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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 21.01.2014

ZuwanderungFrei von Vorurteilen

Ein vorbildliches Integrationsprojekt aus Berlin

Von Adama Ulrich

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Kopftuch und Computer - Migrantinnen in Berlin Neukölln (AP)
Kopftuch und Computer - Migrantinnen in Berlin Neukölln (AP)

Kopftuchmädchen und Integrationsverweigerer, Problemkiez Neukölln und Parallelwelt der Muslime. Berlin ist voll von Vorurteilen - und Berlin gilt, auch so ein Vorurteil, im Rest der Republik nicht unbedingt als Beispiel für erfolgreiche Integration von Muslimen.

"Junge Muslime, wenn ihr eure Stimme hörbar machen wollt, wenn ihr mitmischen wollt in der Politik, wenn ihr sagen wollt, wer ihr seid, kommt dazu. Lasst uns mehr über euch erfahren."

Diesem Aufruf sind im Dezember 2010 einige hundert junge Muslime gefolgt. Kurz darauf ist JUMA entstanden. Die Abkürzung steht für "Jung, Muslimisch, Aktiv". Darüber hinaus haben die vier Buchstaben aber auch noch eine andere Bedeutung.

"JUMA steht für das arabische Wort Gemeinschaft, und Freitagsgebet bedeutet auch JUMA. Das ist schön, die Doppeldeutigkeit."

Sawsan Chebli arbeitet als Referentin für interkulturelle Angelegenheiten beim Berliner Innensenator – sie ist Mitinitiatorin von JUMA. In ihrem Büro in Berlin Mitte erzählt sie, wie sie auf die Idee gekommen ist, so eine Initiative speziell für muslimische Jugendliche ins Leben zu rufen.

"JUMA ist entstanden vor dem Hintergrund der Debatten um das Sarrazin Buch, wo wir häufig über junge Muslime gesprochen haben. Es gab dann auch Studien, die einen vermeintlichen Zusammenhang hergestellt haben zwischen Religiosität und Gewalt oder Religiosität und Integration. Dann hieß es, je religiöser die jungen Leute sind, desto aggressiver oder desintegrierter. Sarrazin hat ja noch von viel skurrileren und rassistischeren Thesen gesprochen: Muslime würden dazu beitragen, dass dieses Land den Bach runtergeht. Wir haben bei allen Debatten die Stimme der jungen Muslime vermisst, dass sie selbst zu Wort kommen."

Die Muslime, die bei JUMA mitmachen, sind sicher nicht diejenigen, die Thilo Sarrazin in seinem 2010 erschienen Buch „Deutschland schafft sich ab“ als bildungsfern und integrationsunwillig beschreibt. Dieser Stereotypisierung will JUMA entgegenwirken.

"Man sagt, der Islam sei gefährlich, doch mal ehrlich, betrachtet man das Ganze mit mehr Vertrauen, so erkennt man, man kann der Jugend ruhig mehr zutrauen. Man erkennt, die Jugend schafft und die Jugend will schaffen."

Gewinner des Hauptstadtpreises für Integration und Toleranz

Die Themen, mit denen sich die Jumaner, auseinandersetzen, Jumaner, so nennen sich die jungen, aktiven Muslime gerne selbst, haben sie allein ausgewählt. In einer Broschüre informieren sie über die Themenkomplexe, auf die sie sich letztlich geeinigt haben.

"Muslime und Medien: Von der bloßen Kritik zum professionellen Umgang."
"Junge Muslime treten Diskriminierung entgegen und machen sich stark für Chancengleichheit."
"Von wegen Gleichgültigkeit: Junge Muslime beteiligen sich in der Gesellschaft."
"Muslim, Berliner, Deutscher, Ausländer, Demokrat ... Muss man sich entscheiden?"

Muslimische Vielfalt

"Zerstrittenheit ist out, Verständigung ist in."

Politischer Diskurs

"Zwischen leichtem Stimmenfang und differenzierter Auseinandersetzung mit dem Islam."

Und last but not least JUGA

"Jung gläubig, aktiv: Junge Muslime, Christen, Juden, Bahai lehnen die Instrumentalisierung und den Missbrauch ihrer Religionen ab und engagieren sich gemeinsam für eine vorurteilsfreie Zukunft."

Für ihre Arbeit hat die interreligiöse JUGA-Gruppe 2013 den Hauptstadtpreis für Integration und Toleranz gewonnen, den die Initiative Hauptstadt Berlin 2013 zum sechsten Mal vergab. Jetzt will die Gruppe ihre interreligiöse Arbeit sogar noch professionalisieren.

"Mit der interreligiösen Gruppe machen wir gerade eine Peers-Ausbildung. Da trainieren wir junge Juden, Christen, Muslime und Bahai dafür, dass sie an Schulen gehen und interreligiöse Workshops anbieten, um auch hier Intoleranz im Namen von Religionen entgegenzutreten. Das ist ganz anders, wenn ein junger Jude, ein junger Moslem, ein junger Christ oder Bahai an die Schule geht und Koexistenz vorlebt, als wenn das irgendwelche älteren Trainer machen. Sie können viel glaubwürdiger vermitteln, wir müssen uns nicht hassen, auch wenn er Jude und ich Muslim bin."

Weil in diesem Projekt junge Muslime selbst zu Wort kommen, konnte Sawsan Chebli die "Regionale Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie", kurz RAA, als Träger gewinnen. Die RAA ist ein gemeinnütziger Verein, der seine Arbeit durch öffentliche Mittel und Stiftungsprogramme finanziert. Sein Anliegen ist es, Minderheiten zu stärken. Die RAA geht davon aus, dass die Betroffenen selbst am besten wissen, wo die Probleme liegen und wie sie am ehesten etwas zu deren Lösung beitragen können. Sie unterstützen beispielsweise engagierte Roma, die mit sozial benachteiligten Jugendlichen arbeiten. Für das JUMA-Projekt ist Kofi Ohene-Dokyi bei der RAA zuständig.

"Juma hat den Fokus gelegt auf Jugendliche, bei denen die muslimische Religion einen Teil ihrer Identität darstellt. Und jetzt komme ich zu den Benachteiligten oder zu den Problemjugendlichen. Wenn auch Lehrer wissen, dass es solche und solche Jugendliche aus muslimischen Elternhäusern gibt, dann suchen sie die Ursachen vielleicht woanders. Dann ist nicht gleich, ach das ist diese muslimische Kultur oder dieser arabische Hintergrund. Wenn sie wissen zum Beispiel, dass es Jugendliche gibt, die haben studiert, die haben ein 1er-Abi gemacht, sind voll integriert - jedenfalls in sozialer Hinsicht, dann hat das auch einen Effekt, weil man doch noch mal anders fragen muss, wenn es nicht die Kultur, die Religion ist, wo liegen denn dann die Ursachen."

Kopfbedeckung sorgt für Diskriminierung

Für Ohene-Dokyi liegen die Ursachen für radikale, oder integrationsunwillige muslimische Jugendliche nicht in ihrer Religion, sondern vor allem in einer Sozial- und Bildungsbenachteiligung. Genau darüber müsse man sprechen, meint er. Eine Islam-Debatte a’la Sarrazin hält er für kontraproduktiv.

"Worum es genau geht, wenn man sich die Sarrazin-Debatte mal vor Augen führt, da ist einerseits von Muslimen die Rede, obwohl man vielleicht bestimmte Schüler meint, wo man denkt, okay, dass sind sozial benachteiligte Schüler. Das wird aber gleichgesetzt und nicht gesehen, es gibt auch sehr gebildete Muslime. Gleichzeitig gibt es eine Diskussion über eine Radikalisierung von Muslimen. Am Ende, was als Bild hängen bleibt: Die passen nicht hierher. Egal wie, ob mit Kopftuch oder so, oder so. Ist doch irgendwie alles das Gleiche und passt nicht hier her."

"Ich bewerbe mich grundsätzlich ohne Bewerbungsfoto, damit ich eine Chance habe, zum Gespräch eingeladen zu werden. Meist überzeugt mein Lebenslauf ja. Und ich habe dann im Vorstellungsgespräch auch die Chance, persönlich zu überzeugen und das gelingt mir eigentlich ziemlich gut."

Betül Ulusoy sitzt in einem gemütlichen Café in Berlin Neukölln. Sie trinkt türkischen Kaffee aus einem Kupferkännchen. Es wäre schön, wenn man jetzt nicht erwähnen müsste, dass sie ein Kopftuch trägt. Doch es ist notwendig, da diese Kopfbedeckung in vielerlei Hinsicht ihr Leben prägt.

"Angefangen bei meiner Schulleiterin. Ich hatte eine Podiumsdiskussion organisiert und anschließend meinte sie, toll, super gemacht, aber wir müssen über dein scheiß Kopftuch reden. Das ist ein wörtliches Zitat von ihr. Oder, dass ich an Reisen nicht teilnehmen durfte, weil ich ein Kopftuch trug oder, weil ich am Sportunterricht nicht teilnehmen durfte, wegen des Kopftuchs. Also das sind dann Sachen, die einen schon prägen als Teenager."

Um anderen muslimischen Mädchen solche Erfahrungen künftig zu ersparen, engagiert sich Betül Ulusoy bei JUMA.

"Wir reden ja oft von christlicher Leitkultur, aber was ist das eigentlich und wer hat diese Kultur mit geprägt? Darum geht es uns, dass Kultur nicht statisch ist, sondern vielfältig geprägt wird. Andere Kulturen haben unsere geprägt und wir haben halt andere geprägt. Dafür ein Bewusstsein zu schaffen bei Schülern, darauf kommt es uns an."

Betül arbeitet in dem Projekt ID-entity mit. Dort wird unter anderem der Frage nachgegangen, welchen Einfluss muslimische Gelehrte auf die europäische Kultur hatten.

"Wir haben das in drei verschiedenen Bereichen gemacht: Mathematik - wie ist das mit Algorithmus, Algebra, wo kommen die Wörter eigentlich her?"

Algebra stammt von dem arabischen Wort al-ǧabr ab, was soviel bedeutet wie "das Ergänzen" / "das Einrichten".

"Oder im Bereich Bildung - was für Häuser, Bibliotheken gab es?"
"Fatima al-Fihriya, eine Kaufmannstochter, gründete im Jahr 859 in Marokko die erste Universität, die akademische Titel verlieh."
"Oder im Bereich Sprache. Welche Wörter haben wir im Deutschen, welche Wörter benutzen wir? Uns ist gar nicht bewusst, aus welchem Sprachraum sie kommen. Z.B. Giraffe oder Joghurt oder Kiosk."
"Das Wort Kiosk stammt aus dem Persischen und bedeutete ursprünglich so viel wie Ecke oder Winkel, ehe es außerdem einen Pavillon oder ein Gartenhaus bezeichnete."

Die Schüler, die an den ID-entity-Workshops teilnehmen, sind immer wieder überrascht von der Vielzahl der Einflüsse, die der Islam auf die europäische und damit auch auf die deutsche Kultur ausübt. Sicher sind damit nicht sämtliche Vorurteile aus der Welt, doch die Jugendlichen beginnen, die fremde Kultur in einem anderen Licht zu sehen.

Betül Ulusoy ist 25 Jahre alt. Sie hat an der Freien Universität Jura studiert und absolviert gerade ihr Referendariat mit Spezialisierung auf Wirtschafts-, Unternehmens- und Steuerrecht. Auch als Anwältin will Betül weiter ein Kopftuch tragen.

"Ich habe den Eindruck, ehrlich gesagt, je höher ich steige, desto offener reagieren die Leute auf mich. Was schwieriger ist, ist das Alltägliche. Also in der BVG oder an der Supermarktkasse. Die Ungleichbehandlung dort fällt viel mehr ins Gewicht. Das z.B. Leute, die vor mir an der Kasse stehen, begrüßt werden, angeschaut werden, denen wird das Geld ordentlich in die Hand gegeben. Bei mir gibt es weder eine Begrüßung noch ein Ansehen und das Geld wird mir so hingeschmissen irgendwie. Im Alltag ist die Diskriminierung stärker. Ich trage ja meinen Lebenslauf nicht auf der Stirn."

Einen wesentlichen Grund für diese Art der Diskriminierung sieht die junge Frau in der Angst vieler Menschen vor dem Fremden.

"Jeder Mensch hat Vorurteile - auch Muslime, auch ich habe Vorurteile, auch gegenüber Frauen mit Kopftuch. Das muss man sich auch mal vorstellen. Das Problem ist, dass man Vorurteile auf jeden Fall hinterfragen muss, man darf sich nicht auf ihnen ausruhen. Das ist das, was wir auch mit JUMA erreichen wollen."

Obwohl JUMA-Initiatorin Sawsan Chebli kein Kopftuch trägt, hatte auch sie mit Vorurteilen zu kämpfen. Mit zwölf Geschwistern wuchs sie in einer Dreizimmerwohnung in Berlin Moabit auf. In der Familie wurde nur arabisch gesprochen. Als Kind kam sie praktisch ohne Deutschkenntnisse in die Schule. 1970 immigrierten ihre Eltern, die 1949 aus Palästina vertrieben wurden und als staatenlose Flüchtlinge im Libanon lebten, nach Deutschland.

Erst 1993, als Sawsan 15 war, wurden sie hier eingebürgert. Eigentlich die klassische sozial schwache Familie mit großen Integrationsproblemen. Doch Sawsans Eltern, beide gläubige Muslime, wollten, dass ihre Kinder es einmal besser haben und legten großen Wert auf ihre Schulbildung. Chebli absolvierte das Abitur mit der Note "sehr gut" und studierte an der Freien Universität in Berlin Politikwissenschaften. Sie träumte davon, jungen Menschen Mut zu machen, die ähnliches erlebt haben wie sie.

"Wir wollen ein Projekt, mit dem wir Leute empowern. Hier gibt es viel Rassismus, Islamfeindlichkeit. Denen zu sagen, ihr seid was wert und sie zu stärken, war der erste Schritt, bevor ich die anderen erreiche, die so genannten schwierigen Jugendlichen, die nicht bildungsnah sind und die Leute brauchen, die sie mit hoch nehmen, damit sie nicht abgehängt werden von der Gesellschaft."

Einige von ihnen leben im Reuterkiez in Berlin Neukölln.

"Mit der Zeit ist aus dem Reuterkiez ein moderner Kiez geworden. Das ist so ein Übergang von Kreuzberg nach Neukölln und viele Künstler haben sich hier niedergelassen, weil einfach die Gegebenheiten sich als gut erwiesen haben und auch, weil die Mieten zu dem Zeitpunkt günstig waren. Jetzt dreht sich langsam das Blatt. Die Mieten steigen und die meisten Familien, die Hartz IV beziehen, die einfach keine Jobs finden, weil’s keine gibt für sie, die werden langsam verdrängt und diejenigen, die noch dort sind, die nehmen unsere Angebote auch an."

Ümit Baba ist selbstständiger Taxiunternehmer und ehrenamtlicher Generalsekretär des Türkisch-Deutschen Zentrums, mit Sitz in Neukölln. Dabei ist der Name irreführend, denn allein um das Zusammenleben von Türken und Deutschen geht es hier schon lange nicht mehr. Laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg beträgt der Anteil der Einwanderer, die aus aller Welt in Neukölln eintreffen, im Juni 2013, 41,6 Prozent. Sie stammen aus 147 verschiedenen Ländern.

"Besonders in diesem Quartier haben wir verschiedene Kulturen: Türken, Iraker, Kurden, Iraner, Afrikaner, Afghanen. Die haben natürlich verschiedene Kulturen, verschiedene Religionsansichten. Es gibt die Schiiten, die Aleviten, die Sunniten. Wir machen da keinen Unterschied. Wir sind komplett offen, jeder kann zu uns kommen."

Einige Bundesländer wollen Konzept übernehmen

Anders als das JUMA-Projekt, das sich auf intellektueller und politischer Ebene mit dem Integrationsthema befasst, steht im Türkisch-Deutschen Zentrum ganz handfeste, praktische Hilfe im Mittelpunkt. Das TDZ bietet Sprachkurse an, betreibt ein Schülercafé, organisiert Ausflüge, kümmert sich um Hausaufgabenhilfe und um Bastelnachmittage. Auch ein "Soziales Kaufhaus" gehört dazu, wo gebrauchte Kleidung an Bedürftige verteilt wird. Außerdem gibt es einen Frauentreff.

"Da kommen Frauen, die man normalerweise nicht auf der Straße sieht, die im Haushalt tätig sind. Der soziale Umgang fehlt, das heißt man möchte gerne mal raus, sich mit anderen treffen, man möchte ein bisschen Kultur mitbekommen. Das gibt es nicht. Das versuchen wir auch, in dem wir vorne diesen Bereich haben, wo sich Frauen treffen und ganz alltägliche Sachen machen. Das fängt an mit zusammen kochen, lesen, stricken. Ganz niedrigschwellige Sachen, aber die helfen schon, die Barrieren aufzuheben und das ist das wichtigste, dass ein erster Schritt gewagt wird und alles andere ergibt sich dann von selber."

"Die Jugend will schaffen, die Welt zu verändern, zum Besseren zu wenden. Sie wollen das Leid einiger beenden, sie wollen dieser Welt helfen, aufzustehen."

Youssef Adlah ist 25 Jahre alt. Er war 10, als er mit seiner Mutter aus Aleppo in Syrien nach Berlin kam, wo sein Vater bereits seit einigen Jahren lebte. Youssef wohnt im Wedding und studiert an der Technischen Universität Luft- und Raumfahrttechnik. Sein Hobby ist Poetry Slam.

"Sie möchten mit der Zeit weitergehen, sie vorantreiben, weiter pushen. Sie möchten nicht mit dem Alltag so vorbei huschen."

Youssef sitzt in seinem Stammcafé in einer Seitenstraße im Wedding und erinnert sich an seine Schulzeit.

"Ich habe mir teilweise Sprüche von Lehrern anhören müssen, wie zum Beipiel: ein Schüler mit Migrationshintergrund kann gar nicht so gut deutsch können, dass er eine Eins in Deutsch kriegen könnte."

Nicht zuletzt waren Argumente wie dieses der Grund dafür, dass sich Youssef seit 2011 bei JUMA engagiert. Zusammen mit einem Freund gründete er das "I, slam"-Projekt.

"I, slam. Ich slamme. Oder Islam."

Youssef ist für die Organisation und Strukturierung von "I,slam" zuständig und er ist Ansprechpartner, wenn es um Fragen der Sprache und Rhetorik geht. Mit Poetry Slam kann man nicht die Welt verändern. Doch für Youssef ist "I,slam" eine gute Möglichkeit, jungen Muslimen eine Plattform zu bieten, auf der sie selbst zu Wort kommen.

"Das ist ein Projekt, wo man versucht, über die Kunstform des Poetry-Slam eine Brücke zu schlagen zwischen Orient, Oxident, zwischen der muslimischen und nichtmuslimischen Welt. Da bedient man sich einfach dieser Dichtform, schafft einen Rahmen, damit die Muslime sich wohl fühlen. Schafft aber gleichzeitig die Möglichkeit für Nichtmuslime, daran teilzuhaben und auch in die Gedankenwelt von Muslimen einzutauchen und Erfahrungen zu sammeln."

"Sie möchten das Ganze verlangsamen, um den Fortschritt voran zu treiben. Würden wir es endlich begreifen, würden wir die Jugend fördern, denn die Jugend ist die Zukunft."

Obwohl das Projekt offiziell Ende 2013, nach drei Jahren, ausgelaufen ist, geht es mit JUMA weiter. Einige Bundesländer haben bereits ihr Interesse bekundet, das Konzept zu übernehmen. Denn auch wenn JUMA nicht unmittelbar das Bild, das hierzulande von Muslimen vorherrscht, verändert oder integrationsunwillige Jugendliche bekehrt, ist es eine Investition in die Zukunft.

"Die Jugend ist die Zukunft und dies ist ein Appell an die Vernunft. Denn der Vernünftige sagt, die Zukunft ist das, was uns alle noch erwartet und die Vergangenheit ist das, was hinter uns liegt. Die Jugend wird bleiben und der Verstand ist das, was am Ende tatsächlich siegt."

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