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Montag, 22.01.2018

Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 27.10.2006

Wilder Actionstreifen in Romanformat

Joe R. Lansdale: "Wilder Winter". Shayol Verlag 2006; 196 Seiten

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Action pur in "Wilder Winter" (Stock.XCHNG / Pat-swan)
Action pur in "Wilder Winter" (Stock.XCHNG / Pat-swan)

Während Joe R. Lansdale hierzulande kaum bekannt ist, gilt er in den USA als Kultfigur. Von dem Schriftsteller, der nebenbei ein Autokino und eine Kampfsportschule betreibt, liegt nun der Terroristen-Roman "Wilder Winter" auf Deutsch vor. Darin machen sich zwei Privatdetektive auf die Spur von linksradikalen Bomben-Terroristen und geraten in einen Strudel von Gewalt.

Romane über Terrorismus erscheinen im Moment reihenweise. Auf diesen Zug etwa aufgesprungen zu sein, kann man dem amerikanischen Schriftsteller Joe Lansdale nicht vorwerfen; sein Terroristen-Roman "Wilder Winter" erschien in den USA schon 1990. Dass er erst jetzt in Deutschland erscheint, liegt daran, dass Lansdale, - der in den USA 86 Buchveröffentlichungen vorzuweisen hat -, in Deutschland hingegen fast vollkommen unbekannt ist.

Lansdale ist in den USA eine Kultfigur, er ist ein Unikum, eine Art Gesamtkunstwerk, verheiratet in einer kleinen Provinz-Stadt in Texas, betreibt er neben seiner Arbeit als Schriftsteller ein Autokino und eine Kampfsport-Schule, - er selbst hat den schwarzen Gürtel in neun Kampfsportarten.

"Wilder Winter" ist der erste von mittlerweile sechs Romanen, in denen die beiden Helden Hap Collins und Leonard Pine die Hauptrolle spielen: zwei Freunde, die sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen und dann zu Privatdetektiven werden. Hap Collins ist weiß, 40 Jahre alt, Vietnam-Verweigerer, - der Roman spielt in den 80er Jahren-, Leonard Pine hingegen ist Vietnam-Veteran, hoch dekoriert, aber schwarz und schwul; was die beiden verbindet, ist, beide sind Idealisten.

Dann taucht die klassisch fatale Blondine auf, Trudy, Haps Ex-Frau, und verschafft den beiden ihren ersten Auftrag: Sie sollen verschollenes Geld aus einem Bankraub finden. In Trudys Schlepptau allerdings befinden sich nun fünf Alt-Hippies, die aber, wie man später erfährt, zu linksradikalen Bomben-Terroristen mutiert sind; vier von ihnen werden nun wiederum vom Kopf der Bande ermordet, der allein auf das Geld scharf ist. Und dann beginnt ein langer Showdown, ein Gemetzel, und Hap Collins und Leonard Pine kämpfen allein nur noch ums schlichte Überleben. Was aber Lansdale im Besonderen ausmacht, dass ist seine Auseinandersetzung mit dem Phänomen "Gewalt". Dabei zeigt sich Lansdale wie immer als vehementer Kritiker und Analytiker amerikanischer Politik: Für ihn ist der Terrorismus eine logische Reaktion auf Unterdrückung und Rassismus im Namen der USA.

"Wilder Winter" ist wie ein Film inszeniert, die Sprache oft hart und höchst authentisch, dann wiederum auch poetisch, - man merkt, dass Lansdale ein großer Romantiker ist. Im Vordergrund stehen Action und die Handlung, die wie eine Bombe tickt. Klare Beschreibungen und Beobachtungen wechseln mit Dialogen, - kein Wort zu viel, keins zu wenig, auch der Plot von Lansdale ist wie immer wie aus Stein gemeißelt, erinnert an amerikanische Western und an die großen Krimi-Klassiker Chandler und Hammett. Und Lansdale liebt das sehr amerikanische Stilmittel der Metapher, wie in: "Die Kneipe sah aus, als würde sie nur von Rauch und Küchenfett zusammengehalten." Selten schafft es ein Autor, den Leser auf einer einzigen Buchseite so zum Lachen zu bringen und gleich darauf gnadenlos zu schockieren, wie Lansdale das tut. Die New York Times schrieb über ihn: "Lansdale hat eine seltene Gabe, und er ist reichlich damit gesegnet."

Rezensiert von Lutz Bunk

Joe R. Lansdale: Wilder Winter
Roman
Übersetzt von Richard Betzenbichler und Katrin Mrugalla
Shayol-Verlag 2006
196 Seiten, 12.90 Euro

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