Seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Samstag, 23.03.2019
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9 kompakt

Fazit | Beitrag vom 25.11.2018

100 Jahre BauhausAus Dessau über Israel nach Nigeria

Vladimir Balzer im Gespräch mit Marietta Schwarz

Beitrag hören Podcast abonnieren
Ein großes Universitätsgebäude im Bauhaus-Stil in Nogeria (Keren Kuenberg)
Die Obafemi Awolowo Universität in Nigeria, gebaut vom Bauhaus-Absolventen Arieh Sharon, gemeinsam mit einem Stab nigerianischer Architekten. (Keren Kuenberg)

Im kommenden Jahr feiert das Bauhaus 100. Geburtstag. Aus Deutschland ist es nicht wegzudenken, aber welchen Einfluss hatte die Bewegung in anderen Ländern, auf anderen Kontinenten? Eine Spurensuche in Nigeria.

Bevor das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum hierzulande gebührend mit Ausstellungen und Veranstaltungen begangen wird, haben sich die "Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar", das Goethe-Institut und das Berliner Haus der Kulturen der Welt aufgemacht, um die Wirkungsgeschichte der Architektur- und Denkschule in anderen Ländern zu erkunden. "bauhaus imaginista" ist ein Forschungsprojekt mit verschiedenen Ausstellungsstationen – nach Marokko und China macht es gerade in Nigeria Station.

Architektur als Luxus in Lagos

Auf den ersten Blick verbinde man Nigeria nicht mit dem sachlichen Architekturstil aus Deutschland, sagte Vladimir Balzer im Deutschlandfunk Kultur. Wobei der gerade der größten nigerianischen Stadt Lagos gut tun würde. "Hier wäre gelungene Architektur schon der größte Luxus", berichtete Balzer. Die Stadt sei ein Moloch und eines der größten Probleme sei die soziale Spaltung. "Eine Minderheit von Reichen hat eine Art private Welt für sich aufgebaut, mit eigener Infrastruktur – sie erkaufen sie sich. Für alle anderen gibt es kaum öffentliche Räume", erzählte Balzer.

Um dem Bauhaus in Nigeria auf die Spur zu kommen, musste Balzer mit dem Bus aus Lagos heraus – auf den Campus von Ife, zur Obafemi Awolowo Universität. "Da plötzlich eine Oase. Da studieren 40.000 Studenten aus ganz Afrika, es ist die größte Uni Nigerias. Die erste auf der nach der Unabhängigkeit Architektur unterrichtet wurde", berichtete Balzer.

Israel suchte nach Verbündeten in Afrika

Konzipiert wurde die Universität von Arieh Scharon, Jahrgang 1900. Scharon war Schüler von Walter Gropius, vor allen Dingen aber von Hannes Meyer am Bauhaus in Dessau. Scharon war derjenige, der das Bauhaus nach Tel Aviv brachte. In den 1960er-Jahren suchte Israel nach Verbündeten – auch in Afrika.

Und so kam Arieh Scharon zu dem Auftrag, eine Universität in Nigeria zu bauen. "Und was man hier sieht, sind nicht so diese baulich zurückhaltenen Gebäude der frühen Bauhaus-Jahre, sondern hier durfte sich die Moderne noch mal so richtig austoben in ihrem Fortschrittsglauben – expressive, raumgreifende Gebäude, mehretagige Betonstrukturen, Brücken, Plätze, offene Auditorien", beschrieb Balzer.

Beispiel für "tropische Moderne"

Der Campus in Ife sei eines der besten Beispiele der "tropischen Moderne", meint Balzer. "Der Architekt Sharon hat 20 Jahre lang daran gebaut, es ist sein Lebenswerk. Er hat sich ganz auf diesen Ort eingelassen, also auf das Wetter. Das ist der zentrale Faktor für das Bauen hier, die Tropen", sagte Balzer. So habe der Großteil der Seminarräume keine Fenster, die Gebäude verbreiterten sich nach oben, um Schatten zu spenden und oft werde ein Kamin-Effekt hergestellt, um einen kühlen Luftzug zu erzeugen.

Und das wichtigste sei, dass die Gebäude angenommen würden, meinte Vladimir Balzer: "Die Studierenden dort mögen es einfach. Sie bevölkern fröhlich diese Bauten, es werden Seminare auf Treppenstufen abgehalten, Vorlesungen in offenen Atrien – also dieser Campus funktioniert."

(beb)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsHelmut Kohl hat sich geirrt
Altkanzler Helmut Kohl am 20.11.1999 bei einer Pressekonferenz in der CDU-Zentrale. (dpa)

Um Europa steht es nicht gut in Zeiten des Brexit - da sind sich die Kulturseiten der Zeitungen einig. Wenn es allerdings um Rezepte zur Heilung des Kontinents geht, ist Schluss mit der Einigkeit. Aber den Roman von Anke Stelling finden alle gut.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 12Von Wilmersdorfer Witwen und kämpferischer Kultur
Die legendären "Wilmersdorfer Witwen" im Musical "Linie 1" des Grips-Theaters. (David Baltzer / bildbuehne.de / Grips Theater)

Das Berliner Grips-Theater wird 50 Jahre alt. Ist sein Erfolgsmusical „Linie 1“ noch aktuell? Ein Selbstversuch mit drei Generationen. Außerdem: Lässt sich das Theater in einen von rechtsnationalen Kräften erklärten „Kulturkampf“ verwickeln?Mehr

Folge 11Von Vielfalt und Verstärkung
Ein Darsteller des Musicals "Miss Saigon" mit einem angeklebten kleinen Stirnmikrofon steht am 25.01.2019 in Köln bei einem Fototermin auf der Bühne. (imago / Horst Galuschka)

Wer spricht wie auf deutschen Bühnen? Es gibt zwar immer mehr Schauspieler*innen mit angeklebten Mikrofonen, aber noch zu wenige aus benachteiligten Gruppen. Um Diversity und Mikroports geht es in Folge #11 des Theaterpodcasts.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur