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Buchkritik / Archiv | Beitrag vom 03.05.2013

Tod zwischen parkenden Autos

Friedrich Dönhoff: "Seeluft - Ein Fall für Sebastian Fink", Diogenes Verlag, Zürich 2013, 320 Seiten

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Ein Parkplatzschild weist den Weg (Stock.XCHNG / Jeff Prieb)
Ein Parkplatzschild weist den Weg (Stock.XCHNG / Jeff Prieb)

Norddeutsch unaufgeregt der Stil, die Handlung möglichst nah am Hamburger Alltag - in Friedrich Dönhoffs "Seeluft"-Krimi menschelt es ganz ordentlich. Der Autor erzählt die Geschichte vom Tod eines Reeders, die gleichzeitig auch die Geschichte seiner Feinde ist.

Maik Keilenweger, Geschäftsführer einer großen Reederei, liegt in der Nähe des Hamburger Fischmarkts tot zwischen parkenden Autos. Er hatte gerade seine Geliebte besucht und wurde angefahren, die Mordkommission ermittelt. Der dritte Fall des jungen Hamburger Kommissars Sebastian Fink ist deswegen spektakulär, weil das Opfer ein prominenter Bürger der Hansestadt ist.

Schon bald stößt der akribisch ermittelnde Kommissar auf eine Gruppe von Umweltaktivisten, die allen Hamburger Reedereien den Kampf angesagt haben. Viele Krebserkrankungen, so die Umweltschützer, seien einzig und allein durch den Treibstoff Schweröl verursacht - ein einziges Container- oder Kreuzfahrtschiff verpeste die Luft so stark wie fünf Millionen Autos auf derselben Strecke.

Einige Zeit vor seinem Tod war auch Maik Keilenweger mit den Aktivisten aneinandergeraten. Aus wirtschaftlichen Gründen hatte er es abgelehnt, die Schiffe künftig mit schwefelärmerem Öl betanken zu lassen. Aber ist das ein Mordmotiv? Kommissar Finks Ermittlungen im Privatleben des Toten fördern weitere potentielle Motive zutage. Die betrogene Ehefrau, enttäuschte Kinder, ein Mitarbeiter der Reederei, dem die Entlassung drohte - auch sie hätten wohl Gründe gehabt, Keilenweger zu töten.

Da wird fast zufällig das Auto gefunden, mit dem der Reeder angefahren wurde, und schon bald gibt der PKW-Besitzer zu, angetrunken eine Person angefahren zu haben. Also doch nur ein dummer Unfall?

Friedrich Dönhoff hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Stoff in seine Kriminalgeschichte einfließen zu lassen, der nach Meinung von Experten viel zu wenig beachtet wird: Gesundheitsgefahren durch Feinstaubpartikel aus Schiffsschornsteinen. Manche Schätzungen gehen von jährlich 40.000 vorzeitigen Todesfällen in der EU aus. Für die Leser jedenfalls bekommt die Seeluft der Stadt an der Elbe eine bedrohliche Duftnote.

Für Kommissar Fink ist der Fall noch nicht abgeschlossen, zu viele Ungereimtheiten sind noch offen: Keilenweger litt selbst an Krebs und hätte nur noch wenige Monate zu leben gehabt, doch nicht einmal seine engste Familie wusste davon. Ein Mitglied der Umweltschützer ist der Enkel des pensionierten Reederei-Patriarchen, der offenbar beste Verbindungen zu seinem Großvater unterhält.

Und: Ein Journalist hatte über Feinstaub-Emissionen von Schiffen recherchiert, unterließ aber nach Zahlung einer stattlichen Summe durch Keilenweger jede weitere Recherche.

Der Stil des Hamburger Autors Friedrich Dönhoff ist norddeutsch unaufgeregt, sein Ermittler Sebastian Fink keine verkrachte Existenz, sondern ein präziser, fleißiger Kommissar, der es nebenbei noch versteht, seiner angereisten Großmutter ein paar interessante Tage in Hamburg zu ermöglichen. Es menschelt also sogar noch ein wenig in diesem Hamburger Krimi, der reich an Lokalkolorit ist und dessen Autor sich dem Erkenntnisgewinn statt brutaler Szenen verschrieben hat.

Besprochen von Roland Krüger

Friedrich Dönhoff: Seeluft - Ein Fall für Sebastian Fink
Kriminalroman
Diogenes Verlag, Zürich 2013
320 Seiten, 14,90 Euro

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