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Nachspiel | Beitrag vom 13.09.2020

100 Jahre Sportverband "Deutsche Jugendkraft"Wo die Gemeinschaft mehr zählt als ein Sieg

Von Eduard Hoffmann

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Fußball,Fussball, 27.09.2009 Jugendfußball F Jugend FReizeitsport Mini Kids Kinder DJK Dülmen - Nottuln 5:4 Mädchen Teamgeist Trikot Allgemein | Verwendung weltweit (picture-alliance / augenklick / firo Sportphoto)
Bei der Fußballjugend des DJK sind alle willkommen - der katholische Glaube spielt im Vereinsalltag kaum noch eine Rolle. (picture-alliance / augenklick / firo Sportphoto)

DJK - das steht für Deutsche Jugendkraft. Vor 100 Jahren gegründet, war der Sportverband anfangs katholischen Mitgliedern vorbehalten. Das ist heute anders, aber gemeinsame Werte sind hier weiterhin wichtiger als Siege.

"Das sind jetzt heute hier schon elf, die beim U7-Training teilnehmen und nachher, jetzt hatte ich noch mal zwei Absagen, aber sind es trotzdem auch 14 Mädels, die bei dem U9-Training dann sind."

Björn Lengelsen ist Trainer bei der DJK Tusa 06 Düsseldorf, einem der wenigen Vereine in der Region, die auch schon Mädchen unter sieben Jahren die Möglichkeit bietet, Fußball zu spielen. Ganz unter sich und ohne Jungs. Die Eltern sind angetan.

"Super, genial, perfekt, Trainieren ist gut, Trainingszeiten sind super, sie bemühen sich, man ist informiert, läuft alles gut."

"Ja, die Trainer sind gut, meine Tochter, die ist seit zwei Wochen hier bei Tusa, und die ist begeistert."

"Sehr gut organisiert, sehr gut gemanagt, und, wirklich, den Kindern scheint es sehr, sehr viel Spaß zu machen."

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Zu Besuch beim Mädchenfußballtraining der DJK Tusa 06 im Südwesten von Düsseldorf, vis-à-vis von der Autobahn A 46. Die drei Großbuchstaben am Anfang des Vereinsnamens: DJK, die für den katholischen Sportverband "Deutsche Jugendkraft" stehen, haben die Eltern nicht interessiert bei der Vereinsauswahl. Kaum jemand weiß, was diese überhaupt bedeuten.

"Nein, wusste ich ja gar nicht, das erfahr zum ersten Mal, dass das auch damit zu tun hat hier beim Tusa."

"Ich glaube, ich bin dafür einfach nicht lange genug in Deutschland, um das zu wissen, weiß ich tatsächlich nicht."

"Vielleicht Deutscher Jugend Fußball Klub? Ich weiß es nicht, also danach habe ich es nicht ausgewählt, sondern wirklich von den Umgebungsbedingungen, von dem guten Ruf."

"Das war eine praktische Überlegung: Wo könnte sie selber hinfahren? Meine Tochter hat auf das Straßenbahnnetz geguckt, und das war am einfachsten zu erreichen."

Katholischer Glaube spielt kaum noch eine Rolle

Katholischer Glaube spielt im Vereinsalltag des Düsseldorfer DJK-Vereins kaum noch eine Rolle, erzählt Trainer Björn Lengelsen, der zwar aus einer katholischen Familie stammt, selbst aber evangelisch getauft ist.

"Wenn Kommunionunterricht ist, dann müssen die natürlich immer Bescheid sagen, damit wir das einplanen können im Spielbetrieb, aber ein Gebet oder sowas, das machen wir nicht, weil wir auch viele, teilweise mit muslimischem Hintergrund haben, und wir dem Grunde nach eben darauf achten, dass alle gleich behandelt werden, und keiner wegen seiner Herkunft, wegen seiner Hautfarbe oder überhaupt ethischen Einstellung, dass keiner ausgeschlossen wird."

Nicht weit entfernt von den jungen Fußballerinnen trifft sich neben der Hochsprunganlage eine Gruppe von älteren Erwachsenen zum sogenannten "Ehepaarturnen". Ein Angebot, das in den 1960er-Jahren entstanden ist. Junge Eltern, die ihre Kinder damals zum Turnen brachten, wollten sich selber bewegen und gründeten das Ehepaarturnen, weiß Übungsleiterin Sigrid Güthe.

"Bevor wir nur Gymnastik gemacht haben, haben wir auch noch Geräteturnen gemacht. Wie gesagt, da waren die Leutchen alle noch jung, und da haben wir also noch am Barren, an den Ringen geturnt und am Bock und am Kasten."

Gymnastik während Corona: die 50 – 80jährigen Ehepaar-Turnerinnen treffen sich auf dem Sportplatz (r. Leiterin Sigrid Güthe, 76) (Eduard Hoffmann)Erwachsene beim sogenannten "Ehepaarturnen": Ein Angebot, das schon in den 1960er-Jahren entstanden ist. (Eduard Hoffmann)

"Ich bin 45 Jahre hier bei Tusa und da konnten wir wenigstens dienstags zusammen zur Ehepaargruppe gehen. Und das finde ich eigentlich ganz schön, wenn der Ehepartner mit zum Sport gehen kann."

Der jüngste Teilnehmer ist 51, der älteste 88 Jahre alt. Sigrid Güthe, selbst 76 und absolut fit, bringt die heutigen Senioren seit 44 Jahren zum Schwitzen.

"Das macht unheimlich viel Spaß, weil die alle sehr, sehr motiviert sind. Ursprünglich war es tatsächlich sehr katholisch. Es war also für uns auch etwas schwierig, als wir in den Verein kamen, mein Mann und ich sind evangelisch, inzwischen haben wir mehr Evangelische, bei uns spielt das keine Rolle weiter, das macht einfach riesig Spaß."

Jede und jeder kann Mitglied werden

Die DJK TuSA 06 ist 2020 einer von gut tausend Vereinen unter dem Dach der "Deutsche Jugendkraft", die insgesamt 476.000 Mitglieder zählt.

Heute kann jeder Mitglied werden in einem DJK-Verein, egal welchen Glaubens oder welcher Herkunft er oder sie ist. Das war in der Anfangszeit nicht so.

Am 16. September 1920 wird die "Deutsche Jugendkraft" während des Katholikentages in Würzburg gegründet. Als "Reichs­ver­band für Leibesübun­gen in ka­tho­li­schen Ver­ei­nen". Ein eigener konfessioneller Sportverband, unter dessen Dach geturnt und Sport getrieben werden können sollte – im Geiste der katholischen Kirche.

Der 35-jährige Carl Mosterts, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts maßgeblich um die katholische Jugendbewegung verdient gemacht hatte, übernimmt als Generalpräses die geistliche Führung. Somit gibt die DJK den Zusammenschlüssen der Jugendlichen, wie Kolping-, Jünglings- und Jungmännervereinen Raum und Möglichkeit zur Leibesertüchtigung.

Porträt vor Mikrofon von Hermann Queckenstedt, Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück (picture alliance / Jan Kuppert / Sven Simon)Im Sportverband sollte die Körperlichkeit mit der Charakterbildung verbunden werden, sagt der Historiker Hermann Queckenstedt. (picture alliance / Jan Kuppert / Sven Simon)

"Das heißt: Es war keine selbstständige Vereins- und Sportbewegung", erklärt der Historiker und Leiter des Diözesanmuseums Osnabrück Hermann Queckenstedt, "sondern sie war der katholischen Jugendarbeit, dem katholischen Vereinsleben nachgeordnet. Das Ganze sollte sich nicht verselbstständigen und es gab sehr, sehr starke Überlegungen, dass die Körperlichkeit, der Wettkampfbetrieb, eben auch mit der Seelenbildung, mit der Charakterbildung insgesamt zu verbinden und nur eine Facette ist."

Oder wie es Carl Mosterts selber ausdrückt:

"Wir wollen …
Leibesübungen,
die die Seele als Höchstes und Letztes anerkennen,
auf den inneren Menschen zielen
und ihn bewusst mitgestalten helfen.
Das ist unsere Seele,
das ist unser Ziel."

Leibesertüchtigung im eigenen Milieu

Mit dem Boom der Leibesübungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts kommt es zu einer starken Ausdifferenzierung, man ertüchtigt sich am liebsten im eigenen Milieu, in Arbeiter-Turn- und Sportvereinen oder eben auch in konfessionellen Vereinigungen. Hinter der Gründung der DJK, so der Sporthistoriker Ansgar Molzberger von der Deutschen Sporthochschule Köln, stecke aber auch eine Art Präventionsmaßnahme.

"Dass man sagt, bevor wir die Jugend komplett an was anderes verlieren, was dann gar nicht per se mit Christentum zu tun hat, bieten wir als katholische, und auch die evangelische Kirche bietet ja vergleichbare Lösungen an, eigene Angebote, um die Jugend auch bei uns zu halten."

Nach dem überraschenden Tod von Carl Mosterts 1926 übernimmt der Diö­ze­san- und Lan­des­prä­ses der ka­tho­li­schen Ju­gend­ver­ei­ne Bay­erns, Ludwig Wolker, die geistliche Führung. Da hatte die Deutsche Jugendkraft mit 250.000 Mitgliedern bereits eine bedeutende Stellung im deutschen Sport erlangt. Die Deutsche Turnerschaft verzeichnete damals 1,5 Millionen und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) um die 700.000 Mitglieder.

Im Osnabrücker Raum wechseln in den späten 20er- und frühen 30er-Jahren sogar Vereine aus der Deutschen Turnerschaft und aus dem DFB zur DJK. Dafür gebe es zwei Gründe, sagt der Historiker Hermann Queckenstedt. Zum einen können bei der DJK sowohl Turner als auch Fußballer, die ansonsten stark verfeindet waren, ihrer Leibesertüchtigung und ihrem Sport ohne Probleme nachgehen.

Und zum anderen: "Man kann die Infrastruktur der Kirchengemeinden nutzen. Wir haben an vielen Orten damals katholische Schulen mit Turnhallen, das heißt, das waren schon aus ihrer Gründungstradition heraus die Orte, an denen man Sport treiben konnte."

Mit Erstarken der Nationalsozialisten steigt der Druck

Schon früh organisiert die DJK einen Liga- und Wettbewerbsbetrieb und führt eigene Meisterschaften durch. Zum ersten Mal 1921 in Düsseldorf mit 1300 aktiven Sportlern, die sich im Turnen und Fußball, bei der Leichtathletik, beim Faustball und im Schlagball messen. 1927 ist bereits Schwimmen dabei und 1932 in Dortmund gibt es zusätzliche Wettbewerbe im Kanufahren und Kleinkaliber-Schießen.

Zur Eröffnungsfeier im Stadion Rote Erde kommen 50.000 Zuschauer. Mit dem Erstarken der Nationalsozialisten Ende der 20er-, Anfang der 30er-Jahre gerät die DJK wie alle eigenständige Jugendvereinigungen und -verbände stark unter Druck.

"Und die Sorge der Katholiken, als die Nationalsozialisten an der Macht waren, war ja zunächst einmal, ob freie Religionsausübung gewährleistet werden kann. Es gab ja dann das Konkordat mit dem Vatikan und dem NS-Deutschland bereits 1933, und mit diesem Konkordat wurde die freie Religionsausübung erst mal gesichert."

Den DJK-Sportlern, das stellt sich bald heraus, bietet die Vereinbarung zwischen Vatikan und Nazis keinen wirklichen Schutz. Leibeserziehung, vor allem als Wehrertüchtigung für die Jugend, ist für die braunen Machthaber von elementarer Bedeutung und darf nur nach den eigenen ideologischen Vorstellungen durchgeführt werden.

Mit allen Mitteln, auch mit körperlicher Gewalt, drängt die NS-Spitze den katholischen Sportverband, seine Eigenständigkeit aufzugeben. Immer wieder werden Sportler und Funktionäre überfallen, geschlagen und sogar zu Tode geprügelt. Zunächst hatte die DJK-Führung noch geglaubt, sich arrangieren zu können und sich mit einem zusätzlichen Sportangebot den neuen Machthabern angedient.

"Bereits 1932 wird Gelände- und Wehrsport eingeführt in der DJK", erklärt Sporthistoriker Molzberger.

"Das ist schon ein Zeichen, dass man auf diesen neuen Zeitgeist irgendwie reagiert hat. Und man wollte sicherlich auch irgendwie dagegenhalten, um die Leute bei sich zu halten und hat sich dann mehr oder weniger zähneknirschend unter den sogenannten Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert. Man hat also diese eigenständige Struktur aufgegeben, aber es hat nicht davor geschützt, dass es letztendlich doch zerschlagen wurde."

Deutsche Jugendkraft 1935 verboten und aufgelöst

Im Juli 1935 kommt das endgültige Verbot. Die Deutsche Jugendkraft wird aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt. Mehrere DJKler werden verhaftet, inhaftiert und in Konzentrationslager gesteckt, einige auch brutal getötet. Bereits 1934 ermorden die Nazis den DJK-Reichsführer Adalbert Probst. Der Geistliche war erst 1932 zum Wehrsportbeauftragten und ein Jahr später an die Verbandsspitze berufen worden. Ein Aufschrei nach der Gräueltat seitens der katholischen Kirche und des Verbandes bleibt aus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ringen zwei unterschiedliche Vereinigungen teils in erbittertem Kampf 15 Jahre lang um die Neuausrichtung des katholischen Sportverbandes.

"Es gibt den einen Zweig, das ist der sogenannte Verband Rhein-Weser, der stark im Münsterland beheimatet ist. Der präferiert das Aufgreifen der alten Struktur: Lass uns unter uns Katholiken wieder Sport treiben, also wir möchten unter uns bleiben. Und die andere Richtung ist der Verband, und da tut sich der Prälat Ludwig Wolker hervor: Das wird uns schwächen, wenn wir in dieser Säule hängen bleiben, wir müssen zu einer Gesamtstruktur beitragen, und da können wir sehr wohl eigene Stärke zeigen und ausleben, aber es ist wichtig, dass wir beim Aufbau eines Gesamtwerks helfen."

Erst im Frühjahr 1961 schließen sich der bundesweit agierende DJK-Hauptverband und der ausschließlich in den Bistümern Münster und Paderborn aktive DJK-Zentralverband Rhein-Weser, unter Vermittlung der Bischofskonferenz zusammen. Zur "Deutschen Jugendkraft, Verband für Sportpflege in katholischer Gemeinschaft".

Prälat Wolker, langjähriger DJK-Vorsitzender und treibende Kraft in der Neuorganisation des bundesrepublikanischen Sports, erlebt die Einigung nicht mehr. Er stirbt 1955.

Neuorganisation als Mitglied des Deutschen Sportbundes

Die neue DJK wird Mitglied im Deutschen Sportbund DSB, der unter maßgeblicher Beteiligung von Wolker 1950 als Dachorganisation für alle Fachverbände und Sportvereinigungen der jungen Bundesrepublik gegründet worden war. 1954, das belegt ein Telegramm, trägt die DJK dem bayerischen CSU-Politiker Franz Josef Strauß den Verbandsvorsitz an. Der winkt ab, er habe zu viel um die Ohren, und bittet um Verständnis, dass er "das ehrende Angebot, der erste Vorsitzende des DJK zu sein, ablehne".

Parade beim DJK Bundesfest 1950 in Koblenz. (DJK Archiv Düsseldorf)Ein Verband mit Geschichte: Parade beim DJK-Bundesfest 1950 in Koblenz. (DJK Archiv Düsseldorf)

Schon in den 1960er- und 70er-Jahren profiliert sich die DJK vor allem als Breitensport-Verband. Dankbar nimmt sie die Freizeitsport-Initiativen des Deutschen Sportbundes auf, den "Zweiten Weg" und später die "Trimm-dich-Bewegung".

Mit einer neuen Satzung legt die "Deutsche Jugendkraft" 1970 den Grundstein für eine umfassende Öffnung. Für die folgenden Jahre und Jahrzehnte wird ein Prozess in Gang gesetzt, in dem der "katholische Sportverband für Leistungs- und Breitensport", wie er sich nun nennt, seine Vereine für alle zugänglich macht.

Und es kommt zum Zusammenschluss von: "DJK Mannes- und Frauensport".

Bis dahin hatten die Frauen im eigenständigen, 1928 gegründeten, katholischen Reichsverband für Frauenturnen" von den Männern getrennt Sport getrieben.

Frauenpower an der Spitze im Jahr 2020

Im Jahr 2020 strotzt die DJK nur so vor Frauenpower. Präsidentin Elsbeth Beha ist stolz darauf, dass mit einer Generalsekretärin, einer Präsidentin und einer geistlichen Beirätin, gleich drei Schlüsselpositionen von Frauen besetzt sind.

