Seit 23:05 Uhr Fazit

Montag, 20.05.2019
 
Seit 23:05 Uhr Fazit

Kompressor | Beitrag vom 06.06.2018

10. Berlin Biennale: "Millis Erwachen" Film interpretiert Kirchners Gemälde kritisch

Natasha A. Kelly im Gespräch mit Max Oppel

Podcast abonnieren
"Schlafende Milli" von Ernst Ludwig Kirchner (hier zu sehen in der Bremer Ausstellung "Der blinde Fleck. Bremen und die Kunst der Kolonialzeit" im Jahr 2017) (dpa / picture alliance/ Ingo Wagner)
"Schlafende Milli" von Ernst Ludwig Kirchner (hier zu sehen in der Bremer Ausstellung "Der blinde Fleck. Bremen und die Kunst der Kolonialzeit" im Jahr 2017) (dpa / picture alliance/ Ingo Wagner)

Die Künstlerin Natasha A. Kelly hat sich mit Ernst Ludwig Kirchners Gemälde "Schlafende Milli" auseinandergesetzt. Auf der 10. Berlin Biennale ist ihr Film "Millis Erwachen" zu sehen. Darin kommen schwarze, deutsche Frauen verschiedener Generationen zu Wort.

Der Expressionist Ernst Ludwig Kirchner hatte eine nackte, schwarze Frau gemalt. "Ernst Ludwig Kirchner als Kolonialmaler und Expressionist war natürlich Täter seiner Zeit", sagt Kelly. Frauen seien in einer Objektposition verhaftet und auch exotisiert und erotisiert worden. "Das dauert auch noch an. Es sind so gängige Klischees, die Menschen von uns haben, die die Mehrheitsgesellschaft von uns hat."

Schwarze Frau als Subjekt ihres eigenen Lebens

Kelly hat es zum Anlass genommen, Milli erwachen zu lassen, ihr eine Stimme zu geben und sie aus dieser Objektposition zu befreien. In ihrem Film für die Biennale zeigt sie acht Beispiele von Frauen, die erzählen, was ihnen widerfährt.

"Es fängt im Prinzip an mit biografischen Erzählungen, wo sie geboren sind, wie sie groß geworden sind, wie sie Rassissmus in Deutschland erleben."

Anders als bei Kirchner ist bei Kelly die schwarze Frau nicht mehr Objekt von Kunst, sondern Subjekt ihres eigenen Lebens.

(mhn)

Mehr zum Thema

Hygiene-Museum Dresden - Rassismus als Werkzeug der Unterdrückung
(Deutschlandfunk, Aus Kultur- und Sozialwissenschaften, 24.05.2018)

Critical Whiteness - Ein Plädoyer gegen die "Farbenblindheit"
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 19.07.2017)

Fazit

ESC-Finale in Tel AvivSchlagershow im Konfliktgebiet
Der niederländische Beitrag von Duncan Laurence ist der Sieger des diesjährigen ESC. Ein junger Mann sitzt an einem Keyboard und singt in ein Mikrofon auf einer Bühne. (Ilia Yefimovich / dpa )

Der diesjährige Eurovision Song Contest in Tel Aviv ist und war umstritten. Der Nahostkonflikt und die Debatte über die antisemitische BDS-Bewegung prägten das Vorfeld. Unser Kritiker Martin Mair hat einen perfekt durchkomponierten Abend erlebt. Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur