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Hörspiel | Beitrag vom 23.07.2017

Ursendung | Kunststücke/documentaOne Two Two - Hörtext 5 / Ich erinnere mich – I Remember

Von Ferdinand Kriwet | Von Joe Brainard

Regisseur Ferdinand Kriwet 2012 (Deutschlandradio - Jonas Maron )
Regisseur Ferdinand Kriwet 2012 (Deutschlandradio - Jonas Maron )

"Nicht mehr das Wahrgenommene ist wichtig, sondern das Wahrnehmen selbst." 1969 klang diese Forderung des 27-jährigen Kriwet provokativ.

Das Stück "One Two Two" treibt das Prinzip Collage in unverwechselbarer Weise zur artistischen Perfektion. Herkömmliche Hörgewohnheiten werden abgebaut, von Fabel ist keine Rede mehr.

Über "One Two Two" schreibt epd vom 12.03.1969:
"Die Funktion solcher polyphonen literarischen Texte sieht Kriwet in ›Training und Aufklärung‹. Der Laut-Terror ist nur scheinbar, die Anpassung an die Mixed Media unserer Welt ist noch nicht gefunden. Hören wir den Hörtext V daraufhin ab, so überwiegen zwar die rein lautlichen Collagewirkungen, sie bekommen jedoch schon informative Funktion durch ihre Gruppierung. Die Wörter ›Geist‹ und ›Herr‹ werden in ihrer Verzerrung durch kleinste Hitlerreden-Satzteilchen mit der religiösen Praxis konfrontiert; es gibt die Klischee-Kreise Weihnachten, Vaterland, Heim und Mutter bis Kommen (›O kommet, o kommet nach Bethlehem‹/›O komm...‹), als erotische Einladung (›Kommen Sie doch herein!‹). Klischee-Aufdeckung detailliert, unterbrochen von Beat oder chorischen Zitaten, gereiht bis übereinander montiert, zum Ganzen höchstens durch den wachen Hörer selber multipliziert. Aber es gibt da Momente (aktuelle Anti-Demonstrations-Redefetzen - ›Herrherrherr‹), die als plötzliche Erhellung erweiterten Informationswert bekommen. Das assoziative Hören könnte, scheint es sekundenweise, durch gezielte Phono-Montage in ein neues kritisches Bewußtsein der Gegenwart überführt werden. Erziehung zur Laut- und Sprachkritik als Umweltkritik. Die noch nicht voll erkundete Form solcher Hörtexte als ›Partitur‹ schafft gleichzeitig einen musikalisch-rhythmischen Raum; hier ergeben sich Spannungsmomente ganz anderer Art. Das Erkennen von Informationsspots tritt zurück, und im Idealfall wird unterschwellig die wortlose Verständigung erreicht, die den Hörer selbst produktiv macht."

Zu "One Two Two" schreibt Ferdinand Kriwet:
"Hörtexte verwenden theoretisch alle Möglichkeiten der menschlichen und auch künstlichen Stimmerzeugung sowie alle elektrotechnischen Möglichkeiten ihrer Analyse und Synthese mittels Aufnahme, Transformation und Montage. Neben unterschiedlichen Aufnahmepraktiken und der Verwendung spezieller Mikrophone sind vorläufig Schnitt und Mischung die in meiner Arbeit dominierenden Praktiken."

Regie: der Autor
Produktion: WDR 1968
Länge: 28'

Ferdinand Kriwet, geboren 1942, Schriftsteller und Mixed Media-Künstler. Wurde in den 1960er-Jahren mit seinen innovativen "Seh- und Hörtexten" bekannt. Zuletzt: "Rotoradio" (DKultur/WDR 2012) und "Radio-Revue oder ‘Ich bräuchte jemanden, der mich mir zurückgibt’" (DKultur/WDR 2013).
Teilnahme an der der documenta 1977 und 1982. Retrospektive "Yester’n Today", Kunsthalle Düsseldorf 2011.

Paul Auster über "Ich erinnere mich" von Joe Brainard (Vorwort)

Regie: Ulrike Brinkmann
Mit: Michael Rotschopf
Ton: Alexander Brennecke
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2017
Länge: 17'11
(Ursendung)

I Remember/Ich erinnere mich
Von Joe Brainard

"Ich erinnere mich" besteht aus rund 500 Einträgen, die stereotyp mit jenem Satz beginnen. Keine Chronologie, keine Gliederung. Nur die blitzhafte Erinnerung des Kindes, Jugendlichen oder jungen Mannes, mal mutig, mal verschämt, mal scharf beobachtet oder scheinbar banal.

Übersetzung: Uta Goridis
Textauswahl und Regie: Ulrike Brinkmann
Mit: Nico Holonics
Ton: Alexander Brennecke
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2017
Länge: ca. 60'
(Ursendung)

Joe Brainard, Bildender Künstler und Schriftsteller, 1942 in Arkansas/USA geboren, aufgewachsen in Oklahoma, studierte am Dayton Art Institute, gründete mit Jugendfreunden, wie Ron Padgett, eine Literaturzeitschrift. In den 1960er Jahren gehörte er zur Künstlerszene der "New York School". Er starb 1994 in New York an AIDS. Paul Auster schrieb das Vorwort für Brainards Erstlingswerk und war Produzent des preisgekrönten Kurzfilms von Avi Zev Weider "I Remember" 1998.

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