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Kalenderblatt / Archiv | Beitrag vom 23.02.2017

Tüftler Jacob Christian Schäffer"Bequeme und höchst vortheilhafte Waschmaschine"

Von Irene Meichsner

Waschmaschinen in einem Waschsalon in Paris (AFP/Loic Venance)
1910 bekam der US-Ingenieur Alva John Fisher ein Patent auf die erste elektrische Waschmaschine - bis dahin baute man Waschmaschinen nach dem Konzept aus dem 18. Jahrhundert von Jacob Christian Schäffer. (AFP/Loic Venance)

Jacob Christian Schäffer war ein technikbegeisterter Theologe aus Querfurt. Auf der Suche nach einem Apparat für die Herstellung von Papier stieß er vor 250 Jahren auf eine Waschmaschine aus England. Aus reiner Neugierde testete er das Gerät − und verbesserte es in wesentlichen Punkten.

"Man nahm eine gewisse Anzahl feiner und langer Spitzen; eine gewisse Anzahl gesteckter Hauben, musselinene Halstücher, Krägen, und verschiedene feine Frauenzimmerwäsche. Man ließ sie in laulichtem Wasser einige Stunden liegen, seifte sie ein, und warf sie in die Waschmaschine. In Zeit nicht gar einer halben Stunde war die gesamte Wäsche dergestalt rein und weiß gewaschen, daß es ein nicht geringes Vergnügen und Freude verursachte."

Jacob Christian Schäffer hatte lange überlegt, ob er seine sorgfältig protokollierten Versuche mit der Waschmaschine überhaupt veröffentlichen sollte. Mit Skepsis rechnete er nicht nur seitens derer, denen ohnehin "alles Neue verdächtig" vorkomme, sondern auch seitens der "Waschweiber", die mit dem Wäschewaschen ihr täglich Brot verdienten:

"Jedoch habe ich Zeugnisse vor mir, daß ich mit Empfehlung der Waschmaschine dem gemeinen Wesen und vernünftigwirthschaftlichen Personen keinen unnützen, Dienst geleistet habe. Gebrauch, Augenschein und Erfahrung, mit einem Worte Warheit und Redlichkeit, hat über Vorurtheile und Leidenschaften gesieget",

... schrieb der 48-jährige evangelische Theologe in einem Nachtrag zu seiner Abhandlung über "Die bequeme und höchstvortheilhafte Waschmaschine", die er 1766 auf eigene Kosten hatte drucken lassen und im Februar 1767 samt Bauanleitung und Gebrauchsanweisung an ausgewählte Personen im ganzen Land verschickte.

Waschzuber mit Deckel, Waschwerk mit Kurbel

Schäffer, der 1718 in Querfurt im heutigen Sachsen-Anhalt zur Welt gekommen war, genoss einen ausgezeichneten Ruf – nicht nur als Prediger an der Regensburger Neupfarrkirche, sondern auch als Botaniker, Pilz- und Insektenkundler. Er machte Verbesserungsvorschläge für Backöfen und Sägemaschinen, fertigte Linsen, Prismen und Mikroskope an, beschäftigte sich mit Elektrizitäts- und Farbenlehre. Auf der Suche nach einem Gerät zum Zerkleinern von Pflanzenfasern, aus denen er Papier herstellen wollte, war Schäffer im "Berlinischen Magazin" auf einen Bericht über eine Waschmaschine gestoßen, die angeblich in England erfunden und in Kopenhagen nachgebaut worden war. In der Hoffnung, dass dieses Gerät − nach einigen Umbauten − auch für seine Papierversuche geeignet sein könnte, ließ er sich umgehend ein Exemplar anfertigen.

"Ich war fördersamst begierig, zu sehen und zu erfahren, ob dann diese Maschine wirklich zum Waschen so gebrauchet und genutzet werden könne, wie man von ihr vorgab?"

Die Waschmaschine bestand aus einem hölzernen "Waschzuber" mit Deckel und einem aufgesetzten "Waschwerk" mit einer Art Handkurbel, mit der die Wäsche im Wasser bewegt werden konnte. Schäffer hat das Gerät in einigen wesentlichen Punkten verbessert. Vor allem beim Bau des Zubers mahnte er zu größtmöglicher Präzision.

"Je fleißiger die Dauben innwendig gleich, glatt, ganz, und überhaupt sauber bearbeitet sind; desto weniger hat man die Besorgnis zu haben, daß die Wäsche nur im mindesten leiden, abgerieben oder sonst beschädiget werden mögte."

Die ausgezeichnete Waschwirkung führte Schäffer auf den "warmen Dunst" in dem Zuber zurück – ähnlich wie beim Dünsten von Fleisch in einem geschlossenen Topf.

Knochen zu "Brey" verwandelt

"Naturkündigern ist nicht unbekannt, was ein eingeschlossener warmer Dunst zu bewirken vermag; und wie er so gar die härtesten Knochen in einen Brey verwandelt. Eben so ist auch in der Waschmaschine der eingeschlossene Dunst in den Schmutz viel wirksamer und auflösender, als die Lauge, Reiben, Schlagen, Klopfen und Bürstengebrauch beym ordentlichen Waschen."

Schäffer ließ seinem Traktat noch zwei weitere Nachträge folgen, einen unter dem Titel: "Gesammlete gute und böse Nachrichten von der Regensburgischen Waschmaschine". Misserfolge schrieb er Fehlern bei der Bedienung der Maschine zu. Die Befürchtungen der "Waschweiber", sie könnten durch die neue Technik überflüssig werden, nahm Schäffer durchaus ernst. Er kam letztlich aber zu dem Ergebnis, dass sie wegen der Zeitersparnis in Zukunft ja auch bei zwei Haushalten, statt nur bei einem, die Wäsche waschen könnten.

Schäffers Konzept setzte sich durch. Hundert Jahre lang hat man noch Waschmaschinen nach seinem Vorbild gebaut. Die nächste große Zäsur erfolgte erst 1910 – als der US-amerikanische Ingenieur Alva John Fisher ein Patent auf die erste elektrische Waschmaschine bekam.

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