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Fazit / Archiv | Beitrag vom 21.10.2009

Worte der Wende: Mauerspecht

Von Ulrike Draesner

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Ein sogenannter Mauerspecht hämmert am 12. November 1989 gegen die Berliner Mauer. (AP)
Ein sogenannter Mauerspecht hämmert am 12. November 1989 gegen die Berliner Mauer. (AP)

Ich habe auch eines. Ein Stück Mauer. Ein Stück Mauer ist ein Stück Kreuz. Jesuskreuz. Hätte man im Mittelalter alte Kreuzessplitter, die weltweit als Reliquien zirkulierten, zusammengetragen, hätte man daraus ein Kreuz von 143 Kilometern Höhe zusammensetzen können.

Das war ein Wunder. Und wie groß erst die Mauer gewesen sein muss!

Mein Stück kostete eine Mark, eine halbe Handfläche groß, mit Tütchen. Es ist auf einer Seite grün, Putz, kein Ziegelwerk. Ziemlich sicher – sonst wo her. Aber ich brauchte im Frühjahr 1990 etwas zum Anfassen. Der Mensch ist nun mal ein Begreifwesen. Zudem zählte es eben zu den Unverschämtheiten dieser Mauer, dass man sie nicht berühren konnte. Und dass nichts an ihr stimmte: dass, sie, gemacht aus Ziegeln, als Eiserner Vorhang galt, der weiter reichte als sie, anders als sie dabei aber unsichtbar blieb und irgendwo vom Himmel hängen musste, wie ein Vorhang vor einer Theaterbühne hängt. So hatte ich mir das als Kind vorgestellt.

Und dann dieses wirkliche Hämmern. Und Verscherbeln. Es machte Spaß, das Geräusch zu hören. Und es war klar, dass die verkaufte Mauer höher, länger und breiter sein musste, als man sie je gebaut hatte. Die Fälschung entsprach ihrer gefühlten Dicke und Wichtigkeit sowie ihrer Theatralität.

Die Rede vom "Mauerspecht" verharmlost, und trifft es doch. Bis heute höre ich das Geräusch: kling dong. Und bin dafür dankbar. Und sage. wie schön, dass der humorlose Spruch der West-Polizei - "Unterlassen Sie sofort das Mauerklopfen!" - so völlig nutzlos blieb.

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