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Interview / Archiv | Beitrag vom 25.04.2016

US-Serie "Game of Thrones"Algorithmus des Todes

Tatyana Goldberg im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Ein Werbebild der Serie «Game of Thrones» (undatiertes Handout). Die deutsche TV-Ausstrahlung der zweiten Staffel der Erfolgs-Serie startete am 8. März 2013 auf RTL II. (dpa / 2011 Home Box Office)
"Game of Thrones": Nur einer durfte bisher die 6. Staffel sehen - US-Präsident Barack Obama. Nun können Millionen Fans endlich nachziehen. (dpa / 2011 Home Box Office)

Die Fans von "Game of Thrones" haben diesen Tag herbeigesehnt: Heute startet die 6. Staffel. Viele fragen sich, welche Figur als nächstes dran glauben muss. Münchner Informatik-Studenten haben einen Algorithmus entwickelt, der Antworten liefert.

Man nehme die mehr als 2.000 Charaktere aus "Game of Thrones", trage alle verfügbaren Daten zu ihnen zusammen - wie Alter, Geschlecht und Anzahl der toten Verwandten - und beginne zu rechnen: Schon lässt sich vorhersagen, wie es um die Überlebenschancen der Figuren steht.

Jon Snow schafft es - wahrscheinlich

Zumindest haben das Informatik-Studenten von der TU München in einem 50 Tage dauernden Seminar getan. Die Bioinformatikerin Tatyana Goldberg hat den Algorithmus mitentwickelt. Nach ihren Erkenntnissen sterben in der Serie Männer eher als Frauen, und zwar meist zwischen 20 und 40 Jahren.

Wer es einmal über diese Altersgrenze geschafft habe, für den sehe es ganz gut aus: Die Wahrscheinlichkeit, eines gewaltsamen Todes zu sterben, nehme mit steigendem Alter ab.

Und wie sieht es mit besonders beliebten Figuren aus, deren Tod in der jeweiligen Fangemeinde meist Schockwellen auslöst? So viel verrät Goldberg: Jon Snow sterbe nach allem, was an Daten vorhanden sei, mit einer nur elfprozentigen Wahrscheinlichkeit.

"Diese Wahrscheinlichkeit ist so gering, dass wir sagen, dass er noch am Leben bleibt."

Ein nächstes Datenprojekt haben die Münchner bereits: Sie wollen sich "Star Wars" vornehmen.


Das Interview im Wortlaut:

Liane von Billerbeck: Wer stirbt als nächstes? Schon seit Beginn der US-Kultserie "Game of Thrones" ist es die Frage, die die Fans meistens umtreibt, und eine US-Journalistin, die hatte sogar mit dem Hinweis auf den Freedom of Information Act diese Frage gestellt, ganz offiziell via Justizministerium an Barack Obama, der die neue, sechste Staffel, die heute anläuft, schon kennt als einer von ganz wenigen.

Dabei hätte sie nur die Vorwahl für München wählen müssen, denn Informatikstudenten von dort haben jetzt einen Algorithmus entwickelt, mit dem sie angeblich beantworten können, wer als nächster in dieser Serie stirbt.

Und eine der Mitentwicklerinnen ist Tatyana Goldberg, Bioinformatikerin an der TU München und jetzt am Telefon. Schönen guten Morgen!

Tatyana Goldberg: Hallo, guten Morgen!

von Billerbeck: Wie kam es denn zu dieser Idee? Sind Sie einfach ein Hardcore-Fan?

Goldberg: Diese Idee kam von meinem Kollegen, Dr. Gajataw, und der ist ein sehr großer Fan von "Game of Thrones". Und sein Ziel war es, Studenten beizubringen, mit großen Daten zu arbeiten, Big Data, und weil es eben für "Game of Thrones" so viele Daten im Internet gibt, hat er dieses Seminar gemacht.

von Billerbeck: Wie haben Sie denn nun gerechnet? Wie macht man das dann, um rauszukriegen, wer da als nächstes überlebt oder wer das Zeitliche segnet? Welche Daten braucht man dafür?

2.000 verschiedene Charaktere

Goldberg: In "Game of Thrones" gibt es anscheinend über 2.000 verschiedene Charaktere, und zu diesen Charakteren haben wir Informationen gesammelt aus dem "Game of Thrones"-Wiki, und das waren Informationen wie zum Beispiel Alter, Geschlecht, Familienstand, oder auch die Anzahl der toten Verwandten. Und anhand dieser Informationen haben wir unsere Vorhersagen gemacht.

von Billerbeck: Das heißt, wenn viele Verwandte tot sind, dann steigt mein Risiko, dass ich auch nicht überlebe?

Goldberg: Bei "Game of Thrones" ist es so, ja.

von Billerbeck: Natürlich in der Serie, nicht im wirklichen Leben. Haben Sie das festgestellt?

Goldberg: Ja. Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass Männer eher sterben als Frauen.

von Billerbeck: Das wundert mich nicht, das ist ja nicht nur in der Serie so.

Goldberg: Insbesondere, wenn man zwischen 20 und 40 ist, ist die Chance höher zu sterben, wenn man allerdings die Vierzigergrenze geschafft hat, dann stirbt man eher im hohen Alter.

von Billerbeck: Im hohen Alter von 40. Wie alt muss man denn tatsächlich werden, um zu überleben. Also, 40 muss man geschafft haben, und dann läuft alles gut?

Wahrscheinlichkeit eines gewaltsamen Todes sinkt mit dem Alter

Goldberg: Ja, mehr oder weniger. Aber die Wahrscheinlichkeit, eines gewaltsamen Todes zu sterben, wird immer niedriger, je älter man wird.

von Billerbeck: Hilft es eigentlich zu überleben, wenn man zu den bekannteren Figuren der Serie gehört? Man kennt ja auch Fälle in anderen Serien, wo das Publikum dann mit Entsetzen festgestellt hat, wer da plötzlich das Zeitliche segnete?

Goldberg: Das ist tatsächlich der Fall, das stimmt schon, ja. Die beliebten Figuren sind ja auch eher dran. Allerdings zum Beispiel Jon Snow, das ist ein Charakter, der sehr beliebt ist. Und für John Snow konnten wir vorhersagen, dass er mit einer Wahrscheinlichkeit von nur elf Prozent stirbt. Und diese Wahrscheinlichkeit ist so gering, dass wir sagen, dass er uns noch lebend erhalten bleibt.

von Billerbeck: Sind Sie eigentlich auch ein Fan von "Game of Thrones", und wenn ja, welche Figur mögen Sie denn am liebsten?

Goldberg: Ja, ich bin Fan, ich schaue die Serie sehr, sehr gern. Allerdings, die Namen von allen Tausenden Charakteren kann ich nicht auswendig.

von Billerbeck: Es sind einfach auch sehr viele, muss man allen sagen, die die Serie nicht kennen. Und die changieren auch in ihrem Gut-Böse-Duktus.

Goldberg: Ja. Und die beliebten Charaktere sind wahrscheinlich Jon Snow, Daenerys Targaryen, Tyrion ...

von Billerbeck: Hat man ein schönes Studium, wenn man solche Aufgaben hat und diese Algorithmenberechnung dann auch noch mit dem verbinden kann, was man sonst auch schön findet?

Goldberg: Ja, dieses Seminar war ein Experiment von uns, weil wir bei uns in der Gruppe mit biologischen Daten arbeiten, und das sind ja sehr komplexe Daten. Und weil dieses Seminar eben nur 50 Tage lief, hatten wir uns überlegt, eben die Daten zu vereinfachen, einen einfacheren Datensatz zu finden und "Game of Thrones"-Daten waren eine sehr gute Grundlage dafür.

Algorithmen für "Star Wars"

von Billerbeck: Können wir davon ausgehen, dass das nicht die letzte Serie ist, wo Sie per Algorithmus die Sterbewahrscheinlichkeit berechnen? Gibt es da noch neue Pläne?

Goldberg: Tatsache, ja. Wir überlegen uns, unsere Algorithmen auf "Star Wars" zum Beispiel anzuwenden.

von Billerbeck: Da werden die Anfragen bei Ihnen wahrscheinlich noch heftiger werden vermutlich.

Goldberg: Das wäre super, ja.

von Billerbeck: Tatyana Goldberg war das, Bioinformatikerin an der TU München, die mit ihren Kommilitonen berechnet hat, wer bei "Game of Thrones" wahrscheinlich und wann sterben wird. Ich danke Ihnen für das Gespräch!

Goldberg: Danke auch!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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