Seit 02:00 Uhr Nachrichten
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 02:00 Uhr Nachrichten
 
 

Fazit | Beitrag vom 09.10.2017

Weltkulturerbe in IndienHindunationalisten machen mobil gegen Taj Mahal

Jürgen Webermann im Gespräch Eckhard Roelcke

Beitrag hören Podcast abonnieren
Touristen besichtigen das Taj Mahal in Agra  (dpa / picture alliance / MAXPPP)
Touristen besichtigen das Taj Mahal in Agra im Bundesstaat Uttar Pradesh. (dpa / picture alliance / MAXPPP)

Das Mausoleum Taj Mahal spiegele nicht die indische Kultur wider, verkündet die Regierung im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Sie hat das berühmte Bauwerk daher aus den Broschüren zur Tourismuswerbung entfernt. Die Maßnahme sei Ausdruck eines "Kulturkampfes", sagt Jürgen Webermann.

Das Grabmal Taj Mahal im Bundesstaat Uttar Pradesh wurde im 17. Jahrhundert von Großmogul Sha Jahan für seine verstorbene Frau errichtet. Heute ist das Mausoleum die wohl am meisten besuchte Sehenswürdigkeit Indiens.

Über sechs Millionen Besucher kommen jedes Jahr. Das Taj Mahal spült Indien größere Einnahmen in die Kassen als jedes andere Baudenkmal im Land. Nicht nur ausländische Reisende nehmen stundenlanges Warten in Kauf, um die Grab- und Gartenanlage zu sehen. Auch Tausende frisch verheiratete indische Paare besuchen jedes Jahr das Weltkulturerbe, weil das Glück und ewige Liebe bringen soll.

Dennoch hat die hinduistische Regierung im Bundesstaat Uttar Pradesh das Taj Mahal aus seiner aktuellen Tourismus-Broschüre gestrichen. 

"Da geht es wirklich um einen Kulturkampf"

Wie ist das zu bewerten? Welche Probleme haben die Hindunationalisten mit dem Taj Mahal? - Dazu erläuterte Korrespondent Jürgen Webermann im Deutschlandfunk Kultur:

"In erster Linie sagen die Hindunationalisten: Muslimische Bauwerke wie das Taj Mahal (...), das hat mit unserer hinduistischen Kultur (...) nichts zu tun. Sie verweisen dann darauf, dass Nordindien jahrhundertelang von islamischen Mogulherrschern regiert worden ist. Und einer dieser Herrscher, Sha Jahan, hat eben für seine Frau Mumtaz dieses berühmte Taj Mahal bauen lassen. Das heißt, im Grunde hat man es hier mit einem Bauwerk zu tun, das eher die Kultur derjenigen reflektiert, die irgendwann mal Indien dann erobert haben. Dagegen wehren sich die Hindunationalisten und sagen: Das hat mit unserem Land nichts zu tun. (...) Da geht es wirklich um einen Kulturkampf."

Verwaltet wird das Mausoleum von der Zentralregierung

Die Maßnahme stehe in Zusammenhang mit einem sich zuspitzenden religiösen Konflikt zwischen Hinduisten und Muslimen, sagte Webermann. Der Präsident des Bundesstaats Uttar Pradesh, Yogi Adityanath, sei jemand, der hier "recht klare Ansichten" vertrete, die er bisweilen "sehr drastisch" äußere. Damit schüre er Ängste und polarisiere und stelle "die säkulare Grundlage Indiens auf den Prüfstand".

Allerdings sei nicht davon auszugehen, dass das Taj Mahal nun verfalle, da das Mausoleum von der Zentralregierung in Neu Delhi verwaltet werde und auch Gelder von der Unesco bekomme. Manche befürchteten allerdings, dass die Regionalregierung Uttar Pradesh die Infrastruktur um das Taj Mahal in Agra vernachlässigen könne.

Dafür gebe es aber derzeit keine Anzeichen, meinte Webermann: "Das Taj Mahal wird es vermutlich genauso auch noch in vielen Jahren geben."

(huc)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsIn die Falle getappt
Ein Demonstrant hält ein Protestplakate mit der Aufschrift "Ihr seid Nazis Punkt!" hoch. (dpa / Frank Rumpenhorst)

"Teile der Linken sind der Neuen Rechten voll in die Falle gelaufen", findet Dirk Knipphals in der TAZ. Schließlich haben es ein, zwei kleine Verlage aus ihrer Nische heraus geschafft, zu dem großen Feuilleton-Thema zu werden.Mehr

weitere Beiträge

Fazit

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur