Seit 21:30 Uhr Kriminalhörspiel
 

Montag, 11.12.2017

Tonart | Beitrag vom 23.08.2017

Vinyl-SammlerstückeDie teuersten Schallplatten-Raritäten

Von Tarik Ahmia

Beitrag hören
Alte Vinyl-Schallplatten in einem Plattenladen (Fabien Barral / unsplash.com)
Alte Vinyl-Schallplatten in einem Plattenladen (Fabien Barral / unsplash.com)

Seit zehn Jahren steigen die Vinylverkäufe wieder. Platten sind ein Medium zum Anfassen, zum Sammeln. Die Online-Musikdatenbank Discogs bietet mit dem Portal „Marketplace“ die Möglichkeit zum Kauf und Verkauf von Tonträgern. Ein Blick aufs Hochpreis-Segment.

Platz 5: Hard Bop - Louis Smiths Album "Smithville" (1958)

Verkauft für rund 2000 Dollar.

Wer durch den Katalog des Labels Blue Note Records blättert und sich jenseits der üblichen Verdächtigen wie Jimmy Smith und Horace Silver mal etwas anderes wünscht, der wird an Lou Smith nicht vorbeikommen. Dabei ist der Mann ein Phantom der Jazzgeschichte. Der Trompeter aus Memphis, Tennessee nahm nur zwei Alben auf und verabschiedete sich dann aus der professionellen Jazzszene. Musikalisch ein echter Trauerfall!

Das Album Smithville steht in bester Hard Bop Tradition. Ab Mitte der 50er Jahre entwickelte sich dieser Jazzstil, der sich als "härtere" Gangart des Bebop verstand sowie als afro-amerikanisches Gegenstück zum Cool Jazz der Westküste. Mit einer Mischung aus Smiths Eigenkompositionen und einigen Hard Bop Standards, läßt "Smithville" über 40 Minuten lang erahnen, welches Potential in Louis Smith als Trompeter und Komponist steckte.

Platz 4: Italo-Progrock - Ricordi D'Infanzias Album "Io Uomo" (1973)

Verkauft für rund 2000 Dollar.

Ricordi D'infanzia – auf Deutsch: Kindheitserinnerungen – zählten zu den eher obskuren Bands der italienischen Prog-Rock Szene der frühen 70er Jahre. Die Band aus Norditalien rekrutierte sich aus fünf hauptberuflichen Studiomusikern. Das Debüt "Io Uomo" – "Ich Mensch"– blieb ihre einzige Langspielplatte.

Hard Rock mit Hammond und Klavier Einlagen prägen den Sound – monothematisch zieht sich die "menschliche Schöpfung" durch die acht Songs – ganz im Stil der angesagten Konzept-Alben dieser Zeit. Zur Veröffentlichung floppte "Io Uomo" allerdings.

Platz 3: Rap aus New York - Die Maxi "Beat Bop" von Rammellzee und K-Rob (1983)

Verkauft für rund 2200 Dollar.

Nur 500 Exemplare wurden von dieser legendären Maxi-Single gepresst, auf der man einen der ersten alternativen Hip Hop Tracks findet. Mittlerweile ist die Platte so begehrt, dass ihr der Ruf als "Heiliger Gral" der Rap Avant Garde vorauseilt. Angelegt als Battle-Rap, wirkte "Beat Bop" mit seiner bunt durcheinander gewürfelten Instrumentierung und den abstrakten Sounds stilprägend für den experimentellen Hip Hop. "Beat Bop" erinnert an eine Zeit, in der sich Rapper wie Rammellzee nicht nur als Musiker, sondern auch als Graffiti-Artists, Performer und Kunst-Theoretiker verstanden.

Platz 2: Avantgarde - Phillip Werrens 4er LP Box (1971)

Verkauft für rund 2200 Dollar.

Der Kanadier Philip Werren, Komponist und Professor für elektroakustische Klangforschung, hat von 1967 bis 1971 intensiv mit modularen Synthesizern, natürlichen Geräuschen und Tonband-Schleifen experimentiert. Einige seiner atonalen Albträume veröffentlichte Werren auf der LP-Box "Electronic Music", von der nur 100 Stück hergestellt wurden. Die Kompositionen tragen so nüchterne Titel wie "Phase 1", "Phase 2" , "Phase 3", sie zirpen, dröhnen und scheppern minutenlang vor sich hin und gelten heute als Paradestücke der psychedelischen Avant Garde Musik jener Epoche.

Platz 1: Britische Psychedelic - Calebs Single "Baby Your Phrasing Is Bad” (1967)

Verkauft für rund 3.000 Dollar.

1967 spielte in der Band "Caleb" unter anderem ein gewisser Reginald Dwight an den Keyboards, der später als Elton John weltberühmt wurde.

Soviel Ruhm war dem Kopf der Band, dem Londoner Sänger und Gitarrist Caleb Quaye, allerdings nie vergönnt. Dabei wird seine Single "Baby Your Phrasing is Bad" mit ihren verfremdeten Vocals, den sanften Gitarrenklängen und wirren Klangeffekten rückblickend als eine der Besten der Psychedelic Ära gefeiert.

Zur Veröffentlichung schaffte es der Song nicht in einmal in die britischen Charts. Lange schlug sich Caleb als Session- und Tournee-Musiker durch. Vor vielen Jahren hat er sein Leben dann ganz der christlichen Botschaft verschrieben. Seine eigenen Songs finden heute mehr Gehör denn je.

Mehr zum Thema

LP-Re-Issues - Vinyl als Belohnung fürs Gehirn
(Deutschlandfunk, Corso, 19.08.2017)

Londoner Independent-Label Market - Schwere Zungen und schwarze Scheiben
(Deutschlandfunk, Corso, 19.08.2017)

Problematischer Vinyl-Hype - Vergessene Musik aus Afrika
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 11.07.2017)

Tonart

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur