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Interview | Beitrag vom 17.07.2017

Vor 20 Jahren: Jahrhundertflut an der OderImmer noch viel zu wenige Überschwemmungsgebiete

Sascha Maier im Gespräch mit Dieter Kassel

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Als das Wasser kam: Ratzdorf aus der Luft fotografiert (picture alliance / dpa / Torsten Silz)
Als das Wasser kam: Ratzdorf im Juli 1997 aus der Luft fotografiert (picture alliance / dpa / Torsten Silz)

Vor zwei Jahrzehnten stand der Osten Brandenburgs unter Wasser, die Jahrhundertflut an der Oder schwemmte alles weg, was ihr in den Weg kam. Heute gibt es stärkere Deiche, aber immer noch wenig Ausweichraum für den Fluss - das Fazit des BUND ist ernüchternd.

Vor 20 Jahren hielt die Jahrhundertflut an der Oder den Osten Brandenburgs, Polen und Tschechien in Atem. Millionen Sandsäcke wurden verbaut, tausende Helfer waren im Einsatz. "Wir müssen den Flüssen ihren Raum lassen", sagte Helmut Kohl nach der Katastrophe im Sommer 1997.

Das sah nicht nur der Kanzler so. Auch Ökologen und Umweltschützer forderten Überschwemmungsgebiete. Doch 20 Jahre später ist dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) zufolge alles beim Alten.

Laut dem "Oder-Experten" der Umweltschützer, Sascha Maier, ist gerade mal ein Prozent der Fläche, die nach 1997 im Gespräch war, durch die Zurückverlegung von Deichen zum Ausweichraum für mögliches Hochwasser geworden.

Zudem seien 160 Kilometer Deiche erneuert, höher und stabiler geworden, sagte Maier im Deutschlandfunk Kultur. Die müssen beim nächsten Hochwasser dann unbedingt halten. Denn spezielle Wetterlagen wie damals könnten immer wieder auftreten, betonte Maier.

Auch in Polen und Tschechien sieht es nicht besser aus

Bei unseren Nachbarn in Polen und Tschechien sieht es nicht besser aus. Hier sei leider auch nicht viel passiert, sagte der Oder-Experte. In Polen gebe es inzwischen ein großes Rückhaltebecken oberhalb von Breslau, was die ersten Fluten "einigermaßen abhalten" könne:

"Aber das ist eben auch nur der Tropfen auf dem heißen Stein."

Unterhalb von Breslau sei damals ein Deich zurückverlegt worden, berichtete Maier. Das sei aber nur ein gefördertes Pilotprojekt gewesen und habe im Land keine Nachahmer gefunden:

"Es gab keinen ökologischen Hochwasserschutz in Polen."

Sollte es wieder wochenlang regnen und eine Flut geben, könnte sich das Szenario dem vor 20 Jahren Maier zufolge ähneln:

"Wenn die Flutwelle an die deutsch-polnische Grenze kommt, dann kommt sie natürlich auch massiv."

(ahe)

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