Dass es mit Elisabeth Keilmann die erste geistliche Beirätin gebe, sei dem Priestermangel in der katholischen Kirche geschuldet, sagt Beha.

"Kein Bischof wollte einen Priester zur Verfügung stellen für dieses Amt, und ich habe vier Jahre lang bei der deutschen Bischofskonferenz Türen eingerannt, und es kam dann soweit, dass dann die Deutsche Bischofskonferenz zu mir gesagt hat: Dann suchen sie doch mal selbst. Da habe ich gesagt: Wir brauchen nicht zu suchen, wir haben jemanden, weil die Frau Keilmann ja schon Präsidiumsmitglied bei uns war. Wir sind sehr glücklich darüber, und es hätte uns nichts Besseres passieren können."

Das traditionelle duale Führungsprinzip aufrecht zu erhalten, also einen sportlichen und einen geistlichen Leiter oder eine Leiterin an der Spitze zu haben, wird immer schwieriger. Auf der Bundesebene genauso wie in Diözesan- und Landesverbänden und bei den Vereinen. Aber die christliche Werteorientierung der DJK, das Motto: "Sport um der Menschen willen", das gilt mehr denn je, erklärt Präsidentin Elsbeth Beha.

"Was uns wirklich wichtig ist, sind nicht die Siege, es sind die Menschen. Und für uns ist es einfach wichtiger, dass es den Menschen gut geht, dass auch die, die nicht auf dem Treppchen stehen, gewürdigt werden, und dass jeder seinen Platz hat, und jeder sein Bestes gibt, und dafür wird er bei uns gewürdigt, und dafür ist er anerkannt und wird bei uns respektiert", erklärt Beha.

"Sieg, aber nicht um jeden Preis. Und ich glaube, dieser Satz beinhaltet alles, also wir wehren uns gegen jegliche Art von Doping. Was ich empfinde, ist, dass man doch auch etwas die Werte dahinter sehen möchte. Also nicht Geld für Leistungssport, egal wie er erbracht wird, sondern auch mit dem Hintergedanken, Wert auf die Werte zu legen."

International erfolgreiche DJK-Sportler gibt es nicht mehr

Wobei der Leistungssport im Verband keine allzu große Rolle mehr spielt, auch wenn die DJK als Anreiz für talentierte Sportler Auswahlmannschaften und Bundeskader aufstellt und eigene Meisterschaften durchführt.

Die Zeiten, wo DJK Sportler immer wieder international erfolgreich waren, sind lange vorbei. 1964 etwa gewann der Mittelstreckenläufer Harald Norpoth bei den Olympischen Spielen in Tokio über 5000 Meter die Silbermedaille. Oder Tischtennis-Legende Eberhard Schöler: Er wurde 1969 Vizeweltmeister im Einzel und mit der Mannschaft. Auch Dirk Nowitzki warf einmal Körbe bei der Deutschen Jugendkraft.

Der deutsche Läufer Harald Norpoth (r) übergibt den Stab an seinen Teamkameraden Franz-Josef Kemper (l, beide Preußen Münster).  (dpa)1964 gewann der Mittelstreckenläufer Harald Norpoth - hier beim Staffellauf - bei den Olympischen Spielen in Tokio über 5000 Meter die Silbermedaille. (dpa)

Vielversprechende Talente gibt es in den DJK-Vereinen immer wieder, weiß Elsbeth Beha, aber: "Da haben wir einfach keine Mittel zur Verfügung, um die Sportler zu halten."

Dennoch bleiben die Bundessportfeste die Höhepunkte im DJK-Sport- und Vereinsleben. 1950 war in Koblenz Premiere. Inzwischen finden sie im Vierjahresrhythmus statt. Seit 1974 richtet der Verband auch eigene Winterspiele aus. Nach wie vor gehört ein Festgottesdienst zu den Wettkampftagen. Die öffentliche Resonanz bleibt überschaubar.

Das Hauptaugenmerk der Deutschen Jugendkraft gilt dem Breitensport, der Inklusion und Integration, dem Fairplay und Antidoping.

"Wir haben uns mit all diesen Themen Inklusion, Integration schon lange befasst, bevor überhaupt andere darüber nachgedacht haben, also lange bevor es die UN-Behindertenkonvention gab, war Inklusion in unseren Vereinen schon immer ein Thema. Und insofern glaube ich: Ja, wir fühlen uns schon irgendwo als der etwas andere Sportverband."

