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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 05.07.2014

ÜberbevölkerungWie viele Menschen verträgt die Erde?

Gäste: Der Demografie-Experte Reiner Klingholz und der Autor Werner Boote

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Für ein Foto liegen viele Babys zusammen auf der Neugeborenenstation im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle in ihren Bettchen, aufgenommen am 05.01.2011. (picture alliance / dpa / Waltraud Grubitzsch)
Babyboom (picture alliance / dpa / Waltraud Grubitzsch)

Die Weltbevölkerung wächst rasant: Lebten im Jahr 1950 noch rund 2,5 Milliarden Menschen auf der Erde, sind es derzeit bereits über 7,26 Milliarden – und täglich werden es mehr. Welche Folgen wird das haben? Und wie sollen wir damit umgehen?

Die Weltbevölkerung wächst rasant: Lebten im Jahr 1950 noch rund 2,5 Milliarden Menschen auf der Erde, sind es derzeit bereits über 7,26 Milliarden – und täglich werden es mehr: Jede Sekunde werden  durchschnittlich 2,7 Erdenbürger geboren, pro Tag 237.427. Im Jahr 2050 werden wir 9,2 Milliarden sein. Gleichzeitig hungern laut UN 1,4 Milliarden Menschen – ebenso viele haben Übergewicht.

Wie viele Menschen verträgt die Erde?

Sind wir zu viele, oder ist alles nur eine Frage der gerechteren Verteilung?

"Die Überbevölkerung ist ein Märchen",  sagt der Regisseur und Filmemacher Werner Boote. "Wer von uns ist denn zu viel? Die Afrikaner? Die Chinesen? Deutschlands Bevölkerungsdichte ist nahezu doppelt so hoch wie die Chinas! Und wenn man sagt: Es gibt zu viele Menschen auf der Welt, wer sind dann die, die zu viel sind? Es sind ja immer die, die man nicht kennt, also die anderen."  

Für seinen Film "Population Boom" ist er vier Jahre um den Erdball gereist, unter anderem nach China, Japan, Kenia, Finnland und Bangladesch.

Sein Fazit: "Nicht Ressourcenknappheit und Platzmangel sind der Grund für Hunger und Armut, sondern ungerechte Verteilung und mangelnde soziale Gerechtigkeit.

Der springende Punkt ist die Angst vorm Teilen." Weltweit würden mehr Lebensmittel produziert, als benötigt, sie müssten nur entsprechend verteilt werden.

Sein Appell: "Die entscheidende Sache ist, dass wir uns als Teil dieser globalen Gemeinschaft verstehen. Denn, wenn wir realisieren, dass es nicht um die Zahl der Menschen geht, können wir uns wieder auf die richtigen Dinge stürzen. Wir können endlich die Umweltverschmutzung angehen, wir können die ungerechte Verteilung angehen, den Landraub. Wir können die kurzfriste Profitgier in die Hand nehmen. Es geht nicht um die Zahl, es geht darum, wie wir damit umgehen und dass wir diese Sachen anpacken."   

"Noch in diesem Jahrhundert beginnt die Weltbevölkerung zu schrumpfen" prophezeit  Dr. Reiner Klingholz, Direktor des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung und Autor des Buchs "Sklaven des Wachstums". "Nachdem die Menschheit im 20. Jahrhundert ein historisch einmaliges Wachstum erlebt hat, dürfte das 21. Jahrhundert den Beginn des Postwachstums markieren. Das liegt vor allem am reproduktiven Verhalten der Menschen: In fast allen Ländern der Welt bekommen die Frauen deutlich weniger Kinder als früher, so dass ein Ende des Bevölkerungswachstums in Sicht gerät."

Die Voraussetzungen für einen Geburtenrückgang: "Das Wichtigste ist Bildung, gerade für Frauen hat sie einen enormen Effekt. Dann muss die Kindersterblichkeit sinken. Wir wissen, dass zehn Jahre, nachdem sie gesunken ist, auch die Fertilitätsrate sinkt. Und die Länder brauchen Anschlüsse an das Stromnetz; über 50 Prozent der afrikanischen Länder haben keinen Anschluss an das Netz. Das geht nicht zum Nulltarif – und das kann das Ganze auch zunächst schlimmer machen. Denn die Afrikaner sind praktisch bei einem Nullverbrauch. Das heißt: Mit dem Eintritt in die Entwicklung beginnt auch ein höherer Ressourcenverbrauch. Wir müssen akzeptieren, dass es erst einmal schlimmer wird, damit es später einmal besser wird." Überall auf der Welt entwickelten sich die Gesellschaften nach dem gleichen Muster: "Bildung, Wohlstand und mehr persönliche Freiheit führen dazu, dass die Menschen Kinder nicht mehr als Schicksalsfügung hinnehmen, sondern sie beginnen, ihre Familien zu `planen´. Ab einem bestimmten Bildungsstand gehören zu solchen geplanten Familien im Schnitt weniger als zwei Kinder. Dann wird aus der Bevölkerungsexplosion eine Implosion."

 

Informationen im Internet

Über Werner Boote

Über Dr. Reiner Klingholz

 

Literaturhinweis:

Reiner Klingholz: "Sklaven des Wachstums - die Geschichte einer Befreiung", Campus-Verlag 2014

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