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Mittwoch, 22.11.2017

Kulturnachrichten

Montag, 23. Oktober 2017

Umstrittener Film "Matilda" erlebt Uraufführung

Russische Monarchisten und Orthodoxe hatten gegen den Film mobil gemacht

Der umstrittene russische Historienfilm "Matilda" mit dem deutschen Schauspieler Lars Eidinger in der Hauptrolle ist in St. Petersburg offiziell uraufgeführt worden. Obwohl Monarchisten und orthodoxe Splittergruppen seit einem Jahr gegen den Film mobil gemacht hatten, verlief die Premiere im Mariinski-Theater ohne größere Störungen. Lediglich ein paar Dutzend Menschen demonstrierten vor dem Theater. Eidinger hatte aus Angst vor Angriffen eine Reise nach St. Petersburg abgesagt. Der Film von Regisseur Alexej Utschitel erzählt von der Affäre des künftigen Zaren Nikolaus II. mit der Ballerina Matilda Kschessinskaja. Weil die russische Kirche den 1918 ermordeten letzten Zaren heiliggesprochen hat, störten sich konservative orthodoxe Christen an der Handlung. Am kommenden Donnerstag soll der Film in den russischen Kinos anlaufen. In Deutschland wird er unter dem Titel "Mathilde" am 2. November in die Kinos kommen.

Dresdner Philharmonie will Janowski als Chefdirigenten

Janowski war bereits Leiter des Orchesters von 2001 bis 2003

Die Dresdner Philharmonie wünscht sich Marek Janowski als künftigen Chefdirigenten. Der 78-Jährige hatte das städtische Orchester in Dresden bereits von 2001 bis 2003 geleitet, war dann aber aus Frust über das Hin und Her der Stadt beim Streit um einen neuen Konzertsaal wieder gegangen. Der Orchestervorstand hat nun die Dresdner Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch und Philharmonie-Intendantin Frauke Roth beauftragt, Verhandlungen mit Janowski über die Tätigkeit als Chefdirigent ab der Saison 2019/20 aufzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt wird der derzeitige Chefdirigent Michael Sanderling Dresden verlassen.

Kameramann Walter Lassally gestorben

Lassally gewann den Oscar für „Alexis Sorbas"

Der Kameramann und Oscar-Preisträger Walter Lassally ist gestorben. Lassally lebte zuletzt auf Kreta in nächster Nähe des Strandes von Stavros, auf dem die berühmte Schlussszene des Films „Alexis Sorbas" mit Anthony Quinn gedreht wurde. Der in Berlin geborene Lassally emigrierte 1939 nach Großbritannien und wirkte in seiner Karriere in über 120 Filmen mit. Seinen Oscar hatte er einem Restaurant am Strand von Stavros vermacht, ehe dieser durch einen Brand verloren ging. Lassally starb mit 90 Jahren nach Komplikationen infolge einer Operation.

Rockmusiker und Produzent George Young gestorben

Ältester der Young-Brüder war Produzent von AC/DC

Der australische Musiker und Produzent George Young ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Er war Produzent der ersten AC/DC-Alben. "Ohne seine Unterstützung und Anleitung hätte es AC/DC nicht gegeben", schreibt die Band in einem Facebook-Posting. "Wir werden uns immer in Dankbarkeit an ihn erinnern und ihn nah an unseren Herzen tragen." George Young war auch als Musiker und Songwriter erfolgreich: Er schrieb u.a. die Hits "Friday on my Mind" und "Love is in the Air."

Radiojournalistin in Moskau niedergestochen

Attentäter drang in die Studios von Echo Moskwy ein

Die stellvertretende Chefredakteurin des führenden Nachrichten-Radiosenders in Russland ist von einem Unbekannten niedergestochen worden. Echo Moskwy erklärte auf seiner Internetseite, der Attentäter sei in die Studios eingedrungen und habe auf Tatjana Felgengauer eingestochen. Echo Moskwy wird oft als Russlands einziger unabhängiger Nachrichten-Radiosender bezeichnet. Felgenhauer ist bekannt als Moderatorin einer beliebten Morgensendung. Die kritische Berichterstattung von Echo Moskwy hat in der russischen Regierung viele verärgert. Moderatoren und Journalisten des Senders haben in der Vergangenheit schon über Todesdrohungen berichtet. Felgengauer sei in ein Krankenhaus gebracht worden und befinde sich nicht in Lebensgefahr, twitterte der Chefredakteur des Senders, Alexej Wenediktow. Der Attentäter sei festgenommen worden.

Sachsen restituiert erstmals Gebeine aus Kolonialzeit

Menschliche Überreste stammen aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

Das Land Sachsen gibt zum ersten Mal Gebeine aus der Kolonialzeit an ein Herkunftsland zurück. Ein entsprechender Vertrag soll in Dresden unterzeichnet werden. Die menschlichen Überreste stammen aus dem ethnografischen Bestand der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Im konkreten Fall geht es um Forderungen aus Hawaii. Vorausgegangen sei eine intensive Provenienzforschung und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Repräsentanten einer Organisation für die Rechte der Ethnien. Laut Ministerium wird damit ein neues Kapitel im Umgang der Museen mit Gebeinen kolonialer Herkunft eingeschlagen: "Mit Respekt und unter Anerkennung und Würdigung der kulturellen und religiösen Traditionen des Herkunftslandes werden "Objekte" rehumanisiert. Es wird ihnen die ihnen innewohnende Individualität, Menschlichkeit und Würde zurückgegeben."

Museum Folkwang erzielt Besucherplus

Freier Eintritt in ständige Sammlung führt zur Verdoppelung der Besucherzahlen

Der freie Eintritt in die ständige Sammlung des Museums Folkwang in Essen hat zu einer anhaltenden Verdoppelung der Besucherzahlen geführt. Zwischen Juni 2016 und Juni 2017 wurden 81.451 Besucher gezählt, wie das Museum Folkwang mitteilte. Im Vergleichzeitraum vor der Einführung des freien Eintritts 2014/2015 waren es 43.315. Vor allem bei den jüngeren Besuchern verzeichnete das Museum nach einer repräsentativen Besucherbefragung der Rheinischen Fachhochschule Köln einen deutlichen Zuwachs. Ermöglicht wird der freie Eintritt in die Dauerausstellung seit Mai 2015 für fünf Jahre von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die dafür eine Million Euro bereitstellt. Der freie Eintritt zeige nachhaltigen Erfolg, sagte Folkwang-Museumsdirektor Tobia Bezzola.

Bibliothek nutzt Roboter-Zuhörer für vorlesende Kinder

Stadtbibliothek Wildau mit Innovationspreis für Bibliotheken ausgezeichnet

Für ihre Idee, kleine Roboter als Partner für vorlesende Kinder zu nutzen, ist die Stadtbibliothek Wildau ausgezeichnet worden. Der Einrichtung im Landkreis Dahme-Spreewald wurde der erste Innovationspreis für Bibliotheken in Berlin und Brandenburg verliehen, wie das Kultusministerium in Potsdam mitteilte. Die Stadtbibliothek kooperiert für das Projekt, das Kinder zum Lesen lernen motivieren soll, mit der Technischen Hochschule Wildau. Nominiert für den Innovationspreis war unter anderen auch die Stadtbibliothek in Berlin-Pankow, die selten benötigte Alltagsgegenstände wie Akkuschrauber, Beamer und Nähmaschinen verleiht. Der Verbund der öffentlichen Bibliotheken der Hauptstadt zählte mit seinem Streaming-Portal «Filmfriend» ebenfalls zum engeren Kreis der fünf ausgewählten Projekte.

Belästigungsvorwürfe gegen James Toback

Vorwürfe von mehr als 30 Frauen in einem Artikel der "Los Angeles Times"

Mehr als 30 Frauen haben dem US-Regisseur und Drehbuchautor James Toback sexuelle Belästigung vorgeworfen. Toback habe sie unter anderem in den Straßen von New York angesprochen und ihnen Ruhm versprochen, sagten die Betroffenen in einem Artikel der "Los Angeles Times". Die Treffen mit ihm hätten dann jedoch häufig mit sexuellen Fragen geendet, erklärten die Frauen in dem Bericht. Unter ihnen waren auch die Musikerin Louise Post, Frontsängerin der US-Band Veruca Salt, und Schauspielerin Terri Conn. Der 72-Jährige wies die Vorwürfe zurück. Toback ist vor allem für den Gangster-Film "Bugsy" bekannt, für den er das Drehbuch geschrieben hatte.

Timberlake tritt wieder bei Super Bowl auf

14 Jahre nach "Nipplegate"

Der US-Popstar Justin Timberlake wird in der Halbzeit-Show des Super Bowl im kommenden Jahr auftreten. Der 36-Jährige veröffentlichte ein Video auf seinem Twitteraccount, in dem er sich gemeinsam mit US-Komiker Jimmy Fallon über seine bevorstehende Show freut. "Ich habe die Halbzeit", schrieb er. Zeitgleich bestätigte die US-amerikanische Football-Liga NFL ihn als Hauptkünstler beim Finale am 4. Februar 2018 in Minnesota. Der Auftritt findet 14 Jahre nach dem letzten Auftritt Timberlakes beim Super Bowl statt. Damals sorgte er gemeinsam mit der Sängerin Janet Jackson für einen Skandal. Am Ende ihrer Show riss Timberlake einen Teil des Oberteils Jacksons ab - und entblößte ihre Brustwarze. US-Medien betitelten den Vorfall als "Nipplegate", die Musiker sprachen von einem defekten Kostüm Jacksons. Seitdem wird der Super Bowl mit einer Verzögerung von fünf Sekunden ausgestrahlt, um bei möglichen Pannen eine Übertragung zu verhindern.

Osnabrück: Friedensfilmpreis für Leonardo di Costanzo

"The Intruder" folgt einer Sozialarbeiterin in einem Mafia-Viertel

Er erhielt den Preis für seinen Film "The Intruder". Der Film vertraue "konsequent, fast puristisch" und ohne jegliche Filmmusik auf seine Figuren und ihre berührenden Darsteller, teilte die Jury mit. Zum Abschluss des 32. Unabhängigen Filmfestes Osnabrück nahm Di Costanzo den von der Sievert-Stiftung für Wissenschaft und Kultur gestifteten Preis entgegen. Der Film folge einer Sozialarbeiterin, die mit Kindern in einem von der Mafia regierten Vorort Neapels arbeite. Der 1958 in Italien geborene Di Costanzo arbeitet als Drehbuchautor und Regisseur. Das Filmfest zeigte an fünf Tagen insgesamt 84 Produktionen, darunter 15 Deutschland- und eine Weltpremiere.

Hörspiel von Olaf Nicolai erhält den Karl-Sczuka-Preis

Künstler bekommt die Auszeichnung bei den Donaueschinger Musiktagen

Der Preis wird vom Südwestrundfunk vergeben und ist mit 12.500 Euro dotiert. Nicolai wurde für sein Hörwerk "In the woods there is a bird..." ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es, Nicolai habe "eine radiophone Suite von bedrängender Intensität" geschaffen. Der Künstler verwendete unbearbeitetes Material für Radioreportagen über Demonstrationen, Protestaktionen und Unruhen aus dem Zeitraum zwischen Juli 2001 und Februar 2017. Daraus ergebe sich ein "kaleidoskopisches Hörbild über den Zusammenprall von Macht und Ohnmacht, von Autorität und Protest". Nicolai wurde 1962 in Halle an der Saale geboren, er lebt in Berlin. Verliehen wird der Preis seit 1955. Er ist nach dem Hauskomponisten in den Gründerjahren des damaligen Südwestfunks benannt.

"Hänsel und Gretel"-Premiere ohne Serebrennikow

Inszenierung als Hommage an abwesenden Regisseur

Die Staatsoper Stuttgart hat die Oper "Hänsel und Gretel" ohne den Regisseur Kirill Serebrennikow aufgeführt. Der Regisseur steht in Moskau unter Hausarrest und konnte seine Inszenierung am Haus nicht vollenden. Ihm wird Veruntreuung staatlicher Fördergelder vorgeworfen. Serebrennikow bestreitet dies. Erst am Dienstag war der Hausarrest gegen den Regisseur um drei Monate verlängert worden. Intendant Jossi Wieler kritisierte das russische Vorgehen als indirektes Arbeitsverbot. Die gestrige Aufführung war ein Erfolg: Unter Ovationen führte das Haus das Stück als eine Art Fragment auf und unterstützte damit die Forderung nach einer Freilassung des Künstlers. Die Darsteller traten in Alltagskleidung auf und das Opernhaus schmückten Banner mit der Forderung nach Serebrennikows Freilassung.

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Fazit

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