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Vollbild | Beitrag vom 02.09.2017

Werner Herzog wird 75Die fünf spannendsten Herzog-Filme

Von Hartwig Tegeler

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Werner Herzog im August 2015 in Peru (imago/ZUMA Press)
Wird 75: Regie-Berserker Werner Herzog (imago/ZUMA Press)

Das Klischee über Werner Herzog lautet: Der ist ein Besessener. Spätestens seit "Mein liebster Feind" über seinen Schauspieler Klaus Kinski stellt sich die Frage, wer eigentlich der Besessenere war. Am 5. September wird der weltberühmte deutsche Regisseur 75 Jahre alt.

Platz 5

FITZCARRALDO (1982)

"Wir schleppen das ganze Schiff über den Berg." Eine volle Dröhnung Klaus Kinski in einem wie zugedröhnten Film von Werner Herzog, der sich als normaler Spielfilm ausgibt. Ein exzentrischer Abenteurer träumt. "Wissen Sie, ich habe einen Traum. Die Oper, die große Oper im Dschungel," sagt Fitzcarraldo. Aber wer träumt? Die Filmfigur oder der Filmemacher? Oder ununterscheidbar beide? Obsessiv, rücksichtslos. Beide. Kein Plastik-, sondern eine reales Schiff wird im Film über einen Urwald-Berg gezogen. "Meine Aufgabe und meine Figur waren identisch geworden!", kommentierte Herzog später den Dreh und den Film. Und wir staunen.     

Platz 4

BEGEGNUNGEN AM ENDE DER WELT (2007)

Träumer, radikale Träumer fand Werner Herzog immer. Später, in der Nach-Kinski-Ära, als er immer mehr Dokumentarfilme drehte, auch in der Antarktis. BEGEGNUNGEN AM ENDE DER WELT ist ein Film über Menschen, die in der Antarktis leben, beispielsweise auf der McMurdo-Forschungsstation. Eine Welt jenseits unserer. Wer hier wohnt, fragt Herzog einen der Wissenschaftler dort. Die Antwort ist Fitzcarraldo-like: "Professionelle Träumer, sie träumen die ganze Zeit." Und dann erschallen Töne, die von Robben in der Nacht unter dem Eis stammen. Die Kamera führt uns dahin. In eine Welt, die nicht von diesem Planeten zu sein scheint. Unglaubliche Schönheit, unglaubliche Fremdheit.

Platz 3

MEIN LIEBSTER FEIND (1999)

Herzog und Klaus Kinski. Zwei kritische Massen, die sich anzogen, abstießen. Legendär sind Kinskis Wutanfälle. Klaus Kinski zu Werner Herzog: "Sie müssen bei mir lernen. Sie sind ein Anfänger. Ein Zwergen-Regisseur sind Sie, aber nicht einer für mich." MEIN LIEBSTER FEIND, dokumentarische Abrechnung mit Kinski und gleichzeitig die Verbeugung vor ihm, macht aber immer auch die Inszenierung vor der Öffentlichkeit der Kamera deutlich.

Vielleicht hatten ja die Indios beim Dreh von Fitzcarraldo instinktiv Recht, wenn sie mehr Angst vor Herzog als vor Kinski hatten. Als ob der Filmemacher immer besser ausbeuten konnte, der Schauspieler auch beim größten Brüllen sein Material blieb. Am Ende sagt Werner Herzog zu einem Bild des lächelnden, mit einem Schmetterling spielenden Kinski: "Und auch, wenn sich mein Verstand dagegen sträubt, sagt etwas in mir, so würde ich ihn am liebsten im Gedächtnis behalten."

Wie aber hätte Herzog Kinski im Gedächtnis behalten, wenn er 1999 schon gewusst hätte, dass der, wie Paola Kinski 2013 in ihrer Autobiographie enthüllte, seine Tochter 14 Jahre lang sexuell missbraucht und vergewaltigt hatte?

Platz 2

AGUIRRE, DER ZORN GOTTES (1972)

Die erste Szene: Die Konquistadoren - 16. Jahrhundert - überqueren die Anden auf der Suche nach dem legendären Eldorado. Links das Gebirge, rechts der Abgrund. Wolkenverhangen. "Und schließlich, so gegen elf Uhr Vormittag riss auf einmal alles auf," erinnert sich Werner Herzog, "und hier auf der rechten Seite, ganz merkwürdiger Weise wie ein Wunder, blieben die Wolken stehen und links riss es auf." AGUIRRE, DER ZORN GOTTES mit diesem unfassbaren ersten Bild ist ein Film über den Größenwahn, den Irrsinn, den Imperialismus, die Obsession und die Gier nach Reichtum und Macht.

Platz 1

DIE HÖHLE DER VERGESSENEN TRÄUME (2010)

Betörend, rauschhaft, dieser 3D-Dokumentarfilm über die Höhlenmalereien in der südfranzösischen Chauvet-Höhle, die Herzog mit seinem dreiköpfigen Filmteam wenige Tage besuchen durfte, um die Wandbilder zu filmen, gemalt mit Holzkohle, bis zu 35.000 Jahre alt. Diese Malereien sind von einer Meisterschaft, so dass die Höhle als "Sixtinische Kapelle der Steinzeit" bezeichnet wird. Diese Herzogsche Frage an die altvorderen Künstler, ob wir jemals in der Lage sein werden, die Vision dieser Künstler über eine derart große Zeitspanne hinweg zu erfassen, diese Frage können wir drehen, wenden und zurückspiegeln auf den Filmemacher. Also: Werden wir bei all dem Gerede über das Extreme, das Kinski-Gedöns und die Bilder-Magie, werden wir jemals in der Lage sein, die Art, wie Werner Herzog die Welt sieht, ganz zu erfassen?

Mann der Extreme - Ein Porträt zum 75. Geburtstag des Regisseurs Werner Herzog von Nicole Markwald.
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