Seit 05:05 Uhr Studio 9
 

Freitag, 19.01.2018

Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 01.07.2015

Willie DixonGenialer Koloss am Kontrabass

Von Karl Lippegaus

Ein Kontrabass in einem Jazz-Club (imago / Robert Fishman)
Der Kontrabass war sein Instrument: Willie Dixon (imago / Robert Fishman)

Als im Zuge der "britischen Invasion" weiße Bands einen weltweiten Blues-Boom auslösten, gehörten Songs von Willie Dixon zu den Zugnummern ihrer Repertoires: Rolling Stones, Cream, Led Zeppelin, Ten Years After und viele andere. Vor 100 Jahren wurde Dixon geboren.

Willie Dixon ist eine der zentralen Figuren des Blues. Er spielte nicht nur Bass, er war auch Sänger, Produzent, Arrangeur und Talentsucher. Vor allem seine Bedeutung als Songschreiber ragt heraus; der Koloss am Kontrabass war darin genial. Von Willie Dixon stammen viele der ewigen Hits des Blues. Die Namensliste derer, die seine Songs coverten, ist schier endlos. Sie reicht von Muddy Waters bis zu den Beatles, von den Rolling Stones und Jimi Hendrix, bis zu Howlin' Wolf und Led Zeppelin.

"Mein Vater war ein Typ, der sich aus dem Christentum wenig machte – anders als meine Mutter. Sie fand, alles was wir sangen und was kein geistliches Lied war, war ein Reel - ein anderes Wort für alten Blues. Doch, was mein Vater sang, klang heavy; er machte sich seine eigenen Songs – so wie ich das heute tue. Songs über das, was damals passierte."

In Vicksburg/Mississippi ist Willie Dixon am 1. Juli 1915 zur Welt gekommen, als siebtes von vierzehn Kindern, daher sein späterer Song "The Seventh Son". Der bullige Junge wuchs in bitterster Armut auf. Früh musste er für den Lebensunterhalt der Familie sorgen. Angeregt durch seine Mutter Daisy, schrieb er schon als Kind Gedichte, aus denen er Songs bastelte; die verkaufte er sogar an weiße Country-Bands. Der Teenager geriet häufig mit dem Gesetz in Konflikt und wurde auf Gefängnisfarmen inhaftiert, wo er mitbekam, wie andere Insassen sich den Blues von der Seele sangen.

"Der Rhythmus und die Musik des Blues sind nur dazu da, um die Aufmerksamkeit der Leute anzustacheln, damit du ihnen die Story erklären kannst ."

Zwischen 1948 und '52 wurde Willie Dixon in Chicago ein gefragter Bassist, vor allem für den immens talentierten Blues-Sänger und Gitarristen Muddy Waters. Das machte die Chess-Brüder – Immigranten aus Westrussland - auf Dixon aufmerksam. Phil und Leonard Chess, im schwarzen Getto zuerst mit Alkoholhandel, dann mit Nachtclubs und schließlich mit einem Plattenlabel erfolgreich, ließen im eigenen Studio den neuen, rauen, elektrisch aufgeladenen Blues in schwarze Rillen pressen. Für ihr Jazz-Label. Willie Dixon hatte immer eine sanfte, kluge Art, die Musiker im Studio zu motivieren. Der eigentliche Produzent bei Chess war er, nicht der oft zitierte Leonard Chess.

Der Blues als ständiger Begleiter

"Ich hab ne kleine Idee für euch Jungs , nichts Schweres. Ich will nur loswerden, was mir durch den Kopf geht und wie wir's zusammen auf die Reihe kriegen können."

Willie Dixon stand auf der Gehaltsliste bei Chess-Records und wurde ihr Mr. Fix-It, also jemand der sich um alles kümmert – vor und hinter den Mikrofonen, im Studio und im Regieraum. Mitte der 50er-Jahre lieferte er Chess einen Hit nach dem anderen.

"Der Blues begleitet mich, seit ich ein Kind war, ich hab' fast alles mal gemacht. Komponiert, arrangiert, Texte geschrieben. Hab' den Blues gelebt und den Blues gepredigt. Und ich habe andere Menschen dazu gebracht zu verstehen, was Blues für sie bedeuten kann ."

"Dreihundert Pfund reine Freude" überschrieb Willie Dixon eines seiner Werke. So kolossal wie seine physische Erscheinung ist seine Bedeutung für den Blues. Anfang der 1960er-Jahre hatte er ein erfolgreiches Duo mit dem Pianisten Memphis Slim: Wie Missionare bereisten die beiden die USA, traten beim Newport Festival auf und auch beim American Folk Blues Festival in Europa. Der zwölffache Vater starb 1992 mit 76 Jahren in Burbank/Kalifornien.

Mehr zum Thema:

Blues - Delikate Freakshow
(Deutschlandradio Kultur, Musik, 24.04.2014)

Kalenderblatt

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur