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Donnerstag, 23.11.2017

Länderreport / Archiv | Beitrag vom 11.01.2010

Welt-Hackerhauptstadt Berlin

Von Philip Banse

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Bicyclemark: Berliner Hacker werden als Anführer gesehen. (AP)
Bicyclemark: Berliner Hacker werden als Anführer gesehen. (AP)

Hacker dringen in Computersysteme ein, zeigen Sicherheitslücken auf und verweisen auf technische Schwachstellen. Häufig sind sie Bastler und Enthusiasten, die Neues entdecken. Die Berliner Hacker-Szene ist vielfältig und genießt international hohes Ansehen.

Im ersten Stock des Berliner Congress Centers startet ein Quadrokopter, flach und rund wie ein Ufo, ein halber Meter Durchmesser, für Auftrieb sorgen vier Rotoren. Der ferngesteuerte Flugroboter war eine Attraktion auf dem 26. Chaos Communication Congress. Zwischen Weihnachten und Neujahr trafen sich hier mehrere Tausend Hacker und Technikinteressierte.

Was noch vor wenigen Jahren ein Familientreffen der deutschen Hacker aus dem Chaos Computer Club war, ist mittlerweile ein internationaler Kongress. Im Zentrum Themen wie Datenschutz, Überwachung und die Baufälligkeit vieler uns alle umgebender Techniken. Dass diese Themen in Berlin verhandelt werden, ist kein Zufall. Berlin gilt als Hacker-Hauptstadt des Planeten. Anzahl, Selbstverständnis, Wissen und Organisationsgrad der Berliner Hacker sind weltweit einzigartig, sagt der Amerikaner Mark Fonseca Rendeiro, in der Szene besser bekannt als bicyclemark, Blogger und Netz-Journalist:

"Die Hacker in Berlin werden gesehen als Anführer. Das gilt für die deutsche Hacker-Gemeinschaft insgesamt, aber Berlin gilt als eine Art Antenne. Das sehen sogar Amerikaner so. US-Hacker bewundern deutsche Hacker. Sie wollen gar nicht besser sein, sie wollen erst mal genauso gut sein, wenn möglich. Sie übernehmen viele Ideen, lassen sich inspirieren, lernen viel von der Berliner Community. Berlin als Hacker-Hauptstadt – das mag sich in Zukunft ändern. Aber derzeit wird hier definiert, wie man sein will, Berlin als Idol."

Harald Welte: "Wir sind jetzt im Keller des Chaos Computer Club Berlin e.V. Wir haben hier zwei Stockwerke, ein Keller und ein Erdgeschoss wir haben eine Schließfachanlage, wo Leute ihre Backups einschließen können."

Der Chaos Computer Club, kurz CCC, ist das organisatorische Zentrum der deutschen Hackerszene. Der Verein ist eine der führenden deutschen Lobbyorganisationen für digitale Bürgerrechte. Das Bundesverfassungsgericht lädt die Hacker des CCC regelmäßig als Gutachter ein.

"Ich bin Harald Welte, ich bin Software-Entwickler, ich bin Hardware-Entwickler, ich bin Hacker."

Harald Welte ist Mitglied im CCC und einer der angesehensten Berliner Hacker. Er führt durch das Hauptquartier des CCC in der Berliner Marienstraße, Hinterhof, Erdgeschoss und Keller.

" ... da muss ich mal eben das Licht anmachen – unser Labor. Auch so ein kleines Elektronik-Labor mit allen möglichen Geräten: Oszilloskop, alle möglichen Kabel."

"Mein Beruf? Hmm, das ist schwierig. Ich mache halt diese ganzen Dinge, weil ich mich dafür begeistern kann, weil da Interesse da ist und auch die Verpflichtung und Berufung, die Gesellschaft über bestimmte Dinge aufzuklären. Beruf wird das ganze immer dann, wenn eine Firma bereit ist, dafür zu zahlen, für Entwicklungen in diesem Bereich."

Welte ist Autodidakt. Nie studiert, immer viel gelesen, gebastelt, getrieben von Neugier und Spieltrieb. Heute ist Welte ein gefragter Experte, er berät Hardware-Produzenten in Taiwan.

Der 30-Jährige unterscheidet zwischen Crackern und Hackern. Beide suchen nach Lücken in technischen Systemen. Cracker missbrauchen sie, nutzen Sicherheitslücken zum eigenen Vorteil, klauen Geld, Datensätze, Kreditkartennummern, Hacker dagegen wollen die Systeme besser machen, warnen die Verantwortlichen und geben ihnen Zeit, die Lecks zu stopfen. Die Hacker-Gemeinschaft versteht sich als Immunsystem der technisierten Gesellschaft.

Welte: "Ich sehe Leute wie mich, die eben Schwachstellen finden und die öffentlich dokumentieren und bekannt machen, als den Boten. Letztlich sind es nicht wir, die diese mistigen Systeme implementiert haben, sondern wir sind nur diejenigen, die das herausfinden. Oft kommt das in der öffentlichen Berichterstattung nicht heraus. Da sind das immer die bösen Hacker, die versuchen, jemanden übers Ohr zu hauen. Das ist einfach nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass die Industrie nicht das nötige Augenmerk auf die Sicherheit legt."

Auf dem CCC-Kongress sprach Harald Welte im überfülltem Saal 1 vor 1200 Zuhörern über sein Spezialthema: GSM, die Technik hinter fast allen Mobilfunk-Netzen dieser Welt. Doch GSM, DIE Mobilfunk-Technik, ist alt und voller Sicherheitslücken. Im Prinzip kann heutzutage jeder Mobiltelefonate abfangen, mithören, aufzeichnen.

Harald Welte zeigt auf ein graues Gerät unter seinem Schreibtisch: Eine Basisstation für Mobilfunkmasten, so groß wie ein Koffer, Gewicht: 48 Kilo. Er hat ein ganzes Lager voll von diesen Mobilfunk-Stationen und verkauft sie über das Internet.

Welte: "Und mit diesem Gerät und einer Software, die ich geschrieben habe, die auf einem PC läuft, kann man jetzt eben ein Mobilfunknetz simulieren, das heißt es funktioniert jetzt wie eine Basisstation. Ich kann also darüber ein Gespräch abwickeln. Und wenn diese Basisstation sich ausgibt als zum Beispiel Vodafone oder T-Mobile, dann wird ein Vodafone- oder T-Mobile-Kunde versuchen, sich mit dieser Basisstation in Verbindung zu setzen. Der hat keine Möglichkeit herauszufinden, dass das gar keine echte Station ist von T-Mobile oder Vodafone."

"Und dadurch, dass ich das Netz bin, kann ich eben die Gespräche mitschneiden und sonst irgendwas tun."

Beihilfe zum Abhören von Handy-Telefonaten? Nein, meint Harald Welte:

"Das ist schon immer möglich! Ich mache das jetzt zugänglicher. Aber die organisierte Kriminalität die hat das Geld, die kann sich auch eine normale, reguläre Basisstation kaufen für 100.000 Euro, ja, wenn die Interesse haben, bei einem Politiker mit zuhören und den zu erpressen mit Informationen, die sie da erhalten, dann ist das für die ein absoluter Klacks. Dass man das jetzt für unter 1000 Euro haben kann, ja, das ist eben die Demokratisierung dieser Dinge. Letztlich müssen die Probleme an der Ursache gelöst werden, die Netze müssen sicher gemacht werden. Und dann ist es egal, ob jemand 1000 oder 100.000 Euro investiert, er kommt trotzdem nicht ran. Das ist das Ziel."

Und der beste Weg dahin ist, laut Welte, die Technik allen zugänglich zu machen, damit alle forschen und nach Lücken suchen können. Denn gefährlich seien Sicherheitslücken vor allem, wenn nur Eingeweihte sie kennen und unbemerkt nutzen können. Doch mit dieser Hacker-Philosophie stößt er selten auf offene Ohren:

"Es ist unglaublich deprimierend letztlich. Man sieht, was da alles passiert, man hat ganz legitim sehr viel dazu zu sagen. Jetzt nicht nur, weil man sich selbst überschätzt, sondern man kennt sich damit aus, teilweise besser als die Leute in der Industrie. Aber letztlich hört ja dann doch niemand auf die Hacker, weil letztlich die Lobby der Industrie, irgendwelche Dinge zu verkaufen, dann doch wieder zu groß ist."

Felix Lindner: "Medien haben Schwierigkeiten, das korrekt wiederzugeben, was wir machen. Demzufolge werfen sie ein falsches Licht auf die Hacker und deswegen möchte man die eigentlich nicht im Haus haben."

Ein Büro im Berliner Bezirk Kreuzberg; Sitz der Firma Recurity Labs. Schwarze Auslegware, weiße Wände, am Schreibtisch sitzt immer etwas verschmitzt lächelnd:

"Felix Lindner, auch bekannt als fx, wie alt bin ich jetzt? 32. Beruf: Security Consultant, beruflicher Hacker."

