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Weltzeit | Beitrag vom 14.01.2021

10 Jahre Revolution in ÄgyptenWie Mubarak auf Steroiden

Von Jürgen Stryjak und Anne Allmeling

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Nach riesigen Protesten auf dem Tahir-Platz in Kairo musste Ägyptens Präsident Mubarak am 11. Februar 2011 zurücktreten. (imago/United Archives International)
Nach riesigen Protesten auf dem Tahir-Platz in Kairo musste Ägyptens Präsident Mubarak am 11. Februar 2011 zurücktreten. (imago/United Archives International)

Am 25. Januar 2011 begannen Massenproteste in Ägypten. Sie lösten den Sturz von Langzeitherrscher Mubarak aus. Zehn Jahre später sitzen viele Menschenrechtler, Aktivisten und Journalisten in Haft. Das Sisi-Regime sei schlimmer, so Beobachter.

In den letzten Jahren unter Mubarak gab es große Frustrationen über die wirtschaftliche Not. Trotz Wirtschaftswachstum kam bei dem Großteil der ägyptischen Bevölkerung wenig davon an. Und so fühlten sich viele im Land bestohlen von der Elite.

Dazu kam eine Reihe von Foltervideos aus Polizeistationen, die geleaked wurden und für eine ganz starke Wut sorgten. Und als es im Dezember 2010 in Tunesien gelang in Folge der Jasmin-Revolution den ersten arabischen Langzeitherrscher zu vertreiben, gab es den Demonstrationswilligen in Ägypten großen Aufschwung. Der sogenannte Arabisch Frühling war auch am Nil angekommen.

Anne Allmeling ist seit 2018 Hörfunk-Korrespondentin im ARD-Studio Kairo. (Twitter)Kairo-Korrespondentin Anne Allmeling. (Twitter)In dieser Folge des Weltzeit-Podcasts berichtet Anne Allmeling auch über Ekram und den Kampf um ihren Sohn Ziyad. Er ist Rechtsanwalt, Gründungsmitglied der sozialdemokratischen Partei in Ägypten und setzte sich schon als Jugendlicher für Freiheit und Demokratie ein. 2019 wurde er verhaftet und sitzt nun wie viele Aktivisten im berüchtigten Tora-Gefängnis in Kairo.

Am 25. Januar 2011 kamen in Kairo 25.000 Leute zusammen, was für Ägypten eine unglaubliche Zahl war. Schon vier Tage später waren Hunderttausende auf den Straßen, weil die Angstbarriere verschwunden war. Die Leute verspürten Euphorie. Sie hatten das Gefühl, sie würden erstmals eine historische Chance erhalten nach 30 Jahren das verhasste Regime loszuwerden.

Ursprünglich ging es um die Einführung eines Mindestlohns, die Abschaffung der Notstandsgesetze und die Absetzung des Innenministers, der für den Polizeistaat verantwortlich war. Am 11. Februar sorgte der Druck der Straße für den Rücktritt von Husni Mubarak.

Sisi: Solche Revolutionen dürfen nie wieder passieren

Die folgenden Parlamentswahlen ab Herbst gewannen islamistische Parteien. Auch bei der Präsidentschaftswahl 2012 setzte sich der Vorsitzende der Muslimbruder Mohammed Mursi knapp durch. 2013 kam es erneut zu Massenprotesten. Das Militär griff ein, setzte den Präsidenten ab und 2014 siegte bei der Präsidentschaftswahl der Oberbefehlshaber der ägyptischen Streitkräfte: Abdel Fattah al-Sisi. Der sagte 2018, es sei seine wichtigste Aufgabe, dass solche Revolutionen wie im Januar und Februar 2011 nie wieder passieren würden.

Es gehe dem Regime um die vollständige Kontrolle des Landes, sagen langjährige Beobachter. Die Angst bei der Bevölkerung ist entsprechend groß: Kaum jemand traut sich offen auf der Straße oder gegenüber Journalisten seine Meinung zu sagen. Ein Aktivist formuliert es so:

"Das was unter Sisi jetzt passiert, das ist wie Mubarak auf Steroiden."

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