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Interview | Beitrag vom 07.06.2018

Zunahme von Geschlechtskrankheiten"Eine gewisse Leichtlebigkeit"

Norbert Brockmeyer im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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Mikroskopaufnahme des Syphillis-Erregers (imago / StockTreck Images)
Auch die Syphilis-Infektionen nehmen zu. Hier der Erreger in einer Mikroskopaufnahme. (imago / StockTreck Images)

Syphilis, Tripper, Chlamydien: In Deutschland gibt es eine Zunahme von Geschlechtskrankheiten. Der Mediziner Norbert Brockmeyer sieht darin einen Zusammenhang mit guten Behandlungsmöglichkeiten von HIV - und mit Online-Partnerbörsen wie Tinder.

Bei Syphilis und Tripper gebe es eine Zunahme schon seit 18 Jahren, sagt Norbert Brockmeyer, Präsident der Gesellschaft zur Förderung der sexuellen Gesundheit. "Die Zunahme hat sicherlich damit zu tun, dass HIV sehr, sehr gut behandelbar ist." Er meint damit, dass immer häufiger beim Geschlechtsverkehr auf Kondome verzichtet wird. Es gebe "eine gewisse Leichtlebigkeit".

Schnellere Anbahnung von Sexualkontakten

Einen Grund für die Zunahme von Geschlechtskrankheiten sieht Brockmeyer auch in der steigenden Anzahl von Online-Partnerbörsen wie Tinder und Grindr. "Damit ist natürlich eine Anbahnung von Kontakten, Partnerschaften, aber natürlich auch Sexualkontakten viel, viel schneller möglich als früher." Die Zahl der Infektionen steige an, weil es viel mehr Kontaktmöglichkeiten gebe.  

Der Mediziner Norbert Brockmeyer (dpa / picture alliance / Bernd Thissen)Der Mediziner Norbert Brockmeyer (dpa / picture alliance / Bernd Thissen)
Oft wissen die Betroffenen zunächst nichts von ihrer Infektion: "80 Prozent dieser Infektionen sind einfach symptomlos. Man merkt sie nicht, sondern man merkt dann im weiteren Verlauf teilweise über Jahre dann die Komplikationen." Brockmeyer meint dabei beispielsweise Unfruchtbarkeit, weil die Eileiter "verklebt" seien. Frauen könnten sich bei Geschlechtskrankheiten leichter infizieren als Männer.

(mhn)

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(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 17.05.2018)

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