Felix Lindner erklärt anderen Firmen, wie sie ihre Software sicher machen. Damit verdient er sein Geld. Ansonsten spielt er gern mit Routern. Router sind Netzwerkknoten, Kreuzungen der Datenautobahn. Router sagen Datenpaketen, ob sie links oder rechts lang müssen, verteilen die Daten des Internets um den Globus. Kein Internet ohne Router. Die unscheinbaren schwarzen Kisten sind Lindners Spielzeug, sechs dieser flachen Geräte stehen gestapelt in einem Meetingraum.

Felix Lindner: "Große und kleine Boxen in der Preisklasse zwischen 800 und 800.000 Euro (lacht).
Das ist genau mein Spielplatz, das mache ich nicht beruflich, da gibt es kein Geld für. Ich bin sehr dankbar dafür, dass die schneller Zeug produzieren, als ich es auseinander bauen kann, weil die machen den Spielplatz immer größer. Das ist intellektuell anspruchsvoll genug, nicht zu anspruchsvoll für mich, und man entdeckt halt die neuen Sachen auch eher durch Spielen."

Zögernd, aber doch ein bisschen stolz, zeigt Hacker Felix Lindner, was er so macht mit seinen Routern. Er sitzt wieder in seinem Büro und blickt auf einen Computerbildschirm voller Textzeilen.

"Was wir hier sehen, ist das Langweiligste von der Welt: Es ist ein Disassembly für ein Cisco-Betriebssystem für einen MIPS-basierten größeren Router, mit dem ich mich gerade beschäftige."

Noch mal langsam: Router sagen Datenpaketen, wo sie lang müssen. Dazu haben Router eine Software, das Betriebssystem. Nullen und Einsen, nur für Maschinen lesbar, für Menschen unverständlich. Will ein Hacker wissen, was ein Router wirklich tut, muss er aus Nullen wieder Wörter machen, den Code disassamblen, zurückrechnen.

"Und jetzt sieht man hier die ganzen Zeichenketten, die da drin auftauchen. Und dann kann man jetzt zum Beispiel daher gehen (tippt) und suchen, na ja, wo sagt er den etwas über 'falsches Passwort'? Weil das ist so eine übliche Geschichte, die man dann loswerden will."

Denn wenn man diese Passwort-Abfrage los wird, sprich, wenn der Router nicht mehr fragt, ob ein Passwort falsch ist – dann akzeptiert er jedes Passwort. Die Zugangskontrolle ist dann aufgehoben, Angreifer haben freie Bahn, können Daten-Pakete umlenken, aufhalten, wegwerfen.

"Dann findet man hier zum Beispiel ein Stück ... Ja, das ist interessant, das muss ich mir mal merken. Ja, das ist so 'ne typische Hacker-Situation: du suchst nach einer Sache und findest was ganz anderes und dann denkste: Aha! Und das muss ich mir tatsächlich nochmal angucken."

Wie aber können solche Sicherheitslücken überhaupt entstehen? Felix Lindner erklärt das mit einem Beispiel: Angenommen ein digitales System soll aus Milch Schlagsahne machen. Was schreibt dann der Programmierer?

"Der schreibt ja nicht: Mache Schlagsahne! Sondern das ist ja eine viel feingranularere Instruktionsfolge. Der sagt ja nicht mal: Geh Milch kaufen! Sondern das würde so in der Art sein wie: Geh mal an folgende GPS-Koordinaten! Ich weiß, dass da ein Geschäft ist. Dann check mal die Zeit, ob zwischen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends. Wenn zwischen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends, rüttle an der Tür, sonst geh wieder nach Hause, weil sonst Alarmanlage los. Auf dieser Granularität läuft das ja. Und da kann man ja schnell mal was vergessen.

Man versuche mal einem Menschen, der überhaupt Null selber mitdenkt, Arbeitsanweisungen zu geben. Jeder, der das mal probiert hat, weiß, da kommt exakt gar nicht das dabei raus, was man haben wollte, weil man eine für einen selber völlig klare Geschichte einfach nicht klar gesagt hat. Und das mit dem 'Man hat nicht so ganz klar gesagt, was man haben wollte' ist eigentlich die klassische Geschichte, wo dann Lücken entstehen."

