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Kulturnachrichten

Mittwoch, 19. April 2017

Uwe Johnson Werkausgabe erscheint

Mit Uwe Johnson bekommt erstmals Autor des 20. Jahrhunderts eine Akademieausgabe

In Rostock ist das erste Buch der 43-bändigen Werkausgabe des Schriftstellers Uwe Johnson vorgestellt worden. Die gesamte Reihe solle in den kommenden rund 20 Jahren unter dem Namen "Rostocker Ausgabe" veröffentlicht werden, sagte der Inhaber der Uwe-Johnson-Stiftungsprofessor an der Universität Rostock, Holger Helbig. Inhalt des ersten Buches ist Johnsons Erstling aus dem Jahr 1959, "Mutmassungen über Jacob". Die Werkausgabe ist ein Vorhaben der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), die solche Ausgaben für Schriftsteller von nationalem Interesse editiert. Akademieausgaben gebe es etwa von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Arthur Schnitzler. Johnson (1934-1984) sei der erste im 20. Jahrhundert geborene Autor, der eine Akademieausgabe bekomme, so Helbig.

Kultusminister-Chefin: Mobbing Zeichen von Verrohung

PISA-Report beschreibt fast jedes sechste Schulkind als Opfer von Mobbing

Die hohe Zahl von Mobbing-Opfern an deutschen Schulen bereitet den Bildungsministern der Bundesländer Sorge. "Mobbing und ein zunehmend verrohender Umgang in der Gesellschaft und im Internet zeigen, dass die klassischen Kompetenzen - wie die Fähigkeit, werteorientiert und reflektiert zu handeln, Konflikte zu lösen und mit anderen Menschen konstruktiv und sozial zusammenzuleben - heute aktueller denn je sind", sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Susanne Eisenmann, in einer Reaktion auf den OECD-Report zum Wohlbefinden der Schüler. Daher werde Demokratiebildung immer wichtiger, fügte die CDU-Politikerin aus Baden-Württemberg hinzu. In Deutschland wird nach einer neuen PISA-Studie fast jeder sechste 15-Jährige oft Opfer von teils massivem Mobbing an seiner Schule. Linke-Chef Bernd Riexinger erklärte, die hohe Prozentzahl von Mobbing-Opfern an den Schulen zeige "eine riskante gesellschaftliche Entwicklung: Zusammengehörigkeitsgefühl und Gemeinschaftssinn weichen zunehmend einem Klima sozialer Kälte und Verrohung."

US-Künstler Bill Viola unterstützt Hamburger Schulen

Schüler inszenieren ihre Schulräume, Künstler präsentieren deren Arbeiten

Der US-amerikanische Medienkünstler Bill Viola unterstützt neun Hamburger Schulen bei der Neugestaltung ihrer Räume. Rund 300 Schüler werden sich an einem eigens entwickelten "Bill Viola-Laboratorium" beteiligen, das an den Schulen mit Unterstützung von Künstlern der Deichtorhallen eingesetzt wird, wie das Erzbistum Hamburg mitteilte. Bill Viola selbst will die Ergebnisse der Schulen am 1. Juni in einer Fotoausstellung vor den Deichtorhallen präsentieren. Beteiligt sind sieben katholische Schulen und zwei evangelische Bugenhagenschulen. Zu den Teilnehmern des Kulturprojekts zählen auch Flüchtlingskinder aus der Erstaufnahmeeinrichtung Grellkamp. Bis zum 18. Mai werden die Erst- bis Elftklässler mit unterschiedlichen Materialien ihre Klassenräume und Schulhöfe als ganz persönliche, sakrale Räume inszenieren.

Forscher zeigen 40.000 Jahre altes Flötenfragment

Flötenfragment aus Gänsegeierknochen in Schwäbischer Alb gefunden

Ein 40.000 Jahre altes Teil einer Knochenflöte haben Wissenschaftler der Universität Tübingen der Öffentlichkeit präsentiert. Das Fragment aus einem Gänsegeierknochen ist 42 Millimeter lang und misst im Durchmesser neun Millimeter, teilte die Universität mit. Die Flöte gehöre zu den ältesten Musikinstrumenten weltweit, sagte Professor Nicholas Conard bei der Vorstellung. Fundort ist die Vogelerdhöhle im Lonetal im Kreis Heidenheim. Zwei Ansätze von Grifflöchern sowie die Überarbeitung der Oberfläche zeigen den Angaben zufolge, dass es sich tatsächlich um eine Flöte handelt. Sie wurde 2015 bei Sortierarbeiten im Sediment entdeckt. Im Juli entscheidet die UNESCO, ob sechs Höhlenfundstellen in den Tälern der Ach und der Lone (Schwäbische Alb) in die Welterbeliste aufgenommen werden. Dort wurden die frühesten Belege für figürliche Kunst und Musikinstrumente weltweit gefunden.

