutzen. Das sei "die Lebensader des linearen Fernsehens - der Live-Moment, in dem wir alle dabei sein können, wenn so was passiert". Die Sendung habe im Netz noch ein gewaltiges Nachleben entfaltet. 

Der zweite Gewinner waren seiner Ansicht nach die Anliegen der drei Gäste, die so wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt wurden. Dass dies gelinge, liege wohl auch an der neuen Showmaster-Generation mit Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf oder auch Jan Böhmermann. "Die haben definitiv ein Sendungsbewusstsein", sagt Lückerath. "Bei denen steckt dann in der Unterhaltung auch das Wort Haltung drin."

Mehrheitstauglich in der Nische

Damit unterscheide sich die heutige Generation der TV-Unterhalter von ihren Vorgängern. Die ältere Generation deutscher Fernsehunterhalter hätte moderiert, den Showmaster gegeben, sich aber sonst tunlichst nicht zu politischen Themen geäußert.

"Die jüngere Generation sucht sich ihre Nische, bezieht Stellung, hat dementsprechend Fans, aber natürlich auch Zielgruppen, die sagen: Geh mir weg mit dem oder mit der." Das sei ein höheres Risiko, sagt Lückerath. "Aber es ist heute nicht mehr so wichtig, dass man wirklich alle Menschen anspricht." Lieber punkte man in einer Nische. "Und man muss ja sagen, dass die Themen, für die sich Jan Böhmermann oder jetzt Joko und Klaas einsetzen, durchaus mehrheitstauglich sind."

(mfu)

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