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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 08.02.2011

"Wir gehen nicht weg"

Jüdisch-arabischer Konflikt in der israelischen Stadt Lod

Von Bettina Marx

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Grenze zwischen israelischem und palästinensischem Gebiet in Jerusalem (Thomas Bade)
Grenze zwischen israelischem und palästinensischem Gebiet in Jerusalem (Thomas Bade)

Die arabischen Bürger der Stadt Lod leiden unter Benachteiligungen und, wie sie sagen, Rassismus. Sie erhalten keine Baugenehmigungen und wenn sie illegal bauen, werden ihre Häuser abgerissen. Jeden Dienstag protestieren sie dagegen.

Dienstag Abend in der israelischen Stadt Lod. An einer Straßenkreuzung haben sich ein paar Dutzend arabische Demonstranten eingefunden. Unterstützt von jüdischen Bürgern fordern sie Gleichberechtigung und – ein Dach über dem Kopf. Denn im letzten Dezember hat die Stadtverwaltung wieder mal ein Haus abgerissen. Jetzt sitzen mehr als 70 Mitglieder der Großfamilie Abu Eid buchstäblich auf der Straße. In sieben Zelten leben sie zwischen den Trümmern ihrer Häuser. Die elfjährige Sundus erinnert sich an den Tag, als die Bulldozer kamen:

"Ich saß mit meinem Bruder zuhause. Er saß an seinem Computer. Und plötzlich kamen sie. Sie waren vermummt und schwarz gekleidet. Ich dachte, es wäre etwas mit meinem Bruder und ging nachsehen und da sah ich sie, wie sie das Haus stürmten. Sie trugen Masken vor den Gesichtern. Wir konnten nichts mitnehmen, nur das, was wir anhatten, sonst nichts."

Auch für ihre Tante Sheherazada war das Erlebnis traumatisch. Die hübsche junge Frau mit dem zarten Gesicht hat in den Trümmern ihres Hauses alles verloren, ihre Papiere, ihre Kleider, ihren Schmuck:

"Das, was ich am 13. Dezember ansehen musste, an einem regnerischen stürmischen Tag, das werde ich nie vergessen. Ich werde davon noch meinen Kindern, Enkeln und Urenkeln erzählen. Es war sehr schwer. Ich werde dieses Bild nie vergessen, wie wir versuchten, etwas von unserem Besitz aus dem Haus zu holen, um es zu retten, wie wir zwischen den Pfützen umherliefen und wie sie sich uns gegenüber benahmen. Es war so erniedrigend."

Die Häuser wurden abgerissen, weil sie ohne Baugenehmigung errichtet worden waren, erklärt die Bürgerrechtsaktivistin und Architektin Buthaina Dabid. Dies sei ein weit verbreitetes Problem in Israel, sowohl in der jüdischen als auch in der arabischen Bevölkerung. Abgerissen würden aber nur die Häuser der arabischen Bürger. In Lod und der Nachbarstadt Ramle waren das in den letzten zehn Jahren 150 Häuser.

Buthaina Dabid: "Wenn wir über die Zerstörung von Häusern sprechen, dann geht es darum, dass die Leute wirklich ohne Dach über dem Kopf bleiben, ohne irgendeine alternative Lösung, ohne Entschädigung, ohne Regelung. Das ist ein Verbrechen, das ist Verfolgung und nicht einfach nur Diskriminierung. Es geht hier darum, die arabische Bevölkerung in den gemischten Städten zu verfolgen und zu brechen. Und das geschieht auf besonders eindeutige Weise in Lod und Ramle."

Das ist Rassismus, sagt die Bürgerrechtlerin. Man wolle die arabische Bevölkerung aus Lod vertreiben. Aber, so fügt sie hinzu: "Wir gehen nicht weg von hier. Wo sollten wir auch hin? Das ist unser Zuhause."

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