Das Feature, vom 09.03.2021, 19:15 Uhr

10 Jahre nach der KatastropheForever Fukushima

Takayuki Atsumi war drauf und dran endlich Fischer zu werden, als der verheerende Tsunami seine Existenzgrundlage zerstörte. Heute hat Atsumi alles wiederaufgebaut, doch jetzt sollen 1,2 Millionen Tonnen des kontaminierten Wassers aus dem AKW Fukushima ins Meer geleitet werden.

Der gewaltige Tsunami überschwemmte vor zehn Jahren die ganze Küstenregion. Immer wieder sieht man noch Reste der Verwüstung, wie hier vorne im Bild den Schrott von Autos. Im Hintergrund dagegen das neue Fukushima: Das jüngst errichtete Museum über die nukleare Katastrophe. (Deutschlandradio/Yu Minobe)
Das neu errichtete Museum über die nukleare Katastrophe in Fukushima (Deutschlandradio/Yu Minobe)

10 Jahre liegt die Dreifachkatastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Super-GAU zurück. Wir erzählen die Geschichten von drei Menschen in Japan, für die Fukushima ein entscheidender Wendepunkt war. Der Fischer, der nach dem Tsunami sein Leben neu ordnen musste, die Journalistin, die seit 10 Jahren Interviews mit Arbeitern aus dem Kraftwerk Fukushima Dai-ichi führt und in Fukushima eine neue Heimat fand, und zuletzt der Unternehmer wider Willen: Ein Reisbauer, dessen Land nicht mehr zu bewirtschaften ist und der heute Solarstrom verkauft. 

Alle drei Geschichten kreisen um das Katastrophengebiet und zeigen die Folgen von Fukushima, bei denen längst noch kein Ende in Sicht ist. 

BildergalerieEin neu errichteter Wall soll die Städte das nächste Mal vor dem Tsunami schützen. Hinter den Bergen sieht man das havarierte Atomkraftwerk Fukushima Dai-ichi. Es wird noch Jahrzehnte dauern, bis es endgültig stillgelegt werden kann.Symbolisch für die Region um Fukushima steht ein orange-weißer Leitkegel. Ein Jahrzehnt nach dem 11. März 2011 ist der Landstrich immer noch eine Baustelle.Der rote Pfeil kennzeichnet den Fluchtweg im Falle einer erneuten Atomkatastrophe. Und das kann so lange nicht ausgeschlossen werden, bis die Stilllegung vollendet ist.Hinter diesem Zaun ist die Zeit stehengeblieben. Die durch die Atomkatastrophe stark verstrahlte, sogenannte "schwer zugängliche Zone" kann man nur mit offizieller Genehmigung und unter Schutzauflagen betreten.

Takayuki Atsumi ist 38 Jahre alt und Vater von drei Kindern. Er kultiviert Seescheiden und Austern - ca. 7km entfernt von dem AKW Onagawa, das bald wiederangeschaltet werden soll.Natsuko Katayama ist Journalistin bei der Tageszeitung „Tokyo Shimbun“. Seit zehn Jahren interviewt sie AKW-Arbeiter sowohl zu ihrem beruflichen als auch privaten Leben.Das ist Kosuke, Takayuki Atsumis Sohn. Er wächst bei Onagawa auf, in einem kleinen Fischerdorf, nahe des AKW Onagawas. Ob er Fischer werden will, weiß er noch nicht, aber das Radioequipment, das wir ihm gegeben haben, hat ihn fasziniert.Hiroshi Miura ist Reisbauer in Fukushima. Dort, wo früher sein Haus stand, steht heute ein Container, den er als Büro nutzt. Obwohl es Gegenden gibt, in denen man wieder wohnen kann, sind die Meisten nicht zurückgekehrt.

Forever Fukushima
10 Jahre nach der Katastrophe 
Von Julia Shimura und Yu Minobe

Regie: Giuseppe Maio
Redaktion: Mareike Maage, Wolfgang Schiller
Produktion: rbb/Deutschlandfunk/WDR 2021

Julia Shimura, geboren 1984 in Traunstein, lebt als freie Autorin in Berlin und Tokyo. Sie studierte Japanologie in Trier, München und Kagoshima. Arbeiten für das Radio, u. a. für rbb, ARD und Deutschlandradio. Schreibt und spricht über Gesellschaft, Kultur, Politik und Menschen in Japan.

Yu Minobe, geboren 1996 in Kyoto, studiert Global Studies in Tokyo. Seit seines zweijährigen Aufenthalts in München als Grundschüler ist er zwischen den beiden Kulturen tätig. Neben seinem Studium ist er seit 2019 zunächst als Übersetzer und später als Producer und Autor für das Radio tätig.

Forever Fukushima. 10 Jahre nach der Katastrophe (PDF)

Forever Fukushima. 10 Jahre nach der Katastrophe (Textversion)

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