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Fazit / Archiv | Beitrag vom 22.10.2009

Worte der Wende: Umrubeln

Von Thomas Brussig

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Geldscheine aus der DDR (AP Archiv)
Geldscheine aus der DDR (AP Archiv)

Umrubeln? Ist doch ganz einfach. In der Wechselstube am Bahnhof Zoo kriegst du für eine D-Mark 8,70 Ost. Gestern waren es noch 8,90, aber die Nachrichten von ner Währungsunion haben den Kurs etwas nachgeben lassen.

Wenn ich heute 100 West in 870 Ost tausche und auf mein Konto einzahle, kriege ich nach der Währungsunion, bei der zweieins getauscht wird, 435 West. Ist dir zu riskant, weil es heißt, dass bei verdächtigen Kontobewegungen mal nachgefragt wird? Oder du hast kein Westgeld, mit dem du an den Start gehen kannst? Dann pass mal auf. Im Westen kostet ein Brief 80 Pfennig. Klapperst also die ganzen Geschäfte am Kudamm ab und bietest an, deren Briefe für die Hälfte zu verschicken. Die können sich zwar nicht vorstellen, wie du das hinkriegen willst, du sammelst trotzdem tausend Briefe und 400 Westmark ein. Im Osten kostet ein Brief in den Westen 35 Pfennig Ost, also brauchst du, Moment, nur 40,23 West, die du am Bahnhof Zoo in 350 Ostmark umrubelst, um davon tausend 35-Pfennig-Briefmarken zu kaufen.

Rauf auf die Umschläge und rein mit denen in den Briefkasten. Du hast deinen Job gemacht und behältst fast 360 der 400 Westmark für dich. Nur die Empfänger wundern sich vielleicht über die Ostbriefmarken, so´n großen Karl-Marx-Kopp, aber den Briefen tut das nichts.

Die richtig fette Kohle machst du aber mit Transferrubelgeschäften. Dazu brauchst du Sprachkenntnisse, ne Handelslizenz des DDR-Außenhandelsministeriums und Strohmänner. Dafür steigst du dann gleich mit sechsstelligen Beträgen ein, denn das läuft alles über Konten, so dass die Geldzählerei schon mal wegfällt. Ich sach mal, Faktor sieben. Da rollt der Rubel.

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