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Tonart | Beitrag vom 21.03.2017

Wie ein Künstler große Komponisten siehtMozart beim Friseur

Rainer Ehrt im Gespräch mit Mathias Mauersberger

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Ausschnitt aus der Grafik Mozart beim Friseur von Rainer Ehrt

Der Grafiker und Illustrator Rainer Ehrt hat große Komponisten in menschlichen Situationen gezeichnet: Mozart beim Friseur, Beethoven mit Hörrohr oder Wagner in seinem "Wahnfried". Eine Ausstellung seiner Werke ist jetzt in Berlin zu sehen.

Detailfreudig, verspielt und hintersinnig schaut der Künstler Rainer Ehrt auf zahlreiche Prominente der klassischen Musik. Etliche seiner Arbeiten, die eine Mischung zwischen Illustration, Karikatur, Portrait und Wimmelbild darstellen, beschäftigen sich mit Komponisten und dem, was sie so alles erschaffen - oder angerichtet haben.

Die richtige Balance zwischen Distanz, Ironie und Genauigkeit

"Wenn man figürlich arbeitet, wie ich das tue und gern tief in die Kulturgeschichte hinabsteigt und gerne auch Geschichten erzählt mit Bildern, dann ist es legitim, dass man sich auch noch mal ein eigenes Bilder dieser großen Musiker macht", sagte Rainer Ehrt im Deutschlandradio Kultur.

"Es muss natürlich eine Balance hergestellt werden zwischen kritischer Distanz, zwischen Ironie und auch Genauigkeit."

(Bild: Rainer Ehrt)Wagner, gesehen mit den Augen von Rainer Ehrt (Bild: Rainer Ehrt)

Eine ganze Reihe widmet Ehrt Richard Wagner, gerade weil dieser so umstritten sei. So habe etwa Hanns Eisler einmal über Wagner gesagt: "Dieses Scheusal hatte wahrscheinlich Genie."

Beethoven hört die Muse nicht mehr

Beethoven dagegen erscheint bei Ehrt sichtlich derangiert am Hammerflügel sitzend, ein riesiges Hörrohr in der Hand. Die Muse, die in das Hörrohr hineinruft, hat es schwer, mit ihrer Botschaft durchzukommen. 

(Rainer Ehrt)Ludwig van Beethoven in der Darstellung Rainer Ehrts (Rainer Ehrt)

Und Mozart wird beim Friseur gezeigt, wie er selbst dort nicht die Finger vom Komponieren lässt, sondern ein Notenblatt nach dem anderen füllt. An diesem Punkt treffen sich dann übrigens Musik und Kunst, wie Rainer Ehrt meint.

"Eine Partitur ist ganz große Kalligrafie"

"Wenn man sich eine Partitur anschaut von einer Sinfonie von Bruckner oder von einer Wagner-Oper, das ist ganz große Kalligrafie. Das ist konzentrierteste grafische Arbeit auch um das zu fixieren, diesen irgendwo mal am Anfang stehenden Einfall. Und das finde ich faszinierend, wie hier Ratio und Emotio, wie hier also Leidenschaft und äußerste Beherrschung des Handwerks zusammengehen", so der Künstler.

(Rainer Ehrt)Selbst beim Friseur kann Mozart das Komponieren nicht lassen. (Rainer Ehrt)

"Das ist eine Provokation für mich und eine Inspiration gleichzeitig, keine dünnen Bretter zu bohren, also auch handwerklich immer aufs Ganze zu gehen", sagt Ehrt. "Die Lust am Detail und die Lust an der Präzision und die Lust an psychologischen Details, die gehen dann hoffentlich in meinen Bildern auch ganz gut zusammen."

Eine Ausstellung mit Werken von Rainer Ehrt ist noch bis zum 13. Mai in der Galerie Christine Knauber in Berlin zu sehen.  


 

Tonart

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