Trickfilmfestival setzt auf Musik und Spiele

Internationales Trickfilmfestival in Stuttgart gilt als eines der wichtigsten der Branche

Das 24. Internationale Trickfilmfestival (ITFS) in Stuttgart setzt stärker auf Berührungspunkte mit anderen Bereichen. "Das ITFS verbindet nicht nur Kulturen aus aller Welt, es schafft auch innovative Ansätze, das Genre Trickfilm neu zu entdecken", kündigte der Künstlerische Leiter Ulrich Wegenast an. Künftig sollen Verbindungen zur Musik, dem Games-Bereich oder der virtuellen Realität mehr berücksichtigt werden. Insgesamt werden rund 1000 Animationsfilme gezeigt und 80 000 Besucher erwartet. Eine "Gamezone" soll die Verbindung von Spielen und Animation zeigen. Hinzu kommt ein musikbezogenes Programm, bei dem unter anderem animierte Musikvideos gezeigt werden. Das ITFS gilt als eines der wichtigsten Festivals für die weltweite Animationsbranche. Im Rahmen der Veranstaltung wird unter anderem der Deutsche Animationssprecherpreis vergeben.

Burgtheater-Chefin Bergmann kündigt Rückzug an

Kultur-Managerin hatte Wiener Theater nach Finanzskandal 2014 übernommen

Die Direktorin des Wiener Burgtheaters Karin Bergmann will sich nicht für eine zweite Amtszeit bewerben. Sie werde das Haus im Sommer 2019 verlassen, teilte Bergmann am Mittwoch mit. "Ich halte es für richtig, dass dann eine jüngere Theaterleitung das Haus in die Zukunft führt." Sie übergebe ein "künstlerisch gut aufgestelltes und finanziell saniertes Theater", sagte Bergmann. Bergmann, die 1953 in Recklinghausen geboren wurde, übernahm nach einem heftigen Finanzskandal im März 2014 zunächst interimistisch die Direktion. Ihr Vorgänger, Matthias Hartmann, wurde wegen einer angeblichen Mitschuld an der finanziellen Misere zuvor fristlos entlassen. Die Kultur-Managerin Bergmann verordnete der Bühne daraufhin einen strengen Sparkurs. Bereits 2014 hatte Bergmann in Aussicht gestellt, das Haus nur eine Amtszeit führen zu wollen. Bergmanns Nachfolger soll bereits im Juni feststehen und das Amt zum September 2019 antreten.

Neue Prince-Songs veröffentlicht

EP "Deliverance" mit sechs Stücken

Zum ersten Todestag des Popstars Prince werden neue Songs des Musikers posthum veröffentlicht. Bei den Werken handelt es sich um unveröffentlichtes Archivmaterial von Aufnahmen, die zwischen 2006 bis 2008 mit dem Produzenten Ian Boxill entstanden sind. Ein erster Song ist bereits u.a. auf iTunes erhältlich, insgesamt sollen sechs Songs als EP "Deliverance" am 21.April, dem Todestag des Musikers, erscheinen. Prince war 2016 wegen einer Überdosis eines sehr starken Schmerzmittels mit 57 Jahren gestorben.

Französischer Aktionskünstler brütet erstes Küken aus

Sitzperformance begann Ende März

Sitzen, das ist eine der Tätigkeiten, die oft zu Abraham Poinchevals Kunstperformances gehört. Beim aktuellen Projekt brütet er sitzend Hühnereier aus. Jetzt ist das erste Küken, nach 3-wöchiger Brut-Zeit durch menschliche Körperwärme bei 37 Grad, geschlüpft. Seit dem 29. März sitzt der französische Künstler unter einer wärmenden Decke in einem Plexiglasgehäuse im Pariser Museum Palais de Tokyo auf 10 Eiern. Zur eigenen Nahrungsaufnahme verlässt Poinchevals höchstens 30 Minuten pro Tag seine Brutstätte. Bis alle Küken geschlüpft sind, wird der Künstler vor den Augen der Museumsbesucher seine Rolle als menschliche Henne spielen. Die Küken sollen später auf dem Bauernhof seines Vaters in der Normandie leben. Bei früheren Aktionen saß der 44-jährige Abraham Poincheval u.a. mehrere Wochen in einem ausgestopften Bären und in einem Felsen, bei dem ihn das Publikum nur per Infrarotkamera beobachten konnte.

