Seit 01:05 Uhr Tonart

Donnerstag, 21.06.2018
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit | Beitrag vom 14.06.2018

Ukrainischer Regisseur Oleg Senzow im Hungerstreik"Sein Wille ist ungebrochen"

Gesine Dornblüth im Gespräch mit Marietta Schwarz

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der ukrainische Filmregisseur Oleg Senzow am 25. August 2015 im Gericht im südrussischen Rostow am Don: Wegen Terrorvorwürfen wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt. (SERGEI VENYAVSKY / AFP)
Der ukrainische Filmregisseur Oleg Senzow am 25. August 2015 im Gericht im südrussischen Rostow am Don: Wegen Terrorvorwürfen wurde er zu 20 Jahren Haft verurteilt. (SERGEI VENYAVSKY / AFP)

Am ersten Tag der Fußball-WM befindet sich der Regisseur Oleg Senzow seit 31 Tagen im Hungerstreik. Er fordert Russland auf, alle ukrainischen politischen Gefangenen aus der Haft zu entlassen. Solidarität für ihn gibt es auch in Russland.

Man wisse nicht genau, wie es Senzow gehe, sagt Gesine Dornblüth im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur. Sie war bis vor kurzem Korrespondentin in Moskau. "Er sitzt am Nordpolarkreis und da sickert nur sehr wenig Information an die Öffentlichkeit."

Im Gefängniskrankenhaus werde er mit Vitaminen versorgt. Wichtigste Informationsquelle sei eine Cousine Senzows, die berichtet hatte, dass ihm nach Wochen des Hungerns bereits Zähne und Haare ausfallen. Trotzdem sei er sehr willensstark:  

"Aufgeben will er nicht, sterben will er nicht, doch von seinen Bedingungen für ein Ende des Hungerstreiks abrücken, will er auch nicht."

20 Jahre Haft für einen unbewiesenen Vorwurf

Nach Solidaritätsaktionen für Senzow durch das EU-Parlament gebe es auch in Russland kleine Gruppen, die sich für ihn und die Freilassung von weiteren politischen Gefangenen einsetzten. Bei der Abschlussfeier des Kinofestivals in Sotchi hätten sich am vergangenen Sonntag mehrere ausgezeichnete Künstler bei der Preisverleihung für Senzow eingesetzt und an den Grund seiner Inhaftierung erinnert:

"Für die unbewiesene Absicht, die Tür des Büros der regierenden Partei anzuzünden. Es gab also noch nicht einmal einen richtigen Schaden."

Kiew: Demonstration für Oleg Senzow und andere politisch Gefangene in Russland - Aktivisten haben einen Schädel und Knochen aus Pappmaché haben Aktivisten vor der russischen Botschaft in Kiev aufgetürmt  (imago stock&people)Demonstration vor der russischen Botschaft in Kiew für Oleg Senzow und andere politische Gefangene in Russland am 14.06.2018 (imago stock&people)

Auch die Regisseurin Avtotya Smirnowa habe sich bei der Preisverleihung in Sotchi zu Wort gemeldet und an die Richter appelliert, die inhaftierten Kollegen zu begnadigen und freizulassen.

"Man muss dazu noch wissen, dass das - ungewöhnlich - vom Staatsfernsehen live übertagen wurde. So drang also Kritik, und das ist selten in Russland, auch in die Fernsehstuben."

Hoffnung auf politischen Einfluss aus dem Ausland

Pünktlich zum Start der Fußballweltmeisterschaft in Russland habe die Menschenrechtsorganisation "Memorial" eine Liste mit 158 politischen Gefangenen in Russland veröffentlicht. Russische Menschenrechtler hofften, dass westliche Politiker, wie zum Beispiel Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder, einzelne Häftlinge vielleicht freibekommen könnten.

"Es gibt die Hoffnung der Freilassung Einzelner. Und dabei fällt natürlich immer wieder der Name Senzow."

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsDiebstahl als feministisches Projekt
Ein Mann mit Pistole steht nachts in einem Büro. (imago / Westend61)

Die Kulturseiten der Zeitungen beschäftigen sich mit vielen Facetten der Kriminalität. Die "SÜDDEUTSCHE ZEITUNG" geht auf Trumps alternative Fakten zur deutschen Verbrechensstatistik ein und die "WELT" feiert "Ocean’s 8" wegen seines feministischen Touchs.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 5Auf der Bühne und dahinter
Der Intendant des Schauspiels Köln, Stefan Bachmann, stellt am 21.05.2013 in Köln (Nordrhein-Westfalen) den Spielplan für die kommende Saison vor.  (picture-alliance / dpa / Oliver Berg)

Künstler oder Servicepersonal? Dulden oder Aufbegehren? Im Mai-Theaterpodcast geht es um die Rolle des Schauspielers im 21. Jahrhundert. Außerdem Thema: Die Proteste von Mitarbeitern der Bühnen in Cottbus und Köln.Mehr

Folge 4Von diversen Zukünften
"Tchüss, Chris"-Plakate kommentieren den Rückzug des Belgiers Chris Dercon als Intendant der Berliner Volksbühne am 13.4.2018. (Karoline Scheer/Deutschlandradio)

Die Amtszeit von Chris Dercon als Intendant der Berliner Volksbühne dauerte nur wenige Monate und hinterließ einen Scherbenhaufen. Der neue "Theaterpodcast" beschäftigt sich mit dem Ursachen des Desasters. Weitere Themen: das Verhältnis von Theater und Digitalisierung. Und: Theater-Propaganda in Österreich.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur