Seit 20:03 Uhr Konzert

Mittwoch, 22.05.2019
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Fazit | Beitrag vom 25.11.2018

100 Jahre BauhausAus Dessau über Israel nach Nigeria

Vladimir Balzer im Gespräch mit Marietta Schwarz

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein großes Universitätsgebäude im Bauhaus-Stil in Nogeria (Keren Kuenberg)
Die Obafemi Awolowo Universität in Nigeria, gebaut vom Bauhaus-Absolventen Arieh Sharon, gemeinsam mit einem Stab nigerianischer Architekten. (Keren Kuenberg)

Im kommenden Jahr feiert das Bauhaus 100. Geburtstag. Aus Deutschland ist es nicht wegzudenken, aber welchen Einfluss hatte die Bewegung in anderen Ländern, auf anderen Kontinenten? Eine Spurensuche in Nigeria.

Bevor das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum hierzulande gebührend mit Ausstellungen und Veranstaltungen begangen wird, haben sich die "Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar", das Goethe-Institut und das Berliner Haus der Kulturen der Welt aufgemacht, um die Wirkungsgeschichte der Architektur- und Denkschule in anderen Ländern zu erkunden. "bauhaus imaginista" ist ein Forschungsprojekt mit verschiedenen Ausstellungsstationen – nach Marokko und China macht es gerade in Nigeria Station.

Architektur als Luxus in Lagos

Auf den ersten Blick verbinde man Nigeria nicht mit dem sachlichen Architekturstil aus Deutschland, sagte Vladimir Balzer im Deutschlandfunk Kultur. Wobei der gerade der größten nigerianischen Stadt Lagos gut tun würde. "Hier wäre gelungene Architektur schon der größte Luxus", berichtete Balzer. Die Stadt sei ein Moloch und eines der größten Probleme sei die soziale Spaltung. "Eine Minderheit von Reichen hat eine Art private Welt für sich aufgebaut, mit eigener Infrastruktur – sie erkaufen sie sich. Für alle anderen gibt es kaum öffentliche Räume", erzählte Balzer.

Um dem Bauhaus in Nigeria auf die Spur zu kommen, musste Balzer mit dem Bus aus Lagos heraus – auf den Campus von Ife, zur Obafemi Awolowo Universität. "Da plötzlich eine Oase. Da studieren 40.000 Studenten aus ganz Afrika, es ist die größte Uni Nigerias. Die erste auf der nach der Unabhängigkeit Architektur unterrichtet wurde", berichtete Balzer.

Israel suchte nach Verbündeten in Afrika

Konzipiert wurde die Universität von Arieh Scharon, Jahrgang 1900. Scharon war Schüler von Walter Gropius, vor allen Dingen aber von Hannes Meyer am Bauhaus in Dessau. Scharon war derjenige, der das Bauhaus nach Tel Aviv brachte. In den 1960er-Jahren suchte Israel nach Verbündeten – auch in Afrika.

Und so kam Arieh Scharon zu dem Auftrag, eine Universität in Nigeria zu bauen. "Und was man hier sieht, sind nicht so diese baulich zurückhaltenen Gebäude der frühen Bauhaus-Jahre, sondern hier durfte sich die Moderne noch mal so richtig austoben in ihrem Fortschrittsglauben – expressive, raumgreifende Gebäude, mehretagige Betonstrukturen, Brücken, Plätze, offene Auditorien", beschrieb Balzer.

Beispiel für "tropische Moderne"

Der Campus in Ife sei eines der besten Beispiele der "tropischen Moderne", meint Balzer. "Der Architekt Sharon hat 20 Jahre lang daran gebaut, es ist sein Lebenswerk. Er hat sich ganz auf diesen Ort eingelassen, also auf das Wetter. Das ist der zentrale Faktor für das Bauen hier, die Tropen", sagte Balzer. So habe der Großteil der Seminarräume keine Fenster, die Gebäude verbreiterten sich nach oben, um Schatten zu spenden und oft werde ein Kamin-Effekt hergestellt, um einen kühlen Luftzug zu erzeugen.

Und das wichtigste sei, dass die Gebäude angenommen würden, meinte Vladimir Balzer: "Die Studierenden dort mögen es einfach. Sie bevölkern fröhlich diese Bauten, es werden Seminare auf Treppenstufen abgehalten, Vorlesungen in offenen Atrien – also dieser Campus funktioniert."

(beb)

Kulturpresseschau

Aus den FeuiletonsDreiecksgeschichte mit Roboter
Weiblicher Roboter mit dem Spiegelbild einer Frau. (imago stock&people)

Was passiert, wenn ein Haushaltsroboter Gedichte schreibt und sich in die Freundin des Hausherrn verliebt? Das zeigt der Schriftsteller Ian McEwan in seinem neuen Roman, der das Jahr 1982 neu erfindet – und die Beziehung zwischen Mensch und Maschine.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

Folge 13Konfetti und Konflikte
Bühnenbild von Katrin Brack für „Immer noch Sturm“ am Thalia Theater Hamburg (Armin Smailovic)

Konfetti, Nebel und Schaumstoffquader: In Folge #13 des Theaterpodcasts schauen wir auf die Bühnenbilder von Katrin Brack und fragen am Beispiel der Bühnen Halle, wie viel Experimente das Stadttheater verträgt.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur