Seit 01:05 Uhr Tonart
 
  • facebook
  •  
  • twitter
  •  
  • instagram
  •  
  • spotify
 
Seit 01:05 Uhr Tonart
 
 

Kommentar / Archiv | Beitrag vom 14.10.2013

Veraltete Strukturen

Die Affäre um Tebartz-van Elst ist eine innerkirchliche Krise, keine staatliche

Von Philipp Gessler, Deutschlandradio Kultur

Podcast abonnieren
Die Affäre um Tebartz-van Elst zeigt nur eine Schwäche der Kirche auf, nicht das Problem. (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)
Die Affäre um Tebartz-van Elst zeigt nur eine Schwäche der Kirche auf, nicht das Problem. (picture alliance / dpa / Fredrik von Erichsen)

Es gibt ein paar gute Gründe, hier in Deutschland auf eine striktere Trennung von Kirche und Staat zu drängen. Aber ob die unsägliche Affäre um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst dafür ein guter Anlass ist, darf bezweifelt werden, kommentiert Philipp Gessler.

Natürlich darf man nicht alles in einen Topf werfen. Wenn ein Bischof in Limburg der Prunksucht und dem Größenwahn verfällt, berührt das erst einmal das Verhältnis Staat-Kirche nicht. Es gibt ein paar gute Gründe, hier in Deutschland auf eine striktere Trennung von, ums es altertümlich zu sagen, "Thron und Altar" zu drängen. Aber ob die unsägliche Affäre um Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst dafür ein guter Anlass ist, darf bezweifelt werden. Denn so unappetitlich die ganze Chose ist – sie ist zunächst einmal eine innerkirchliche Angelegenheit, keine staatliche. Und das gilt, auch wenn sich jetzt sogar die Bundeskanzlerin zu einem kritischen Kommentar über den unglaublichen Pattex-Bischof genötigt sieht, auch in diesem Fall.

Dennoch: Das Ganze ist eine Kirchenkrise, nicht nur die Krise eines Bischofs – und da diese Krise das Finanzgebaren der katholischen Kirche insgesamt in die Kritik stellt, sei daran erinnert, dass es einen Punkt auf jeden Fall gibt, in dem Kirche und Staat strenger getrennt gehören: Es sind die so genannnten Staatsleistungen. Dies sind Entschädigungszahlungen an die Kirchen, weil sie vor 200 Jahren – richtig gehört: vor 200 Jahren - vieler ihrer Güter im Zuge der Eroberungen Napoleons in deutschen Landen und der damit einher gehenden Säkularisierung an die staatlichen Mächte verloren haben. Pro Jahr streichen die beiden Volkskirchen dafür noch heute insgesamt rund 460 Millionen Euro vom Staat ein. Pro Jahr.

Dies sind Leistungen, die vielleicht im 19. Jahrhundert noch ihre Berechtigung hatten – heute aber gehören sie schlicht abgeschafft. Dieses Geld stinkt. Und die klügeren Köpfe in den beiden Volkskirchen haben schon lange verstanden, dass dieser Mammon ihnen am Ende eher schadet als nützt. Denn es liegt darauf kein Segen, um es biblisch zu sagen.

Kommentar

Sicherheitsrisiko Trump Gefährlicher Angeber im Weißen Haus
Donald Trump (picture alliance/dpa/Foto: Michael Reynolds)

Donald Trump soll Geheimnisse verraten und Ermittlungen behindert haben. Der Druck auf den US-Präsidenten wächst. Aber nicht der politische Gegner, sondern Trump selbst bringe sich in Gefahr, meint der Journalist Nils Markwardt. Auch deshalb, weil Trump nicht zwischen Person und Amt unterscheide.Mehr

Kommentar zur NRW-WahlKeine Zwangsläufigkeiten
Der Spitzenkandidat der CDU, Armin Laschet, jubelt am 14.05.2017 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) nach der Bekanntgabe der ersten Ergebnisse auf der CDU-Wahlparty. (picture alliance /dpa /Kay Nietfeld)

CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet hat die Wahl in NRW klar gewonnen. Doch für seine Partei birgt der Triumph nun die Gefahr, dass die eigenen Anhänger den Gewinn der Bundestagswahl als ausgemachte Sache sehen.Mehr

weitere Beiträge

Politisches Feuilleton

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur