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Tonart | Beitrag vom 17.07.2017

Wizkid: "Sounds from the other Side"Ein Kreislauf kultureller Aneigung

Von Fabian Wolff

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Der nigerianische Sänger Wizkid (Sony Music)
Der nigerianische Sänger Wizkid (Sony Music)

Wizkid aus Nigeria gilt als das neue Gesicht afrikanischer Popmusik. Auf seinem neuen Album "Sounds From The Other Side" treten Künstler wie Drake und Ty Dolla Sign auf. Musikalisch bedient er sich bei Mainstream-R&B und HipHop und ist damit in Afrika extrem erfolgreich .

Auf dem neuen Album von Wizkid, "Sounds From The Other Side", treten Drake, Chris Brown, Trey Songz und Ty Dolla Sign auf, aber bis auf Sängerin Bucie keine afrikanischen Künstler.

Wie hört sich das Ergebnis an?

Sein Album "Sounds From The Other Side" klingt im Grunde wie eine ganz normale Pop-Hiphop-Platte. Von ein paar lyrischen Verweisen und Wizkids Englisch-Tonart abgesehen, könnte diese Platte auch aus LA oder London stammen. Damit steht Wizkid exemplarisch für eine ganze Generation junger afrikanischer Künstler, die ihr lokales Publikum ansprechen wollen und dabei viel Kontakt zu amerikanischen Stars haben und sich auch an internationale Trends anschließen statt sich in Lokalkolorit zu vergraben.

Wie geht das zusammen?

Viele große Popmusiker in Nigeria haben Probleme, sich zu finanzieren, denn dort herrscht Produktpiraterie in absurden Ausmaßen. Auftritte auf internationalen Produktionen und Promo-Deals sind da oft die einzige Einnahmequelle, selbst für die, die lokal bleiben wollen. Und der internationale Markt ist ja groß, jemand wie Drake sucht ja immer nach jungen Künstlern aus Afrika oder der Karibik, die er großmachen und deren Sounds er annehmen kann.

Afro-Pop statt Afrobeats

Dieser Sound, dieses Genre wird oft "Afrobeats" genannt, das klingt nach Afrobeat, und damit auch nach Fela Kuti aus Nigeria, der diese Musik weltweit bekannt gemacht hat. Wie geht ein junger Künstler wie Wizkid mit diesem Erbe um?

Einerseits nennt er sich auf Instagram "Felaback", andererseits macht er in Interviews deutlich, dass Fela Kuti nur ein indirektes Vorbild ist. Fela Kuti war ja spiritueller und politischer Anführer, Prophet und Komiker. Diese Fallhöhe hat Wizkid - wohl ganz bewusst - nicht, in seinen Songs geht es um Autos, Partys, Frauen, Verbundenheit. Das ist eher in zweiter Ordnung politisch. Deswegen ist er auch mit dem Label "Afrobeats" unglücklich, und mag den Begriff Afro-Pop lieber.

Bei Drakes letztem Projekt "More Life" war Wizkid ja auch vertreten. Danach wurden Vorwürfe laut, Drake würde sich Genres wie Afrobeats oder auch Grime zu Unrecht bedienen, sich kulturell aneignen. Kann man diesen Mechanismus beschreiben?

Dass große westliche Popstars nach Afrika gehen und sich inspirieren lassen, ist ja nicht neu, siehe "Graceland" von Paul Simon. Und schon damals gab es die gleichen Argumente. Ich glaube, das Regelbuch muss da noch geschrieben werden.

Aber andererseits ist der Austausch wirklich beidseitig. Fela Kuti wäre ja ohne James Brown nicht denkbar.

Interessanterweise gibt es bei einem Künstler wie Wizkid fast gar nichts anzueignen, weil seine ganze Musik ja so auf westlichen Mustern basiert und im Grunde ja einfach Mainstream-R&B und Hiphop produziert, der sich ja wiederum aus afro-amerikanischen und afro-karibischen Traditionen speist. Ein Kreislauf der Aneigung, der sich da schließt.

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