Nur wenige Vereine im Osten Deutschlands

Bis zum Naziverbot 1935 hatte es im Osten Deutschlands über 300 DJK-Vereine gegeben. Während der DDR-Zeit wird das Gebiet für den katholischen Sportverband zur Diaspora. Allzu viel verändert, so DJK-Präsidentin Elsbeth Beha, habe sich seit der Öffnung nach dem Mauerfall nicht.

"Die Vereine, die es schon vor dem Mauerfall gab, die gibt es jetzt immer noch, aber es sind einfach nicht viele. Die meisten sind in Thüringen, und dort im katholischen Eichsfeld, einfach aus der Tradition heraus, dann gibt es noch vielleicht drei im Bistum Magdeburg und dann im äußersten Sachsen, in der Nähe von Görlitz. Es gibt ganz wenige, aber die, das haben wir uns jetzt vorgenommen, die wollen wir jetzt stärken, und dass wir die doch ein bisschen zusammenführen wollen."

Der Verband finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge der Vereine. Zudem erhält er Zuschüsse von der katholischen Kirche und vom Bundesinnenministerium, wenn es um Leistungssport-Projekte geht. Der Jahresetat umfasst eine Million Euro, womit die DJK einigermaßen über die Runden kommt. Große Sorgen macht sich die Präsidentin aber über die desolate Finanzsituation beim internationalen katholischen Sportverband F.I.C.E.P., der für Kinder und Jugendliche regelmäßig Sommer- und Winterspiele sowie Jugendcamps organisiert.

"In der Anfangszeit, als ich dabei war, waren das noch ganz andere Veranstaltungen und größer. Da waren eben noch mehr Länder dabei, und jetzt ist es so, dass ganz viele Sportarten bei den Sportfesten nicht zustande kommen. Wir wären da gerne besser unterwegs, aber es hängt dort ganz viel an den finanziellen Mitteln."

Mehrmals sei man schon beim Vatikan vorstellig geworden, aber der zeige kein Erbarmen. "Die wirkliche Unterstützung von dort fehlt. Wir würden uns das schon sehr wünschen." Überhaupt hat Elsbeth Beha das Gefühl, dass die katholische Kirche den Sport immer noch zu stiefmütterlich behandelt.

"Ich habe den Eindruck, die Kirche hat noch nicht erkannt, welches Potenzial sie mit diesem DJK Sportverband hat, denn es gibt keine Religionsgemeinschaft, die einen eigenen, so großen Sportverband hat, und wir könnten über den Sport viel mehr in die Gesellschaft hinein wirken und vor allen Dingen in die Kirche wirken, denn Sport ist der größte Faktor in unserer Gesellschaft, und ich glaube, über den Sport kann man gesellschaftliche Gruppen erreichen, an die die Kirche nicht drankommt. Und da haben wir noch sehr viel Luft nach oben."

Ehrgeizige junge Kickerinnen

Dessen ungeachtet treffen sich im Düsseldorfer Südwesten die zwischen 50 und 90 Jahre alten Ehepaar-Turnerinnen und -Turner bei der DJK TuSA 06 weiterhin regelmäßig zur Gymnastik.

"Jetzt während der Corona-Zeit fand ich es ganz toll, dass nach längeren Abwägungen, wo das dann auch wieder möglich war, dass wir uns treffen konnten, dass das von TuSa angeboten wurde."

"Es ist also so sehr abwechslungsreich, und es ist vor allen Dingen eine gute Kameradschaft unter allen, und das ist eben der ausschlaggebende Punkt. Das muss man ein bisschen mehr fördern und beibehalten."

Einen Steinwurf entfernt bewegen sich auch die jungen Fußballerinnen wieder begeistert auf dem Platz. Unter der Aufsicht vom Chefcoach werden sie von Lara und Alina trainiert, Spielerinnen der U15 und ausgebildete Übungsleiterinnen.

"Ja, es ist schon mal was anderes, wenn man dann auch noch mal sieht, was für Schwierigkeiten man auch als Trainer hat, und dass das dann auch wieder eine andere Position ist, den Kindern zu erklären, wie man das machen soll, wo man als Spieler überhaupt gar nicht drüber nachdenkt."

Die beiden Teenies fühlen sich rundum wohl im Verein.

"Wir sind alle sehr gut befreundet. Zum Beispiel gestern waren wir noch alle zusammen Eis essen und auch sehr viel zusammen außerhalb. Das find ich auch sehr wichtig, dass man nicht nur eine Gemeinschaft ist auf dem Platz, sondern auch außerhalb."

Wenn auch der Spaß an erster Stelle steht, die jungen Kickerinnen sind durchaus ehrgeizig und wollen ganz nach oben, am liebsten in die Bundesliga. In verschiedene Auswahlteams haben sie es schon geschafft. Alina spielt zudem in der DJK-Elf.

"Dann übernachtet man, alle zusammen, in der Jugendherberge, hat Training und versucht da noch mal Gemeinschaften in ganz Deutschland zu bilden, und das find ich eine gute Idee, das ist schon cool."

Nicht kommerziell, mehr gemeinschaftsbezogen

Dass die DJK TuSA 06 als Leistungszentrum für Frauen- und Mädchenfußball in Düsseldorf arbeitet, ist kaum zu spüren.

"Das ist wirklich so eine Art familiäre Vereinigung, obgleich man auch Wert auf Leistung legt. Das ist so eine Melange, die haben sie woanders nicht."

Marcus Italiani leitet das Leistungszentrum, in dem 160 Mädchen und Frauen angemeldet sind und alle Teams, von der U7 bis zur ersten Frauenelf, in der höchsten Liga spielen.

"Sie werden hier keinen erleben, der hier heulend zusammenbricht, weil er mal einmal zwei Sekunden langsamer gelaufen ist, und denkt, er wird jetzt darum rausgeschmissen. Ich glaube schon, dass die DNA, die auch vom DJK kommt, dass die bewirkt, dass man hier anders miteinander umgeht."

"Es ist nicht kommerziell, es ist mehr gemeinschaftsbezogen: Zusammenarbeit, Zusammenleben, das spielt schon eine große Rolle, und deswegen ist es schon was Besonderes."

Christliche Wertvorstellungen

Ute Groth ist seit 2007 Vorsitzende der DJK TuSA 06. Die 61-jährige Vereinschefin wird 2019 bundesweit bekannt, als sie sich für den Präsidentensessel beim DFB bewirbt. Ein stückweit angetrieben vielleicht auch von christlichen Wertvorstellungen wie Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.

"Das hat schon etwas mit meinem Menschenbild zu tun, dass ich das auch gemacht habe, und das ist sicherlich christlich, auch wenn ich nicht in der Kirche bin."

Porträt von Ute Groth, Vorsitzende des DJK Tusa 06 Düsseldorf (dpa / Henning Schoon)"Wir gehen respektvoll miteinander um, wir reden miteinander", sagt die Vorsitzende des DJK Tusa 06, Ute Groth. (dpa / Henning Schoon)

Ihr fehlte unter anderem die Transparenz und die Glaubwürdigkeit von Präsident Reinhard Grindel.

"Dieser DFB-Präsident hat meiner Meinung nach eine Vorbildfunktion. Wenn der Mann an der Spitze nicht glaubwürdig ist, dann hat das auch Auswirkungen nach unten. Und deswegen habe ich gesagt: Ich möchte das gern mal anders sehen, und deswegen habe ich mich auch da beworben."

Seit 30 Jahren ist Ute Groth Mitglied bei TuSA 06, einem heute sehr modern aufgestellten Sportverein, der im Stadtteil verankert ist, mit Schulen und anderen Vereinen unbürokratisch zusammenarbeitet, und der eine eigene Sozialarbeiterin hat. Ein Verein, der sich um seine Mitglieder kümmert.

Das alles spricht sich rum. Nachwuchssorgen kennt man hier nicht. Während der katholische Sportverband seit Jahren kontinuierlich Mitglieder verliert, gibt es bei der DJK TuSA 06 Wartelisten.

"Wir gehen respektvoll miteinander um, wir reden miteinander und dieses Vereinsleben ist hier besonders angenehm und motivierend und inspirierend, und irgendwie neben dem Sport bereichernd. Und das ist, glaube ich, dann tatsächlich ein bisschen dieser DJK-Gedanke, obwohl wir jetzt hier nicht zusammensitzen und beten oder solche Sachen machen."

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