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Fazit / Archiv | Beitrag vom 07.09.2014

Vivian MaierStreit um Nachlass der Straßenfotografin

Mutmaßlicher Erbe in Frankreich aufgetaucht

Von Jürgen Kalwa

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Eine Besucherin vor Bildern von Vivian Maier (1926 - 2009) in der ersten Ausstellung des Nachlasses der US-Fotografin in Valladolid, Spanien, aufgenommen am 8.Mai 2013. (picture-alliance / dpa / Nacho Gallego)
Eine Besucherin vor Bildern von Vivian Maier (1926 - 2009) in einer Ausstellung des Nachlasses der US-Fotografin in Valladolid, Spanien. (picture-alliance / dpa / Nacho Gallego)

Das moderne Märchen der Vivian Maier ist doch komplizierter als gedacht. Denn nun ist ein entfernter Verwandter der Straßenfotografin aufgetaucht - und die Entdecker, die den Nachlass ihrer unveröffentlichten Bilder bekannt machten, haben ein Problem.

Für David Deal sah es schon immer so aus, als ob irgendetwas an dieser Geschichte nicht stimmen konnte. Der ehemalige Fotograf arbeitet heute als Anwalt und kennt die amerikanischen Gesetze. Also machte er sich auf die Suche, um die Frage zu klären: Wer hat eigentlich einen rechtlichen Nutzungsanspruch auf die Bilder, die seit ein paar Jahren für 2000 Dollar und mehr das Stück in Galerien weltweit verkauft werden?

Diese Suche brachte vor Kurzem nicht nur einen Mann im fernen Frankreich ins Spiel, dem womöglich das Erbe der Fotografin zusteht. Er könnte mit dieser Entdeckung den Markt für die Arbeiten von Vivian Maier auf Jahre komplett lahmgelegt haben. Zumindest solange, bis es eine gerichtliche Entscheidung in der Sache gibt, die verworrener denn je wirkt.

Bis dato ahnungsloser Pensionär aus Frankreich

Der Name des mutmaßlichen Erben: Francis Baille. Ein pensionierter Beamter, der bis dato gar nichts von Maier wusste, geschweige denn von dem Schatz, den sie hinterlassen hatte.

Bislang hatten die beiden rivalisierenden Entdecker – John Maloof und Jeffrey Goldstein, die beide in Chicago leben – freie Bahn. Maloof, ohne den das Material wahrscheinlich auf dem Müll gelandet wäre, hatte sogar einen großen Teil des Mysteriums in einem stark beachteten Dokumentarfilm "Finding Vivian Maier" abgehandelt, der vor wenigen Monaten auch in deutschen Kinos zu sehen war.

John Maloof: "Ich wusste nicht, ob die ersten Negative, die ich gefunden habe, wirklich gut sind. Ich habe Kontakt zu Galerien aufgenommen. Und dann mit einem Foto-Blog angefangen und rund 200 Bilder hochgeladen."

Maloof hatte viel recherchiert. Auch nach möglichen Erben in Frankreich, in der Heimatregion von Vivian Maiers Mutter. Dort fand er auch jemanden: Sylvain Jussaud, mit dem er ein Arrangement über die Urheberrechte abschloss, über dessen Details allerdings nichts bekannt wurde. Jussaud sagt im Film auf die Frage nach dem Verwandtschaftsgrad:

"Moi, je suis le dernier de ses cousins."

Er sei ihr letzter verbliebener Cousin. Offensichtlich nicht. Mehr noch: Baille und Maier sind wohl um einen Grad näher verwandt. Sie haben einen gemeinsamen Urgroßvater. Und genau das könnte nach den Gesetzen des amerikanischen Bundesstaats Illinois, in dem Chicago liegt, entscheidend sein.

Schadenersatz oder Ausgleichszahlung?

Anders als das deutsche Recht erlaubt das amerikanische übrigens die Übertragung von Urheberrechten auf andere Personen. Weshalb es theoretisch die Möglichkeit gibt, dass der Streit gütlich beendet wird: im Rahmen einer - vermutlich ziemlich teuren - Ausgleichszahlung. Zunächst allerdings schwebt bis zur endgültigen Abklärung über allen Geschäften mit und rund um Maiers Bilder das Risiko eventueller Schadenersatzforderungen.

Nur so viel ist gewiss: Eine Auseinandersetzung kann sich hinziehen. Und sicher wird auch Deal, der Anwalt, der den Verwandten aufspürte, in ganz erheblich vom Ausgang des Rechtsstreits profitieren.

Mehr zum Thema:

Geschönte Dokumentarfilme - Die Legende vom wiederentdeckten Künstler (Deutschlandradio Kultur, Kompressor, 24.06.2014)
Vorgespult - Fotografin, Heimat und Coming-Out (Deutschlandradio Kultur, Vollbild, 21.06.2014)
Vivian Maier - Der Ruhm kommt posthum (Deutschlandradio Kultur, Ortszeit, 08.02.2014)
Fundsache Vivian Maier (Deutschlandradio Kultur, Fazit, 05.01.2011)

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