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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 24.08.2015

Urlaub in Serbien Zelten auf dem Öko-Campingplatz

Von Katrin Lechler

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Campingplatz (picture alliance / dpa / Foto: Hans Joachim Rech)
Campen im Grünen geht auch wunder in Serbien. (picture alliance / dpa / Foto: Hans Joachim Rech)

Wer abseits der Touristenströme Campingurlaub machen möchte, ist in Serbien genau richtig. Im Nationalpark Fruska Gora – am Rande der Donau und am Fuße eines Berges – gibt es den ersten Öko-Campingplatz des Landes.

Das ist der Sound des Sommers – endlich: Wir sind auf dem ersten ökologischen Campingplatz Serbiens angekommen und haben unser Zelt aufgebaut. Auf der einen Seite des Platzes ein Tannenhain, auf der anderen Seite blinzelt die Sonne durch die Birken. Ein Spielplatz, ein paar Picknickplätze und in Holz gekleidete Sanitäranlagen – das war´s. Das Großstadtkind ist trotzdem aufgeregt:

"Ich warte nur, bis es Nacht wird."

Ein Flüsschen schlängelt sich am Rande des fünf Hektar großen Campingplatzes entlang und zieht das Kind magisch an. Sein Wasser kommt direkt aus dem gebirgigen Nationalpark Fruska Gora, dessen grüne Bergwände vom Nordwesten her aufragen.  

"Hier könnte ich nicht mehr ´rüberspringen."

Wir stehen mitten auf einer Bienen-Autobahn: Tausende von Bienen und Hummeln stillen am Fluss ihren Durst und fliegen anschließend zu den mächtigen Japanischen Schnurbäumen am Ufer, die vom Summen regelrecht vibrieren. Im Nationalpark Fruska Gora leben besonders viele und seltene Insektenarten.

"Die schwimmen gegen den Strom – guck mal ein Schmetterling. / Wir müssen herausfinden, woher es kommt."

Nicht nur die Bienen brauchen das Flüsschen, auch die Duschen auf dem Campingplatz werden vom Wasser aus dem Mittelgebirge gespeist. Das genutzte Wasser wird gefiltert und wieder dem Bach zugeführt.

Obwohl es im Juli und August sehr heiß ist in Serbien, ist es im Nationalpark Frusko Gora gut auszuhalten. Wir wandern etwa vier Kilometer nach Strazilovo, zur Spitze des ersten Bergs im Nationalpark – der Weg schlängelt sich durch Pimpernuss, Kornelkirschen, Schwarzerlen und viele andere, für Städter unbekannte Gewächse. Wer aber die botanischen Tafeln verstehen will, muss entweder Kyrillisch können oder Biologe sein. Erst als wir eine Pause machen, bemerken das zyklische Anschwellen des Zirpens von Hunderten von Grillen. 

Kein Interesse am Berggipfel

Wir sind oben! Das Denkmal für den serbischen Poeten Branko Radičević  und das kleine Amphitheater auf dem Berggipfel interessieren das Kind nicht. Ebenso wenig wie die 16 serbisch-orthodoxen Klöster aus dem Mittelalter, die man von hier erwandern kann. Insgesamt zieht sich der Nationalpark 80 Kilometer lang hin, während er an seiner breitesten Stelle nur 15 Kilometer misst. Wir laufen also zurück zum Campingplatz und ruhen uns aus.

"Das ist wie ein Wecker im Wald."

Wenn dieser Ruf über das Gelände schallt, ist das Essen fertig. Campingplatz-Leiterin Nada wohnt in einem zweistöckigen Steinhaus oberhalb des Campingplatzes mit ihrem Mann Zdravko, Förster. Sie bietet Frühstück und warmes Essen an für Camper wie wir, die nicht als Selbstversorger unterwegs sind. Heute gibt es Djuvece, eine Art serbische Paella. Dazu frisches Brot sowie Tomaten und Gurken aus Nadas Garten – natürlich ungespritzt. Beim Strom hat das Ökologische auf dem Campingplatz jedoch seine Grenzen: Es kommt aus Kohle- und Wasserkraftwerken – Solartechnik ist noch zu teuer. Eine polnische Familie gesellt sich dazu, es herrscht slawisches Sprachgewirr.

"Das ganze Jahr habe ich daran gedacht, dass ich wieder zu dir fahren werde,"

sagt Maciek, Architekt aus Warschau zu Förster Zdravko. Maciek ist schon zum zweiten Mal auf dem Ökocampingplatz. Er will in einigen Tagen mit seiner Familie weiterfahren zum Rafting nach Montenegro. Wir brechen auf, denn wir wollen noch mit den Fahrrädern ins Tal in die Stadt Sremski Karlovci – die Fahrräder kann man übrigens leihen. Die barocke Stadt war das kulturelle und geistige Zentrum der Serben, als dieser Teil des Landes noch zur Habsburger Monarchie gehörte. Für eine Tour durch die Weinkeller der Stadt ist es ein bisschen zu warm. Stattdessen lassen wir uns für umgerechnet vier Euro mit einem Motorboot auf eine Donauinsel übersetzen. Hier baden wir an einem langen weißen Strand mit Karibik-Feeling. Die kleine Strandbar erinnert mich an eine bekannte Rumwerbung.

Internationale Camper

Als wir am Abend zurückkommen, hat sich der Campingplatz ein wenig gefüllt. Ein junger Luxemburger mit Dreadlocks studiert Karten, eine deutsche Familie macht Zwischenstation auf dem Weg nach Albanien, und ein neuseeländisches Paar genießt die Kühle des Abends vor seinem Zelt.

Neuseeländer: "Wir sind hierhergekommen, weil diese Orte noch nicht von Touristen überschwemmt ist."

Neuseeländerin: "Wir finden die Menschen hier wirklich freundlich und hilfsbereit. Wir mögen die Architektur und es gefällt uns, dass nicht alles herausgeputzt wie viele europäische Städte, die diese perfekte Postkartenidylle haben.

Die deutschen Camper hauen Birkenklötze klein, stellen ihre Campingstühle ums Lagerfeuer herum. Campingplatzleiter Zdravko kommt dazu. Er bringt ein paar Früchte von den Obstbäumen auf dem Campingplatz mit – Pflaumen, Maulbeeren und Mirabellen – von denen sich hier jeder bedienen kann. Er sammelt alte, besonders widerstandsfähige Obstsorten und pflanzt sie auf dem Gelände an.  

Endlich Nacht, endlich vorlesen im Zelt – das Kind jubelt, und spitzt doch halb ängstlich, halb neugierig bei jedem Geräusch die Ohren.

"Sind hier Ratten?"

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