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Frühkritik | Beitrag vom 07.04.2017

Wallace Stroby: "Geld ist nicht genug"Die integre Verbrecherin

Von Sonja Hartl

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Cover "Geld ist nicht genug" und ein geöffneter Tresor (Pendragon Verlag / dpa / picture alliance / Armin Weigel)
Cover "Geld ist nicht genug" und ein geöffneter Tresor (Pendragon Verlag / dpa / picture alliance / Armin Weigel)

"Geld ist nicht genug" von Wallace Stroby ist auf Platz 2 unserer Krimibestenliste neu eingestiegen. Es geht um einen Raubüberfall: "heist novel" nennt man im Englischen diese Sorte Kriminalroman. Besonders an diesem Fall ist, dass der Räuber eine Räuberin ist.

Am 11. Dezember 1978 brachen um 3.15 Uhr sieben Räuber in den Tresorraum der Halle 261 am Kennedy Airport ein und erbeuteten in ungefähr einer Stunde rund fünf Millionen Dollar in Bargeld und 875.000 Dollar in Juwelen. Der Lufthansa-Raub war der bis dahin größte Raub der US-amerikanischen Kriminalgeschichte – und rund 35 Jahre später erhält Crissa Stone in Wallace Strobys "Geld ist nicht genug" die Chance, an einen Teil der Beute zu gelangen.

Der zweite Teil der Crissa-Stone-Reihe setzt wenige Monate nach "Kalter Schuss ins Herz" mit einer gut durchdachten, perfekt choreografierten und exakt beschriebenen Eröffnungssequenz ein: Crissa Stone stiehlt mit zwei Komplizen erfolgreich einen Geldautomaten. Sie haben diese Methode schon einige Male angewandt, daher wäre es sowieso an der Zeit, weiterzuziehen.

Aber dann schaukeln sich Crissas Komplizen im Testosterongehabe hoch und liegen schließlich beide tot auf dem Boden. Damit kommt es zu Komplikationen für Crissa – und sie muss getreu der Regeln der heist novel einen weiteren Raub begehen.

Ein Wiedergänger aus "Godfellas"

Für diese zweite Tat nutzt Stroby, dass bei dem Lufthansa-Raub bis heute weder die genauen Tatumstände aufgeklärt noch die Beute gefunden wurden. Vielmehr wurden die meisten, die von dem Raub wussten, ermordet. Einer der wenigen Überlebenden war Henry Hill, von dem einst Martin Scorsese in "Goodfellas" erzählte und der mit Benny Roth nun einen literarischen Wiedergänger hat. Wie Hill ist Roth einst zum FBI gegangen, doch er hat das Zeugenschutzprogramm wieder verlassen und sich ein bescheidenes Leben in Indiana aufgebaut. Nun wollen Männer aus seiner Vergangenheit über ihn an einen Teil der Beute gelangen. Aber Benny will mit dem Geld lieber selbst ein neues Leben anfangen – und findet in Crissa Stone eine Komplizin.

Mit Crissa Stone hat Wallace Stroby eine bemerkenswerte Heldin geschaffen, eine hochprofessionelle Berufsverbrecherin, die ihre Weiblichkeit nicht unter Beweis stellen muss, sondern schlichtweg eine Frau ist, die stiehlt, weil sie es gut kann. Diese Professionalität hat sie im ersten Teil noch von ihren männlichen Gegenspielern unterschieden, nun markiert sie darüber hinaus ihre Zugehörigkeit zu einer aussterbenden Klasse: einer Verbrecherin mit Integrität.

Darüber hinaus hält Stroby mit erzählerischer Ökonomie von der ersten bis zur letzten Seite die Spannung und das Tempo hoch. Jedes Detail ist wichtig, jeder Satz ist präzise formuliert, auf unnötige Psychologisierungen wird verzichtet. Vielmehr werden seine Figuren durch ihre Taten charakterisiert. Daher ist Wallace Strobys "Geld ist nicht genug" eine mehr als gelungene Fortsetzung – die abermals ins Bewusstsein ruft, wie dringend die Kriminalliteratur mehr Heldinnen wie Crissa Stone benötigt.

Wallace Stroby: "Geld ist nicht genug"
Aus dem Amerikanischen von Alf Mayer
Pendragon Verlag, Bielefeld 2017
352 Seiten, 17 Euro

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