Mit Neugier, Überzeugung und Spieltrieb haben Berliner Hacker jedoch nicht nur löchrige Systeme demaskiert. Wer Technik versteht und anders nutzt als die Packungsbeilage nahelegt, kann ganz neue Technik entwickeln.

Jürgen Neumann, unter der Woche IT-Berater in Anzug und Krawatte, klettert auf das Dach eines ehemals besetzten Mehrfamilienhauses in Berlin-Friedrichshain.

Jürgen Neumann: "Das ist unser Antennenmast, da sind auch ein paar Antennen dran und über diese Antennen sind wir auch mit anderen Freifunkern in Berlin vernetzt."

Jürgen Neumann ist Freifunker. Freifunker haben über Berlin ein Funknetz für Daten installiert, im Prinzip wie ein WLAN, ein drahtloses Netzwerk, in der Wohnung, jedoch ausgelegt über mehrere Stadtviertel. Tausende Bastler haben sich beteiligt, haben handelsübliche WLAN-Router mit Freifunk-Software bespielt und ihre Geräte am Fenster aufgestellt. Besonders hilfreich: Einige Kirchengemeinden haben den Freifunkern erlaubt, Antennen in Kirchtürmen zu platzieren.

Jürgen Neumann steigt vom Dach und setzt sich im Gemeinschaftsraum vor einen Rechner.

"Hier sehe ich jetzt einen Stadtplan mit ganz vielen bunten Linien. Diese Linien zeigen die tatsächliche Funkverbindung. Die blinkenden Punkte sind die einzelnen WLAN-Router und die unterschiedlichen Farben der Linien signalisieren die Qualität der Verbindung."

Freifunker gibt es in ganz Deutschland, aber in Berlin fing alles an. Inspiriert durch zwei Londoner Funknetz-Initiativen startete Jürgen Neumann 2002 die Berliner Freifunk-Gruppe. Wichtiges Motiv für viele, die sich dem freien Funknetz anschlossen: Viele Ostberliner Haushalte konnten von kommerziellen Anbietern keinen schnellen Internetzugang bekommen. Mit der Freifunktechnik sollten diese Haushalte unkompliziert und gratis Zugang bekommen zu bestehenden schnellen Internetanschlüssen. Heute sind schnelle Internetzugänge auch in Ostberlin fast überall zu haben. Und dennoch ist die Freifunker-Gemeinschaft sehr aktiv.

Neumann: "Es ist auch ein Experiment. Es geht auch darum, das Ganze als technische Spielwiese zu begreifen, neue Technologien zu entwickeln. Das heißt da forschen Leute außerhalb der Institutionen in Hacklabs wie der cbase oder dem CCC und entwickeln ihre eigenen Ideen und bringen so eine Technologie voran, die man so an andere Stelle gar nicht weiter verfolgt."

Eine Technologie, die in anderen Ländern wertvolle Dienste leistet – dort, wo nicht überall Kabel im Boden liegen und wo Internetzugänge eine teure Rarität sind. Jürgen Neumann ruft die Website von "Wireless Ghana" auf. Dort berichtet eine Dorfgemeinschaft, dass sie mit billiger Technik und der Berliner Freifunksoftware ein ganzes Dorf mit Internet versorgen konnte.

Neumann: "Da bin ich jetzt schon ein bisschen stolz (lacht). Obwohl mir klar ist, dass das nicht mein Verdienst ist, sondern dass das Ergebnis der Entwicklungsarbeit ist, die ganz, ganz viele Leute da rein gesteckt haben. Aber trotzdem freue ich mich, dass so ein Projekt, was ich mit initiiert habe, dass das jemand in Ghana dann so beschreibt. Das finde ich dann schon toll, und das motiviert mich weiter zu machen."

Berlin als Abteilung für Forschung und Entwicklung in einer globalisierten Welt. Eines der wichtigsten Labore der Berliner Hacker ist die cbase. Hier basteln die Freifunker an ihrer Software und auch Felix Lindner, der Mann, der mit den Routern spielt, ist regelmäßiger Gast.

Lindner: "Wir gehen jetzt in die cbase - eigentlich ist es ja eine Raumstation unter Berlin. Aber da musst du die Einwohner zu befragen."

Eine Eisentreppe führt hinab in die cbase. Kellerräume, alte Spielautomaten stehen herum, schummriges Licht, alte Sofas, Menschen mit Laptops auf dem Schoß. Eine Hacker-Legende besagt, dass unter Berlin ein abgestürztes Raumschiff begraben liegt, der Funkturm am Alex ist seine Antenne. Erste Ausgrabungen haben Teile des Raumschiffs freigelegt, das ist die cbase, erklärt Vereinsmitglied T.

"Dadurch, dass wir diesen Deckmantel, Mythos Raumstation haben, geht's eben darum, eine Raumstation ist etwas, wo viele Tausend Menschen eine lange Zeit verbringen und zusammenleben. Da sind eben auch Aspekte wie Kultur, wie Kommunikation, wie Essen, Trinken, Kunst und so weiter wichtig. Und wir versuchen eben Räume zu schaffen und sie hier in Berlin Künstlern, Hackern und so weiter zur Verfügung zu stellen."

Welte: "Diese ganzen Sachen, man hackt da, man macht irgendwas, das sind Sachen, die man oft alleine tut. Aber die Hackerkultur ist halt der Austausch mit den anderen. Es sind halt Leute, die einen ganz bestimmten Blickwinkel haben, die immer versuchen, hinter die Dinge zu schauen, die sich selten mit einer bestimmten Aussage abfinden lassen, sondern, die immer suchen nach Lücken in der Argumentation, wo ist irgendwas unschlüssig, wo sind - jetzt gar nicht nur technologische – Angriffspunkte. Und das ist natürlich sehr schön, wenn man da andere Leute hat, die ähnlich veranlagt sind."

Felix Lindner: "Das ist mir durchaus wichtig, ja. Okay, ja, ich bin ein Freak, aber es gibt noch ein paar andere Freaks und die sind genauso wie ich, das ist schön. Man fühlt sich ein bisschen weniger alleine auf der Welt."

Gebt den Hackern ein Zuhause – diese Idee der Berliner hat die Hackergemeinde weltweit elektrisiert, erklärt Blogger bicyclemark:

"Die Berliner Hacker werden am meisten bewundert für ihre Art sich zu organisieren
und dass sie mehr sind als ein Club. Man kann hier seine Berufung suchen: Du kannst eine Karriere starten oder die Welt retten. Hier kannst du deine Fähigkeiten auf die Schliche kommen – so wie das früher mal in Universitäten war: Wenn du dich nur lange genug in diesem Biotop aufhältst, weißt du besser, was du auf diesem Planten zu tun hast."

Und nirgendwo gedeiht die Hackerkultur so gut wie in Berlin meint Felix Lindner, alias fx:

"In Berlin ist das schon sehr ausgeprägt, es gibt einfach viele davon – also Hacker pro Einwohner oder Hacker pro Quadratmeter. Habe ich schon den Eindruck, dass das in Berlin sehr hoch ist. Es gibt nur wenig Städte, mit denen ich dieselbe Hacker-Dichte assoziiere, was nicht heißen muss, dass ich da recht habe, ist ja auch eine gefühlte Geschichte."

Geringe Lebenshaltungskosten, viel Platz und sehr viele, sehr fähige Leute – das sind die Zutaten, sagen die beiden Hacker Felix Lindner und Jürgen Neumann:

"Ich denke, dass der CCC da sicher ein treibender Faktor dahinter ist. Aber ich
denke, das hat auch etwas damit zu tun, was für Leute so nach Berlin ziehen. Es ist eine junge wilde Stadt, kein schwäbisches Dorf. Und wenn junge Leute auf der Suche nach alternativen Wahrheiten auf Hacker treffen, dann kommt es schon häufiger mal vor, dass sie sagen: Mensch, ja, das ist eine Geschichte, könnte ich mir vorstellen, mir das mal genauer anzuschauen, fangen mal an, reinzufühlen und potenziell bleiben sie dabei."

Jürgen Neumann: "Es ist eine ganz interessante Mischung aus Platz, Wissen und Freiheiten, die hier existiert und deren Wert man gar nicht hoch genug schätzen kann. Immer wenn ich in anderen Städten bin und merke, wie schwer sich Leute da überhaupt tun, mal Räume zu finden oder wie sehr sie auch dem kommerziellen Überlebensdruck ausgeliefert sind, dann haben wir mit diesem immer noch erhaltenen grungigen Berlin einen ganz hohen Wert, den es auch gilt weiterhin zu erhalten."

Links auf dradio.de:
Von Blinkherzen und 3D-Druckern - Resümee des 26. Chaos Communication Congress
"Überwachung ist ein weltweites Thema"
Chaos-Computer-Club: Neue technische Möglichkeiten bestimmen rechtliche Debatte

Links zum Thema: 26. Chaos Communication Congress in Berlin

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