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Thema / Archiv | Beitrag vom 10.12.2010

Zornige Dame aus Korea

Die ehemalige "Trostfrau" Lee Soo San

Von Rebecca Roth

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Frauen in Korea protestieren gegen Japans Umgang mit seiner Kriegsvergangenheit. (AP Archiv)
Frauen in Korea protestieren gegen Japans Umgang mit seiner Kriegsvergangenheit. (AP Archiv)

Vor über 60 Jahren wurden Lee Soo San in einem japanischen Militärbordell, in dem sie als "Trostfrau" eingesperrt war, brutale Verletzungen zugefügt. Lange hat sie über ihr Schicksal geschwiegen, aber jetzt erzählt sie im Dokumentarfilm "63 years on" ihre furchtbare Geschichte.

Lee Soo San ist eine kleine, 82 Jahre alte Dame. Aber nichts hält sie mehr davon ab, vor der Kamera ihre Brüste, ihren Bauch und ihren Po zu entblößen. Ihre Haut ist übersät mit Narben. Die wurden ihr zur Zeit des Asien-Pazifik-Krieges vor mehr als 60 Jahren zugefügt:

"Sie haben mir die Brüste verbrannt, hier oben und da unten. Es tat so weh, ich krümmte mich vor Schmerz! Und daraufhin haben sie mir auch das Gesäß verbrannt. Mit einem kleinen Brenneisen haben sie mir den ganzen Körper verbrannt."

Lee Soo San ist den Tränen nah, als sie erzählt, was man ihr angetan hat. Es war die Strafe für einen Fluchtversuch. Zuvor war sie mit gerade einmal 16 Jahren - zusammen mit anderen Mädchen aus ihrer Heimat Korea - verschleppt und in ein japanisches Militärbordell in China gesteckt worden. Täglich wurde sie dort von Dutzenden Soldaten der Armee vergewaltigt.

"Sie schlugen mich, weil ich schwanger geworden war, und traten mir auf den Bauch, um mein Kind abzutreiben. Das gelang aber nicht. Ich war über drei Monate lang krank, übergab mich, konnte nichts essen. Ich war am Ende. Trotzdem schickten sie die Soldaten weiterhin zu mir."

Die Bordellbesuche sollten die Kampfmoral der Soldaten während des Krieges stärken und Massenvergewaltigungen im Kriegsgebiet verhindern. Dafür wurden reihenweise Mädchen aus den von Japan besetzten Gebieten entführt. Schätzungsweise 200.000 sogenannter "Trostfrauen" wurden in japanischen Militärbordellen gefangen gehalten. Schwangere konnte man dort nicht gebrauchen.

"In einem Militärkrankenhaus entfernten sie mir die Gebärmutter und gleichzeitig das Baby. Damit ich nicht mehr schwanger werden konnte."

Nach dem Kriegsende wagte Lee Soo San, mit niemandem über ihre Zeit als "Trostfrau" zu reden. Auch nicht, als die ersten Schicksalsgenossinen Anfang der 90er-Jahre begannen, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen und eine Entschädigung vom japanischen Staat zu fordern. Erst im Jahr 2007, als der damalige japanische Premierminister Shinzo Abe sagte, dass es keinen Beweis dafür gäbe, dass damals Zwang auf Frauen ausgeübt wurde, konnte Lee Soo San nicht mehr schweigen. Sie entschloss sich, ihre vielen Narben offenzulegen. Auch vor der Kamera.

"Ich bin so empört darüber, dass sie sagen, sie hätten uns nie gewaltsam aus Korea verschleppt und vergewaltigt. Filmen sie weiter! Noch bin ich am Leben."

Mehr zum Thema:
Zum Tag der Menschenrechte am 10.12. reist Soo-San Lee nach Köln (10./11.12.) und Berlin (13.-15.12.). Der preisgekrönte Dokumentarfilm "63 years on ..." läuft am 10.12. in Köln und am 14.12. im Arsenal Kino Berlin. Am 13.12. spricht sie im Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages.

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