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Interview / Archiv | Beitrag vom 01.06.2010

Trittin: Schwarz-Gelb schuld an Köhlers Rücktritt

Grünen-Fraktionsvorsitzender: Oppositionskritik allein hätte nicht gereicht

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Jürgen Trittin (AP)
Jürgen Trittin (AP)

Jürgen Trittin, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, sieht den Grund für den Rücktritt von Bundespräsident Köhler im mangelnden Rückhalt der schwarz-gelben Koalition.

Das eigentliche Problem von Horst Köhler sei gewesen, dass weder die Bundeskanzlerin noch der Bundesaußenminister es für nötig befunden hätten, ihn in dieser Situation zu verteidigen, sagte Trittin. "Im Gegenteil – Außenpolitiker auch der Union haben diese Äußerung auch als missverständlich empfunden und als solche öffentlich kritisiert. Das war nach meiner Einschätzung für Horst Köhler der entscheidende Punkt zu sagen: 'Ich bin gewählt worden von Schwarz-Geld als Signal für Schwarz-Gelb und in einer solchen Kontroverse, da stehe ich plötzlich völlig alleine da'." Dies scheine der Hauptgrund für den Rücktritt gewesen zu sein. Die Kritik aus der Opposition allein hätte das wohl nicht bewirkt.

Ob es sich bei Köhlers Reaktion um Überempfindlichkeit handele, habe er, Trittin, nicht zu bewerten, sagte der Grünen-Politiker. Der Bundespräsident habe eine Entscheidung getroffen und diese Entscheidung verdiene Respekt. Er glaube allerdings auch, "dass ein Bundespräsident, der den Anspruch erhebt politisch Anstoß zu erregen, auch damit rechnen muss, zugespitzt kritisiert zu werden." Ebenso habe man ihn in anderen Situationen ausdrücklich öffentlich gelobt. Er, Trittin, habe das Engagement Horst Köhlers für eine Partnerschaft Europas mit Afrika sowie seine Äußerungen zur Bekämpfung des Klimawandels "immer wieder öffentlich genauso zugespitzt verteidigt".

Insgesamt sei Horst Köhler mit seiner Erfahrung aus den internationalen Finanzinstitutionen eine Bereicherung gewesen, sagte der Fraktionsvorsitzende der Grünen. Köhler habe auch viele verblüfft – gerade mit seiner Haltung in Afrika-Fragen. Trittin: "Er war weder so ein Seiteneinsteiger, wie ihn manche dargestellt haben noch würde ich eine Bilanz ziehen dergestalt, dass er eigentlich alles falsch gemacht hätte – im Gegenteil."

Sie können das vollständige Gespräch mindestens bis zum 1.11.2010 als MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Player nachhören.

Interview

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