Seit 01:05 Uhr Tonart

Freitag, 28.02.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.04.2018

1. Roma-Biennale am Maxim Gorki TheaterFestival der Solidarität

Hamze Bytyci im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Podcast abonnieren
Kunstwerk "Gypsyland-Europa" von Damian Le Bas (Foto: Lutz Knospe) (Maxim Gorki / Lutz Knospe)
"Gypsyland-Europa" von Damian Le Bas (Foto: Lutz Knospe) (Maxim Gorki / Lutz Knospe)

Vier Tage lang zeigen Roma-Künstlerinnen und -Künstler unter dem Motto "Come out now!" Theateraufführungen und Kunstausstellungen am Maxim Gorki Theater in Berlin. Für Mitorganisator Hamze Bytyci geht es dabei auch darum, dass unterschiedliche Menschen zusammenhalten.

Bytyci betont, dass es "die Roma-und Sinti-Kultur" gar nicht gebe, und dafür soll die erste Roma-Biennale auch ein Zeichen setzen. Wenn über Roma generell gesprochen werde, dann würden sie oft in eine Ecke geschoben, leider auch von den Medien. Da ginge es dann viel um Armut.

Das könne man auch nicht verleugnen, sagt Bytyci: "Bis zu 80 Prozent der Roma in der EU sind unter der Armutsgrenze. Und 60 Prozent der Roma-Kinder in der Slowakei oder in Ungarn oder Bulgarien sind meistens in segregierten Schulen."

Es geht um Solidarität 

Die Bildungssituation habe sich aber dennoch verbessert. Das sei zwar positiv, aber die Arbeitslosenquote sei so hoch, dass Menschen, die einer Roma-Community entstammen, sich nicht zu ihrer Herkunft bekennen. Gerade das ist aber ein zentraler Punkt des Festivals.

Dementsprechend ist das Motto der Biennale mit "Come out now!" gewählt worden: "Es geht vor allem um Solidarität. Und es geht darum, dass Marginalisierte und Nicht-Marginalisierte zusammen halten", sagt Bytyci.

Kunstwerk "Safe European Home" von Damian und Delaine Le Bas (Foto: Lutz Knospe) (Maxim Gorki / Lutz Knospe)"Safe European Home" von Damian und Delaine Le Bas (Foto: Lutz Knospe) (Maxim Gorki / Lutz Knospe)

Interaktive Radio-Talk-Show

Die Grundidee zum Kunst-Projekt Hilton Zimmer 437 (eine interaktive Radio-Talk-Show mit Gästen und Musik), das auch auf der Biennale zu sehen sei, gehe zurück auf den Beuys-Schüler Joachim Eckl, der in Wien ein Zimmer zum Verschenken angeboten habe. "Und wir hatten das Glück, dieses Zimmer zu 'gewinnen'", sagt Bytyci.

Und nun ginge es den Künstlern darum, endlich aus der Roma-Perspektive erzählen zu können, aber nicht einfach nur aus dem Nähkästchen zu plaudern, sondern die Besucher sind eingeladen, auch kritische Fragen zu stellen.

Initiator der Biennale Damian Le Bas

Der Namensgeber der Biennale, Damian Le Bas, und seine Frau Delaine seien Mitglieder des ersten "Roma-Pavillons" 2007 in Venedig gewesen, so Bytyci. Da kam dann die Idee auf, eine Roma-Biennale zum Leben zu erwecken, aber damals hielten sie das selbst für kaum möglich. Le Bas sei zwar Ende letzten Jahres gestorben, aber er habe noch mitbekommen, dass es eine Förderungszusage für das Festival gegeben habe.

"Dem fühlen wir uns eben verpflichtet, dass wir diese Biennale so ausrichten, wie er sich das wünschen würde", sagt Bytyci. Deswegen habe man die Biennale auch mit einer Le Bas-Retrospektive eröffnet.

(jr)

Die "Roma-Biennale" findet noch bis zum 10. April statt.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsKultur in Zeiten von Corona
Touristen in Mailand auf dem Duomo Platz am  25.2. 2020  (dpa/ Cristiano Barni/Eidon/)

Der Coronavirus hat nicht nur Europa erreicht, sondern inzwischen auch die Kulturwelt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, dass in Mailand Museen und Theater geschlossen sind. Inzwischen werden schon Vergleiche zur Zeit der Pest gezogen.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 21Ende der Lieblingssongs: Musik im Schauspiel
Szene aus "Hätte klappen können - ein patriotischer Liederabend" im Maxim Gorki Theater Berlin (imago/Drama-Berlin.de/ Barbara Braun)

Es ist unübersehbar: Immer mehr Theaterinszenierungen setzen auf Livemusik. Eine sichere Bank für Musiker – aber ist es künstlerisch wirklich immer sinnvoll? Im Gespräch mit dem Volksbühnen-Musiker Sir Henry fragen wir, was Musik für die Bühne sein kann und sollte.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur