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Im Gespräch | Beitrag vom 09.03.2019

10 Jahre Inklusion Behindert und selbstbestimmt - Wie geht das?

Katrin Heise im Gespräch mit Verena Bentele

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Ein Rollstuhl steht am 09.10.2014 in Stuttgart (Baden-Württemberg) im Klassenzimmer einer Gemeinschaftsschule.  (dpa / Inga Kjer)
In Inklusionsschulen lernen Kinder mit und ohne Behinderung zusammen. (dpa / Inga Kjer)

Seit 2009 gilt in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention. Sie verpflichtet die Vertragsstaaten, Menschen mit Behinderungen ein gleichberechtigtes Leben zu ermöglichen. Wie weit sind wir nach zehn Jahren Inklusion?

"Es ist super, dass wir die UN-Behindertenkonvention haben", sagt Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK und ehemalige Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung. Sie selbst ist von Geburt an blind und gewann als Biathletin zwölf Goldmedaillen bei Paralympischen Spielen. In ihren politischen Ämtern erlebt sie immer wieder die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität. Vieles gehe zu langsam voran, in den Schulen ebenso wie auf dem Arbeitsmarkt.

"Inklusion heißt, in allen Lebensbereichen darauf zu achten: Wie kommt jeder Mensch von A nach B? Wie kommen wir an alle Informationen? Wie können wir alle so eine Lebensform finden, in der wir eben entscheiden können: Wann möchte ich von wem welche Unterstützung haben? Das ist gelebte Inklusion. Und das bedeutet eben wirklich auch in unserer Gesellschaft ein Umdenken aller Menschen, eben auch der Menschen, die noch keine oder keine Behinderung haben und die aber genauso beteiligt sind an einem inklusiven Lebenssystem wie die Menschen mit Behinderung."

Inklusion betrifft jeden

Jeder 10. Deutsche lebt mit einer anerkannten Schwerbehinderung, 7,6 Millionen Menschen, und nur die wenigsten, wie Verena Bentele, von Geburt an.

"Für die meisten anderen Menschen ist es ja so, dass die im Laufe ihres Lebens durch Unfall, Krankheit oder andere Dinge ihre Behinderung bekommen. Und das ist natürlich sehr vielen Menschen nicht bewusst, die dann genervt reagieren und sagen: ‚Inklusion, betrifft mich nicht.‘ Ich sehe mich eben auch als der Mensch, der sich für all diejenigen einsetzt, die vielleicht morgen mit meinem Thema Berührung haben werden und es heute noch nicht wissen."

Das System von innen verändern

Engagement für Behinderte dürfe "kein Betroffenheitsthema" sein. "Barrierefreiheit bringt allen etwas. Teilhabe ist eine Chance für die ganze Gesellschaft."

Ihre Maxime: Politik nicht ohne uns. "Es ist aber auch ein Bereich, wo wir nicht immer sagen dürfen: Der Staat muss machen. Auch die Behinderten müssen etwas machen. Sie können sich zum Beispiel für politische Ämter bewerben. Ich kann nur daran appellieren, das System von innen zu verändern."

Behindert und selbstbestimmt - Wie geht das? Darüber diskutiert Katrin Heise am 9.3.2019 von 9:05 Uhr bis 11 Uhr mit Verena Bentele. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254, per E-Mail unter gespraech@deutschlandfunkkultur.de – sowie auf Facebook und Twitter.

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