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Fazit | Beitrag vom 05.02.2018

Zum Tod von Stefan Moses"Er hat dieses seismographische Sehen gehabt"

Christoph Stölzl im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Der Fotografen Stefan Moses ist bei eine Ausstellung mit seinen Fotografien im Willy-Brand-Haus ausgestellt sind. Zum 75. Geburtstag von Moses wird in der SPD-Zentrale eine Retrospektive des in Schlesien geborenen Fotografen gezeigt. (dpa / picture alliance / Stephanie Pilick)
Stefan Moses (1928-2018) (dpa / picture alliance / Stephanie Pilick)

Er war der fotografische Chronist der Bundesrepublik, nun ist Stefan Moses im Alter von 89 Jahren gestorben. Christoph Stölzl, früherer Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums, spricht über seinen Freund Stefan Moses.

"Stefan Moses war ein Mensch aus einer Welt, die es nicht mehr gibt. Dieser hochintelligenten, unglaublich gebildeten, witzigen, assoziationsreichen, spielerischen Welt des deutschen Judentums vor 1933", sagt Christoph Stölzl. Mit Moses gehe ein Denkmal dahin.

Beschenkt in jeder Beziehung

Sein fotografisches Werk sei monumental genug, aber "wer mit ihm zusammensein durfte, so wie ich in den letzten 30 Jahren, der wurde beschenkt bei jeder Begegnung." Und zwar sowohl im buchstäblichen Sinne, "mit komischem Zeug, Plüschtiere oder Spielzeug"  als auch im übertragenen Sinne, "einer überreichen Freude an Dialogen."

Der Schriftsteller Wolfgang Koeppen (Stefan Moses)Der Schriftsteller Wolfgang Koeppen (vor Tuch) von Stefan Moses fotografiert (Stefan Moses)

In Weimar hat Moses als Theaterfotograf begonnen, im Jahr 1950 wechselte er in die Bundesrepublik nach München. "Er hatte schon ein Visum für Amerika und blieb in München hängen. Er wollte dieses rätselhafte, doppeldeutige Deutschland, das ihm einerseits nach dem Leben getrachtet hat und andererseits Thomas Mann hervorgebracht hat, kennen lernen." 

Von Passau bis Hamburg immer auf Augenhöhe

Moses habe dann systematisch begonnen, die Deutschen zu fotografieren - von Passau bis nach Hamburg. Immer mit seinem großen, grauen Tuch, vor das sich die Leute setzen mussten. Wenn er Intellektuelle porträtiert habe, Bloch, Kästner, Adorno, dann sei er auf Augenhöhe gewesen. "Er kam als ein Freund, wenn er Kulturleute fotografierte und dachte sich Spiele aus, Masken, die die anziehen mussten."

Was bleibt?

"Ich möchte gern im Stehen sterben und gleich darauf zur Buche werden", hat Stefan Moses in einem Gedicht geschrieben. Was bleibt von ihm? "Ich glaube, dass er in 70 Jahren das gültige Bild der Deutschen geschaffen hat, jedenfalls der intellektuellen, der kulturellen, aber auch vieler anonymer Leute" sagt Christop Stölzl.

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