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Fazit | Beitrag vom 11.08.2017

Zum Tod des Verlegers Egon Ammann "Er hat immer wieder versucht, aus der Kurve zu beschleunigen"

Hans-Jürgen Balmes im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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(imago/Eßling)
Der Verleger Egon Ammann suchte immer nach weißen Flecken auf der Weltkarte der Literatur (imago/Eßling)

Der Schweizer Verleger Egon Ammann ist im Alter von 75 Jahren in Berlin gestorben. Sein früherer Lektor Hans-Jürgen Balmes erinnert sich an die Zusammenarbeit und Ammans sicheres Gespür für gute Literatur und erfolgversprechende Autoren.

"Einer seiner großen Idole war der Rennfahrer Jackie Stewart und der muss ihm irgendwann einmal gesagt haben, wenn Du in der Kurve bist, nicht bremsen, sondern Gas geben", erinnerte sich der früherer Lektor im Amman-Verlag, Hans-Jürgen Balmes, an den verstorbenen Verleger Egon Ammann. "So sah der Arbeitsalltag mit ihm eigentlich aus." Gerade in Zeiten, in dem es dem renommierten Schweizer Verlag eigentlich finanziell schlecht ging, habe Ammann neue Autoren entdeckt  und an den Verlag gebunden.

"Er hat immer wieder versucht, aus der Kurve zu beschleunigen, das ist ein Chef, der begeistert und ein Chef, der manchmal auch ein bisschen ermüdet."

Das, was Ammann von sich abverlangt habe, sei auch von anderen erwartet worden, sagte der heutige Verlagsleiter für internationale Literatur im S. Fischer-Verlag im Rückblick auf die frühere Zusammenarbeit.

"Obernase" für Literatur  

Balmes lobte, dass Ammann die "absolute Obernase" für erfolgversprechende Autoren besessen habe. Der Verleger habe selbst den Stapel der unverlangt eingesandten Manuskripte geprüft und dabei immer wieder Entdeckungen gemacht. Auf diese Weise sei beispielsweise das erste Buch des Schriftstellers Ulrich Peltzer im Ammann-Verlag erschienen. "Er war jemand, der als Verleger seine Autoren begleitet hat, der ihnen entscheidende Impulse immer wieder geben konnte für die Werkentwicklung."

Weiße Flecken

Ein Erfolgsrezept des Schweizer Kleinverlages sei auch gewesen, dass Amman nach weißen Flecken auf der literarischen Weltkarte gesucht habe. So habe er den russischen Dichter Ossip Mandelstam wiederentdeckt und dessen Gedichte zweisprachig herausgebracht.  "Das waren Wiederentdeckungen oder zum ersten Mal in Deutschland gebrachte Entdeckungen, auf die er extrem stolz war und  die er auch mit seinem ganzen  Herzblut nach vorne brachte."   

Aufgabe nach 29 Jahren

Wegen der schwierigen Lage auf dem Buchmarkt hatte Ammann 2010 seinen Verlag nach 29 Jahren aufgegeben, sodass Teile des Programms von S. Fischer übernommen wurden. Für einen Entdecker-Verlag sei es immer schwieriger geworden, zu überleben, sagte Balmes. Auch Ammanns Gesundheit sei nicht mehr stabil gewesen. "Ich glaube, diese beiden Widerstände zusammen, haben ihn dann zu einer Entscheidung geführt." 

(gem)

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