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Freitag, 15.12.2017

Konzert / Archiv | Beitrag vom 09.12.2017

Wiener Festwochen"Parsifal" neu gelesen und gehört

Aus dem Theater an der Wien

Der Komponist Bernhard Lang im Studio des Deutschlandfunk Kultur. (Deutschlandradio / Mirjam Wlodawer)
Der Komponist Bernhard Lang im Studio des Deutschlandfunk Kultur. (Deutschlandradio / Mirjam Wlodawer)

Am 2.12. war in unserem Programm die Aufzeichnung der diesjährigen Bayreuther "Parsifal"-Aufführung zu hören. Bernhard Langs "ParZeFool" begreift sich als zeitgenössische Neudeutung von Stoff und Musik – und das nicht nur im phonetischen Spiel mit dem Titel(helden).

In den unmittelbaren Reaktionen auf die Aufführungen in Wien und mittlerweile auch Berlin stand fast durchweg Jonathan Meeses wild-anarchistische und kryptisch verrätselte Inszenierung im Mittelpunkt – eine Art Reste-Veredelung, die der Kunst-Provokateur nach seinem Bayreuth-Herauswurf durch Katharina Wagner  & Co. im Jahre 2014 in Angriff nahm. Dieses Interesse ist verständlich, aber ziemlich ungerecht gegenüber Langs Leistung, der bereits seinerseits eine tiefgründige Analyse des Wagnerschen Original-"Parsifal" und eine darauf basierende "komponierte Interpretation" unter aktuellen Gesichtspunkten vorgelegt hat.

Sie betrifft nicht nur Wagners Musik, die zwar in ihrer Substanz erhalten und insofern auch wiedererkennbar bleibt, aber zum Beispiel durch Rock- und Jazz-Elemente teilweise mit einer anderen Aura versehen wird, sondern auch das Libretto des "Bühnenweihfestspiels": Lang lässt es in seiner Fassung nicht nur in verschiedenen Sprachen (neben Deutsch auch Englisch, Französisch und Altgriechisch) singen, sondern spitzt verschiedene Kernaussagen des Textes zu und beleuchtet sie teilweise neu. Wenn aus dem bei Wagner formulierten Wunsch "Erlösung dem Erlöser" ein "Erlösung von Erlösern" wird, ist das beispielsweise die Schärfung einer bewusst etwas wolkig-vieldeutig gehaltenen metaphysischen Formel zum politisch Konkreten  - nicht zuletzt unter dem Aspekt der seit der "Parsifal"-Uraufführung 1882 neu gemachten geschichtlichen Erfahrungen. Solche bedenkenswerten Varianten gibt es viele, und eine Radio-Ausstrahlung, die notgedrungen auf die dominante optische Opulenz von Meeses Bilderwelten verzichten muss, ist sicher besonders gut geeignet, gerade diese Qualitäten deutlich zu machen.


Wiener Festwochen

Theater an der Wien

Aufzeichnung vom 04.06.2017


Bernhard Lang/Jonathan Meese

"ParZeFool - Der tumbe Thor"

Musiktheater für Stimmen, Chor, Ensemble und zwei Jazz-MusikerInnen nach Richard Wagners "Parsifal"

Regie: Jonathan Meese


Tómas Tómasson - Amfortas

Wolfgang Bankl - Gurnemanz

Daniel Gloger - Parsifal

Martin Winkler - Klingsor

Magdalena Anna Hofmann - Kundry

Alexander Kaimbacher - 1. Gralsritter

Andreas Jankowitsch - 2. Gralsritter

Sven Hjörleifsson, Johanna von der Deken - Zwei Knappen

Manuela Leonhartsberger, Xiaoyi Xu, Melodie Wilson, Marie-Pierre Roy - Blumenmädchen


Klangforum Wien

Arnold Schoenberg Chor

Leitung: Simone Young

Konzert

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