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Fazit / Archiv | Beitrag vom 12.11.2009

Worte der Wende: Blühende Landschaften

Von Ulrike Draesner

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Pionierpflanzen siedeln sich hier an. (Stock.XCHNG)
Pionierpflanzen siedeln sich hier an. (Stock.XCHNG)

Meine blühende Landschaft heißt Neu Boston. Neu Boston liegt in Brandenburg. Es ist klein, eine Art Industrieviertel, allerdings das Industrieviertel eines Dorfes. Boston hat ein Meer, Neu Boston hat ein Meer von Feldern und eine Allee alter Bäume, die direkt nach Neu Boston führt.

Seit Jahren hängt ein Starenkasten der Verkehrsüberwachung am gleichen Stamm und bringt Geld. Neu Boston hat einen Eiffelturm. Er ist klein, wie es zu Neu Boston passt, neben ihm findet sich das Riesenrad aus dem Prater, noch kleiner. Zudem hat Neu Boston einen Sattelschlepper. Er ist blau und steht gern ohne Anhänger vor einem Haus, das er um Meter überragt. Fast passt das Haus in die Kabine des Sattelschleppers.

Als Kanzler Kohl von "Blühenden Landschaften" sprach, hörte ich es nicht. Danach hörte ich es oft, und lachte darüber. Anfangs hatte ich falsch gehört und "glühende Landschaften" verstanden. Damals führte die Zugstrecke München - Berlin noch über Bitterfeld. Hier schienen sowohl Blühen als auch Glühen abgeschafft. Heute fahre ich schön langsam am Polizeikästchen vorbei, 1 MS (Menschenstärke) und sehe nach dem Sattelschlepper.

Um ihn blüht es nicht, sondern wuchert. Ruderalflora nennt man das: wächst auf Flächen, die durch vorangegangene menschliche Nutzung verdorben sind: Bahndämme, Schotterplätze, aufgegebene Müllorte jeder Art, alte Kasernen, Bombodrome.

Die hingebrockte Gegend. Pionierpflanzen siedeln sich hier an. Sieh an, sieh an.

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