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Tonart | Beitrag vom 29.04.2016

Travis, Wire und Brian EnoDas muss man gehört haben - oder auch nicht

Von Uwe Wohlmacher

Die schottische Rockband Travis bei einem Auftritt 2013 in Peking. Nun haben sie ein neues Album veröffentlicht. (imago /  Xinhua )
Die schottische Rockband Travis haben ihr achtes Album veröffentlicht: "Everything At Once". (imago / Xinhua )

Das neue Album von Travis "Everything At Once" ist deutlich schwungvoller als für die melancholische Band üblich. Die Punkveteranen von Wire zeigen mit "Nocturnal Koreans", dass sie es noch immer drauf haben. Und der britische Musiker Brian Eno entwirft auf "The Ship" sphärische Soundcollagen.

Travis: "Everything At Once"

Introvertiert, melancholisch - so wurde die Musik der schottischen Band Travis nach ihrem Debüt in den späten 1990er-Jahren von Britanniens Trendmagazinen in der Nachfolge des Brit-Pop als "New Acoustic Movement" gefeiert. 

Schönheit und Brillanz vor Gitarren schrammelndem Rüpel-Rock, das waren im Nachklang von Oasis und Blur die neuen Werte britischer Pop-Erfolgsgeschichten. Travis raspelten Süßholz und wanden sich in musikalischer Schönheit.

Auf dem neuen, achten Album "Everything At Once" gehen die vier Musiker dabei allerdings deutlich schwungvoller und rockiger als bislang vor. Und das steht der Band um Sänger und Songschreiber Fran Healy ziemlich gut, entgeht die Gruppe damit doch der Gefahr, vor allem bei den langsameren Songs in Beliebigkeit abzudriften, was zuletzt gern mal der Fall war.

Das in den legendären Berliner Hansa-Studios eingespielte neue Album glänzt nicht durch große musikalische Weiterentwicklung, sondern durch grundsolides Songwriter-Handwerk und präsentiert dabei aber mehr als eine Handvoll veritabler Singles, die es mit ihren großen Erfolgen "Why Does It Always Rain On Me?" oder "Sing" durchaus aufnehmen können.

Wire: "Nocturnal Koreans"

Als die englische Post-Punk-Band Wire 1976 mit einem Mix aus schroffen Gitarren-Riffs und eingängigen Melodien debütierte, wurde das schnell als wegweisend gefeiert. In den frühen 80er-Jahren experimentierten Wire dann mit Synthesizern und Noise-Rock, um schließlich wieder zum Post-Punk zurückzukommen.

Auf dem Album "Nocturnal Koreans" zeigen die britischen Punkveteranen nun, dass man immer noch mit ihnen rechnen kann. Die neuen Wire-Songs präsentieren sich mit viel Hall und typischen Jingle-Jangle-Byrds-Gitarren in einer Mischung aus modernem Psychedelic- und melancholischem New-Wave-Sound: Postpunk trifft Alternative-Rock und ein bisschen Pop.

Die Stimmung bleibt gewohnt melancholisch, bedächtig und sphärisch, vielleicht sogar noch mehr als zuvor. Wire klingen auf ihre alten Tage präsenter denn je und beschreiten lustvoll neue Wege.

Brian Eno: "The Ship"

Brian Enos neues Album "The Ship" kommt mit nur zwei Tracks aus. Eno versteht es als Sound-Installation über den Untergang der Titanic. Die jeweils etwa zwanzigminütigen Soundscapes mit ruhig dahinfließenden minimalistischen Kompositionen erinnern an seine frühen Ambient-Alben Ende der Siebziger Jahre "Music For Airports" oder "Music On Land". Musik, die - nach den Ideen von Erik Satie, wie Licht, Wärme oder Luft - nur da ist und den Raum ausfüllen soll; die keinem Höhepunkt entgegengeht, anschwillt oder abklingt und ohne kompositorische Strukturen zu Gunsten frei schwebender Flächen existiert.

Elektronische Collagen, die auf dem Album von Eno mit leisen Stimmen und Wortfetzen durchsetzt sind, die diffus durch den Klangteppich wabern und eine geisterhafte Stimmung erzeugen - magisch und meditativ zugleich. Wunderbare Musik, auf die man sich ganz konzentriert einlassen muss, damit sie funktioniert. 

 

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