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Zeitfragen / Archiv | Beitrag vom 19.07.2016

UmweltverschutzungMallorca, die Urlauber und der Müll

Von Stephanie Eichler

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Ein Schild fordert zu Rücksicht und Sauberkeit auf, fotografiert am 05.05.2016 in Alcudia im Norden von Mallorca (Spanien). Im Hintergrund Mülltonnen für die Mülltrennung. (picture alliance / ZB / Jens Kalaene)
Weniger Müll, mehr Sauberkeit: Auf Mallorca wird um Mülltrennung gebeten. (picture alliance / ZB / Jens Kalaene)

Sonnencremetuben, Plastikflaschen, Fäkalien - Mallorca leidet unter dem Müll, den die Touristen verursachen. Doch trotz neuer Konzepte und Steuern bekommt die Insel das Problem nicht in den Griff.

In der Touristenhochburg Colonia de Sant Jordi auf Mallorca tummeln sich die Urlauber am Strand "El Dolç - der Süße". Er verdankt seinen Namen dem Süßwasser, das sich hier aus einer Unterwasserhöhle in das Meer ergießt. Doch das Wasser in der Höhle stinkt zum Himmel.

Ein paar Meter hinter dem Strand, unter einem Felsvorsprung befindet sich der Eingang zur Höhle. Im Neoprenanzug und mit einer Sauerstoffflasche auf dem Rücken tauchte der Höhlenforscher Francesc Gràcia zusammen mit Kollegen schon häufig in den vier Kilometer langen Hohlraum voller Wasser hinab:

"Wir begannen die Höhle zu erforschen als es Winter war. Jedes Wochenende fuhren wir her und wagten uns immer weiter ins Innere vor. Als es Sommer geworden war, bemerkten wir, dass an einigen Stellen in der Höhle das Wasser sehr dunkel war. Wir fanden schlammige Ablagerungen, die übel gestunken haben. Eine ziemliche Menge, in denen ein ganzer Arm verschwinden konnte: Fäkalien. Aus geologischer Sicht ist die Höhle ein Juwel, doch jetzt dient sie als Gully."

Das Team um Francesc Gràcia vermaß die Höhle. Ihren unterirdischen Verlauf zeichneten die Forscher in eine Landkarte ein. Und siehe da: An einem der Höhleneingänge schließt ein Kanal an, der direkt in ein Klärwerk führt.

Die Klärwerke sind zu klein

Die spanische Guardia Civil untersucht den Fall: Stammen die Exkremente aus dem Klärwerk? Gelangen immer noch Fäkalien in die Höhle oder sind die Ablagerungen älteren Ursprungs? Zu welchem Ergebnis auch immer die Inspektoren kommen werden, für Margalida Ramis vom GOB, dem größten Umweltverband der Balearen, steht fest: Im Sommer häufen sich inselweit die Probleme bei der Abwasserreinigung:

"Für diese Dienstleistung werden Gebühren erhoben. Sie sollen auch dazu dienen, in den Ausbau der Klärwerke zu investieren. Aber es wurde nicht investiert. Und was passiert jetzt? Wir befinden uns in einer Rekordsaison, aber die Klärwerke sind zu klein. Ihre Kapazität reicht nicht aus, um das Abwasser zu reinigen."

Fäkalien - eine Gefahr für das Seegras

Der Umweltverband hat in den letzten Jahren mehrmals Anzeige erstattet, weil in einem Kanal, an einigen Stränden Mallorcas und in Höhlen große Mengen an fäkalen Rückständen auftauchten.

Die Wasserqualität an den Stränden Mallorcas ist trotz allem in der Regel gut. Doch die Exkremente, die an manchen Tagen in der Hochsaison im Meer landen, schaden wohl dem wertvollen Seegras, das in Küstennähe wächst. Die Pflanze schützt die Küste vor Erosion und filtert große Mengen des Treibhausgases CO2 aus der Luft. Allerdings gehen die Bestände der Wasserpflanze seit Jahren zurück.

Die Fäkalien sind nicht das einzige Erbe der Urlauber, das Probleme verursacht. Die Touristen hinterlassen auch allerhand leere Sonnencremetuben, ausgetrunkene Plastikflaschen, Essensreste. Um den Abfall der immer weiter wachsenden Anzahl von Urlaubern zu beseitigen, hat die Betreiberfirma Tirme die Verbrennungsanlage der Insel von zwei auf vier Öfen hochgerüstet. Dabei schreibt die Abfallhierarchie der EU eigentlich eine strikte Rangfolge im Umgang mit dem Müll fest. Vorrang haben umweltverträgliche Maßnahmen wie die Müllvermeidung und Recyling.

Verbrennen statt recylen

Trotzdem verbrennen fast alle Regionen der EU immer noch weit mehr als die Hälfte ihres Mülls. Auf Mallorca sind es ganze 60 Prozent. Joan Mateu, Mitarbeiter bei Tirme, zeigt auf einen riesigen Müllberg in der Verbrennungsanlage – gut abgeschirmt hinter einer dicken Glasscheibe:

"Der Kranführer füttert die beiden Öfen mit dem Müll. Er sieht ein Signal, das ihm zeigt: Jetzt nachfüllen. Dann packt er den Müll mit der Baggerschaufel. Siehst du dort diese beiden Öffnungen? Es sind die Eingänge zu den Öfen."

Es gibt längst Ideen, wie sich die Müllmassen auf Mallorca besser verwerten ließen – zum Beispiel in den Hotels, wo große Mengen Küchenabfälle anfallen. Eine Bauerngenossenschaft möchte die Abfälle einsammeln, um daraus Kompost zu machen. Die Hotels würde dann weniger als halb soviel Müll produzieren. Doch Margalida Ramis vom Umweltverband GOB weiß, warum solche Initiativen kaum Zukunft haben.

"Diese Versuche finden außerhalb der Legalität statt. Per Definition muss der gesamte Müll in der Entsorgungsanlage der Firma Tirme landen. Weil die Firma eine verpflichtende, öffentliche Dienstleistung ist. Aus umwelttechnischen Gesichtspunkten macht das überhaupt keinen Sinn. Ich habe immer gedacht, dass hier noch einmal ein Korruptionsfall aufgedeckt wird."

Neue Regierung, neue Gebühr

Die Betreiberfirma braucht den Müll, um mit den Müllabfuhrgebühren die Investition für die neuen Verbrennungsöfen abzubezahlen: 250 Mio. Euro. Für die Umweltschützerin steht fest: Im Abwasser- und Abfallmanagement Mallorcas läuft vieles schief. Den Grund dafür sieht sie in einer Mentalität, der es hauptsächlich um das Wachstum der Tourismusbranche geht:

"Weder die Tourismuspolitik noch die Wirtschaftspolitik haben einsehen wollen, dass es Grenzen gibt. Die ganze Infrastruktur der Insel zeugt davon. Es werden Hauruck-Entscheidungen getroffen, um möglichst schnell ein weiteres Wachstum zu ermöglichen."

2015 gab es auf Mallorca einen Regierungswechsel. Die neue Regierung erarbeitet ein umweltfreundlicheres Abfallgesetz und plant, das Abwassersystem zu erneuern. Ein kostspieliges Vorhaben. Seit dem 1. Juli müssen die Urlauber auf Mallorca eine Übernachtungssteuer von 25 Cent bis zwei Euro zahlen. Möglich, dass ein Teil dieses Geldes hilft, die Probleme zu lösen.

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(Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 01.07.2016)

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