Journalist Bernd Fritz gestorben

Ehemaliger "Titanic"-Chefredakteur sorgte für großen "Wetten, dass ..?"-Skandal im Fernsehen

Der ehemalige Chefredakteur der Zeitschrift "Titanic" ist tot. Er starb mit 71 Jahren. Von 1987 bis 1990 leitete er das Satiremagazin, auch für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" war er als Journalist tätig. Allgemein bekannt wurde er durch seinen Coup bei der ZDF Unterhaltungssendung "Wetten, dass ..?". Unter falschem Namen schmuggelte er sich 1988 durch alle Vorauswahlen als vermeintlicher Experte in die Sendung. Er beeindruckte die Zuschauer damit, dass er mit verbundenen Augen Buntstifte an ihrem Geschmack erkennen konnte. Wie er später in der Sendung zugab, hatte er leicht unter der ihm die Sicht verdeckende Spezial-Brille durchsehen können. Die Aktion war eine der größten Skandale der ZDF Sendung, die 33 Jahre, bis 2011, Millionen Zuschauer Samstagabends unterhielt.

Archäologen entdecken jahrtausendalte Mumien

Ägyptisches Grab aus der 18. Dynastie birgt Mumien in farbprächtigen Särgen

Ägyptische Archäologen haben in einem jahrtausendalten Grab nahe der Stadt Luxor mehrere Mumien und farbenprächtige Särge gefunden. Acht Mumien seien geborgen worden, sagte der Leiter des archäologischen Teams. Das Grab sei etwa 3500 Jahre alt und befinde sich auf dem westlichen Ufer von Luxor in der Nähe des Tals der Könige. Es stammt aus einer Zeit, in der Tutanchamun Pharao gewesen war. Das Grab, in dem die Särge und Mumien gefunden wurden, gehöre dem Richter Userhat, so der Ägyptologe. Während das Grab vermutlich aus der 18. Dynastie stamme, seien die Särge erst einige Jahrhunderte später, zwischen der 21. und 23. Dynastie dort abgelegt worden. Zudem seien in dem Grab auch zahlreiche kleine Figürchen als Grabbeilagen gefunden worden. Nach mehr als sechs Jahren Pause habe das Team Anfang des Jahres erneut mit Ausgrabungen in dem Gebiet begonnen.

Uni-Präsidentin beklagt fehlende Diskussionen

Sabine Kunst fordert akademische Debatten statt Anschuldigungen und Diffamierungen

Die Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin, Sabine Kunst, beklagt eine zunehmende Verweigerung von akademischen Debatten. Statt freier Diskussionen und dem Prüfen von Argumenten gehe es immer häufiger um die Verunglimpfung von Hochschullehrern, sagte Kunst der "Süddeutschen Zeitung". Als konkrete Beispiele nannte Kunst, dass der Politikwissenschaftler Herfried Münkler und der Historiker Jörg Baberowski mit Anschuldigungen konfrontiert würden, ohne dass diese auf Argumente zurückgeführt werden könnten. Gegen die beiden Wissenschaftler würden "Kampagnen organisiert, die nichts mehr mit der Auseinandersetzung im Universitären zu tun haben". Die Universität wolle dem Problem mit offenen Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen begegnen. Auch das Internet soll laut Kunst genutzt werden. "Das könnte auch Leute einbinden, die nicht vor Ort sind." So hätten die Debatten auch eine Wirkung über den Hörsaal hinaus. Dabei sei es wichtig, "dass die akademischen Regeln gewahrt werden und das respektvolle Ringen um das bessere Argument im Mittelpunkt steht".

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Fazit

Deutscher Filmpreis 2017"Mutige, ungewöhnliche Filme"
Anne Zohra Berrached, Maren Ade und Regisseurin Nicolette Krebitz beim 67. Deutschen Filmpreis. (dpa / Pedersen)

Drei Regisseurinnen haben die Lolas für den besten Spielfilm geholt: Maren Ade erhielt mit "Toni Erdmann" die Lola in Gold, Anne Zohra ("24 Wochen") Silber, Nicolette Krebitz ("Wild") Bronze. Alles "mutige" Filme mit ungewöhnlichen Autorenvisionen, meint unsere Filmexpertin Anke Leweke.Mehr

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