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Dienstag, 16.01.2018

Tonart | Beitrag vom 21.08.2015

Zum zehnten Todestag von Robert Moog Sein Instrument setzte Maßstäbe

Von Bernd Gürtler

Der modulare Moog des amerikanischen Erfinders Robert Moog stammt aus den 1960er-Jahren und gilt als das erste ernst zu nehmende elektronische Gerät zum Erzeugen synthetischer Klänge. (picture alliance / Maximilian Schönherr)
Der modulare Moog des amerikanischen Erfinders Robert Moog stammt aus den 1960er-Jahren und gilt als das erste ernst zu nehmende elektronische Gerät zum Erzeugen synthetischer Klänge. (picture alliance / Maximilian Schönherr)

Mitte der Sechzigerjahre war eine Zeit, in der viele Pioniere an elektronischen Musikinstrumenten tüftelten. Die optimale Lösung sollte der Amerikaner Robert Moog erfinden - sein Moog Synthesizer hat Geschichte geschrieben.

Um diesen Sound geht es, das ist ein Moog Synthesizer. Benannt ist das elektronische Musikinstrument nach seinem Erfinder, Robert Moog.

Und man sagt Mogue, nicht Muhg, die Aussprache orientiert sich am Namen der Frauenzeitschrift Vogue, trotz der Schreibweise mit Doppel-O. Robert Moog fand, in seinem Fall sei eine Abweichung vom Schulenglisch vertretbar.

"Mein Urgroßvater kam aus Marburg, Deutschland. Er war der uneheliche Sohn einer unehelich geborenen Mutter, sie hieß Becker. Er konnte seinen Vater ausfindig machen, einen gewissen Moog. Als er in die USA ausgewandert ist, ging er in Bremen als Konrad Becker an Bord. Auf der Überfahrt beschloss er, sein neues Leben in der Neuen Welt mit einem neuen Namen zu beginnen. Als Conrad Moog ging er von Bord. Das war der Großvater meines Vaters."

Sein Synthesizer jedenfalls setzt Maßstäbe.

Mooge beschäftigt sich schon seit den 50er-Jahren mit elektronischen Klangerzeugern beschäftigt. Aber erst die Erfindung des Transistors, ein miniaturisiertes Bauteil, das die Elektronenröhre ersetzte, liefert Moog die technische Grundlage dafür, einen Synthesizer mit vertretbarem Stromverbrauch und in akzeptabler Größe zu bauen. Sein erster marktreifer Synthesizer von 1964 ist noch immer schrankgroß.

Keiner kommt am Moog Synthesizer vorbei 

Bis in die 70er-Jahre verkörpert das Instrument Fortschritt und Modernität. Wer etwas auf sich hält, bringt einen Moog Synthesizer zum Einsatz. Die Beatles, die Byrds, The Monkees, kaum einer kommt am Moog Synthesizer vorbei. 

Geboren wird Robert Moog 1934 im New Yorker Stadtteil Queens. Sein Vater ist Elektroingenieur von Beruf und widmet sich einer anspruchsvollen Freizeitbeschäftigung. 

"Mein Vater war ein Leben lang Angestellter des New Yorker Energieversorger Consolidated Edison und einer der ersten Amateurfunker."

Die Mutter erteilt ihrem Sohn Klavierunterricht. Moog verbindet damit allerdings keine angenehme Erinnerung.

"Meine Mutter hat mir Klavierunterricht verabreicht. Ihr Vater kam aus Warschau, Polen. Zu seiner Zeit hatte Polen einen bedeutenden Pianisten zum Staatsmann, Ignacy Jan Paderewski. Ihr Vater wollte, dass sie eine Pianistin wird wie Paderewski. ... Leider fehlte ihr das Talent. Sie übertrug die Erwartungen auf mich, ich sollte den Traum ihres Vaters erfüllen."

Genützt hat es trotzdem.

Robert Moog konstruiert seinen Synthesizer mit dem Sachverstand des Technikers und dem Einfühlungsvermögen des Musikers. 

"Der Moog Synthesizer sollte an das klassische Tonbandstudio eines Karlheinz Stockhausen, eines Pere Boulez, eines Pierre Schaeffer in Frankreich oder eines Vladimir Usaachevsky in den USA anknüpfen. ... Das klassische Tonbandstudio war mit diversen Instrumenten zur elektronischen Klangerzeugung- und Verfremdung ausgestattet. Die Klänge wurden auf Tonband aufgezeichnet, rückwärts abgespielt, die Bandgeschwindigkeit wurde manipuliert. ... Die Musiker, mit denen ich gearbeitet habe, hatten alle Tonbandstudioerfahrungen. Ihnen wollte ich mehr Möglichkeiten der Klangerzeugung- und Verfremdung an die Hand geben, in einer zweckmäßigen Box."

Emerson, Lake & Palmer etablierten das Instrument

Elektronische Musikinstrumente der Mitbewerber sind meist auf einen bestimmten gerätetypischen Sound beschränkt. Je mehr Klangvielfalt ein Gerät besitzt, desto komplizierter ist es zu bedienen. Der Moog Synthesizer ist mit einer Klaviatur ausgestattet und lässt sich wie ein konventionelles Tasteninstrument spielen, kann aber jeden x-beliebigen Sound erzeugen. Der Moog Synthesizer war das erste Instrument mit einer praktisch unbegrenzten Klangfülle.

Konzipiert hat Moog seinen Synthesizer für den Einsatz in der Neuen Musik. Tatsächlich kommt das erste bedeutende Moog-Album aus diesem Bereich. 1968 bearbeitet ein Absolvent des New Yorker Columbia Princeton Centers und Student von Vladimir Usaachevsky Kompositionen von Johann Sebastian Bach für den Moog Synthesizer. Sein Name, Walter Carlos, heute Wendy Carlos. Das Album hieß "Switched-On Bach".

"Switched-On Bach" etabliert den Moog Synthesizer als ernst zu nehmendes Musikinstrument, den Durchbruch bringt das Album aber noch nicht. Robert Moog wusste warum. 

"'Switched-On Bach' war ein Riesending, mehr als eine Million verkaufte Exemplare! Die Plattenfirma Columbia wurde vom Erfolg völlig überrumpelt, sie hatten keine Ahnung. ... Kulturell herrscht Ende sechziger Jahre Aufbruchsstimmung. Verrückte Zeiten, der Wandel vollzog sich rasant. Aber die Leute im Musikgeschäft hatten keinen Schimmer."

Etabliert ist das Instrument, nachdem die britische Progressive Rock-Formation Emerson, Lake & Palmer einen Moog Synthesizer einsetzt.

Die Moog-Sounds am Ende der Antikriegsballade "Lucky Man" verschafft dem Moog Synthesizer massenhafte Aufmerksamkeit. Bis zu seinem Tod verband Robert Moog eine enge Freundschaft mit Keyboardspieler Keith Emerson.

Als Robert Moog auch noch seinen schrankgroßen Synthesizer beim Mini Moog auf handliche Koffergröße reduziert, steht dem Siegeszug des Instruments nichts mehr im Weg. Rock, Blues, Country, Folk, Jazz, Soul, Ethno, Reggae, irgendwo ist immer ein Moog im Einsatz. Noch heute werden am Firmensitz in Asheville, North Carolina Moog Synthesizer gebaut und in alle Welt verkauft.

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Ursendung - Die Erfindung des Synthesizers - Modular Denken
(Deutschlandradio Kultur, Klangkunst, 19.06.2015)

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