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Tonart | Beitrag vom 04.01.2018

Vinyl-Bestatter Jason LeachWenn die Asche Verstorbener auf dem Plattenteller landet

Von Marcel Anders

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Schallplattenspieler (Austin Loveing / Unsplash)
In Großbritannien wurde Jason Leach als "The Vinyl-Undertaker" bekannt. (Austin Loveing / Unsplash)

Der Brite Jason Leach bietet einen weltweit einmaligen Service an: die Asche von verstorbenen Angehörigen oder Haustieren in Vinyl zu pressen. Zu hören sind dann wahlweise die Lieblingsmusik oder Sprachaufnahmen des Verstorbenen.

"In meiner Familie ist es Tradition, dass die Männer aufs Meer fahren, um die Asche ihrer Väter auf See zu verstreuen. Dabei kommt es immer wieder vor, dass der Wind sie nicht aufs Meer bläst, sondern zurück aufs Boot. Das ist auch mir passiert, als ich mit meinem Vater und meinem Onkel rausgefahren bin, um meinen Großvater zu bestatten. Das war so ekelig, dass ich mir sagte: Ich hätte meine Asche lieber in Vinyl gepresst. Das wäre angenehmer für alle, und dann könnte ich auch noch eine Botschaft für die Nachwelt hinterlassen."

Jason Leach ist ein Lebenskünstler. Der Mittvierziger war Techno-DJ, Besitzer einer Plattenfirma und eines Schallplattenladens, ehe er 2006 unfreiwillig in Asche badete und die Idee seines Lebens hatte. Schon seine erste Homepage, mit der er eigentlich nur die Resonanz testen wollte, sorgte für Aufsehen – wenn auch weniger von potenziellen Kunden.

"Ich hatte einen Sensenmann, der statt einer Klinge eine Plattennadel trägt und dazu witzige Slogans wie: ‚Weiterleben hinter dem Groove‘. Aus einer Ortofon-Plattennadel habe ich eine Mortofon-Nadel gemacht. Das Ganze war ein großer Spaß und die richtige Herangehensweise an diese Sache. Also düster, aber witzig. Die Leute sind sofort darauf angesprungen. So sehr, dass ich mich vor Interview-Anfragen von Tageszeitungen, Radiosendern und TV-Stationen kaum retten konnte. Es war der Wahnsinn."

Das Beste ist der Klang einer Stimme

Das Medieninteresse hat Jason Leach zum Popstar gemacht – zum David Beckham der Bestattungsindustrie. Eine krisensichere Branche. Denn die Generation Popkultur, die gerade ausstirbt, ist genauso Vinyl-affin wie aktuelle Generation DJ. Sprich: Die Zielgruppe ist riesig und besteht nicht zuletzt aus Kunden, die ein ausgefalleneres Erinnerungsstück wollen als ein Grab oder eine Urne. Und die eine Schallplatte in Mini-Auflage als Kunstwerk erachten – mit einer Spielzeit von 15 Minuten pro Seite, die individuell zu gestalten ist.

"Normalerweise sind die Wünsche sehr persönlich und obskur. Wobei ich meinen Kunden rate, auf gesprochenes Wort zurückzugreifen - von Anrufbeantwortern, der Sprachbox eines Mobiltelefons oder alten Videokassetten. Denn bei Musik besteht die Gefahr, dass sie zwar dem Verstorbenen, aber keinem anderen gefällt. Das kann ich an meiner Tochter und meiner Frau festmachen, die zwar mich lieben, aber nicht meine Musik. Von daher ist das Beste, was man auf so eine Platte presse kann, der Klang einer Stimme."

Nicht nur die Spielzeit ist nach Gusto zu gestalten. Auch beim Artwork und bei Form wie Farbe des Vinyls sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Der Kunde, so Leach, müsse nur bedenken, dass die Tonqualität wegen der Asche nicht so gut ist wie bei einer herkömmlichen LP. Und sich die Herstellung kostspielig gestaltet, weil es sich um Handarbeit und geringe Stückzahlen handelt - meist fünf bis 30 Exemplare. Da gilt das Prinzip: Je ausgefallener und aufwändiger, desto teurer.

Angebot auch bald in Deutschland?

"Es gibt jede Menge Optionen – wie Doppelvinyl im Klappcover, farbiges oder durchsichtiges Vinyl, Single oder Maxi. Der Preis liegt bei 1000 bis 3000 britischen Pfund für bis zu 30 Alben. Wobei es keinen Unterschied macht, wenn man nur ein einziges Exemplar will. Die Kosten für Herstellung und Rohmaterial sind dieselben – und müssen dann von einer einzigen Platte getragen werden."

Nach mehreren Hundert Vinyl-Alben in Großbritannien will Leach 2018 auch nach Deutschland expandieren. Zwar herrscht bei uns eine Bestattungspflicht für die Asche von Verblichenen.* Aber seit das Bundesland Bremen private Beisetzungen zulässt, zeichnet sich eine Liberalisierung ab. Und deutsche Partner würde Leach sofort finden. Wie den Berliner Bestatter Eric Wrede, der aus der Musikindustrie kommt:

"Ich finde, das ist eine durchaus charmante Idee. Ich bin eh persönlich ein großer Fan davon, haptische Sachen mitzugeben. Und da ich selber großer Vinyl-Fan bin, ist das etwas, was mir persönlich naheliegen würde. Also das ist, glaube ich, nichts für Audiophile. Aber ich als Erinnerungsmomentum: ne Schallplatte mit einem Cover, wo mein Bild drauf ist, wo eventuell meine Lieblingsmusik drauf ist – wie gut ist das denn bitteschön?"

An dieser Stelle haben wir eine inhaltliche Korrektur vorgenommen.

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