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Lesart | Beitrag vom 02.01.2017

Zeit-SoziologieEntschleunigung durch Lesen

Hartmut Rosa im Gespräch mit Joachim Scholl

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Eine Frau sitzt am 10.06.2016 in Berlin zwischen den Säulen am Alten Museum und liest ein Buch. (dpa / picture alliance / Paul Zinken)
Eine Frau sitzt am 10.06.2016 in Berlin zwischen den Säulen am Alten Museum und liest ein Buch. (dpa / picture alliance / Paul Zinken)

In einer Zeit, in der alles immer schneller wird, empfiehlt der Soziologe Hartmut Rosa das gute, alte Buch. In der Lektüre zu versinken, sei eine wichtige Erholungs- und Resonanzquelle mit Entschleunigungswirkung. Es funktioniere auch mit einem E-Book.

Innehalten in einer immer schnelllebigeren Welt - dafür sind kleine Pausen und Auszeiten wichtig. Dafür eignet sich Lesen, meint der Soziologe Hartmut Rosa. Denn Bücher hätten eine ganz verblüffende Wirkung. 

"Wir wissen gar nicht so genau, was da eigentlich passiert beim Lesen", sagt Rosa im Deutschlandradio Kultur. "Aber wir wissen ziemlich gut, dass für ganz, ganz viele Menschen, die paar Minuten oder auch die paar Stunden des Versenkens in eine andere Welt mit einem Buch in der Hand eine sehr wichtige Quelle sind: eine Erholungs- und Resonanzquelle und tatsächlich auch so etwas wie eine Entschleunigungswirkung verursachen."

Der Professor Hartmut Rosa vom Lehrstuhl für Allgemeine und Theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, aufgenommen am Mittwoch (01.09.2010) bei einer Pressekonferenz in Jena (picture-alliance / dpa-ZB / Martin Schutt)Hartmut Rosa: "Wenn wir Lesen sind wir körperlich relativ stillgestellt." (picture-alliance / dpa-ZB / Martin Schutt)

Eine solche Entschleunigungswirkung hätte das Lesen von Online-Texten am Computer allerdings nicht, meint Rosa. Denn am Computer würden erstens kürzere Texte gelesen und diese oft auch nicht zu Ende. Bei E-Books sieht das anders aus: "Mit den neuen Readern kann man das durchaus auch tun."

Das subversive Potenzial des Buches

In gewisser Weise hat das Buch sogar ein subversives Potenzial gegenüber einer stets beschleunigenden Welt: "Wir versinken ja. Erstmal werden wir relativ passiviert, also, wir hetzen nicht mehr durch die Gegend, wenn wir lesen, sondern wir sind körperlich relativ stillgestellt."

Möglicherweise sei das Lesen aber auch nur ein "funktionales Element im Beschleunigungsspiel", so Rosa. "Wir brauchen solche kleinen Pausen und Auszeiten, um danach umso schneller und funktionaler beschleunigen zu können. Also, ich würde nicht den großen Umsturz durch Lesen... aber als Alltagsbewältigungstechnik ist das sehr geeignet."

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