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Im Gespräch | Beitrag vom 22.07.2017

Tobias Esch, MedizinerWie können wir unsere Selbstheilungskräfte stärken?

Moderation: Klaus Pokatzky

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Eine blonde Frau fährt sich durchs Haar (imago stock/Westend61)
Mehr Achtsamkeit, mehr Gelassenheit - das rät der Mediziner Tobias Esch im Umgang mit dem eigenen Körper. (imago stock/Westend61)

Der Arzt als "Gott in Weiß" - dieses Bild habe ausgedient, meint der Mediziner Tobias Esch. Zwischen Patient und Arzt sollte nach ein Verhältnis auf Augenhöhe herrschen, sagt Esch. Zudem sollten die Patienten dem eigenen Körper mehr zutrauen: Denn er sei ein Wunderwerk der Selbstheilung.

Die Deutschen sind Weltmeister im Zum-Arzt-Gehen: Durchschnittlich 18 Mal im Jahr suchen wir eine Praxis auf, so eine Studie der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) aus dem Jahr 2016. Aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge beliefen sich die Gesundheitsausgaben im Jahr 2015 auf 344,2 Milliarden Euro oder 4.213 Euro je Einwohner. Mehr als jeder neunte Euro wurde für Gesundheit ausgegeben.

"Wir haben verlernt, auf unseren 'inneren Arzt' zu hören", sagt der Mediziner Tobias Esch, Professor für Integrative Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung an der Universität Witten-Herdecke. "Bei uns ist immer noch viel zu wenig verankert, dass ein Großteil dessen, was an Gesundheit erlebt wird, im Kopf entsteht – in uns selbst."

Der Körper als "Wunderwerk an Selbstheilung"

Der Allgemeinmediziner erforscht seit Jahren, wie diese Selbstheilung funktioniert, und welche Faktoren neben der etablierten Medizin für Gesundheit und Zufriedenheit entscheidend sind. Seine Bücher zum Thema Glück und Stressbewältigung sind Bestseller.

Seine Überzeugung: "Unser Körper ist ein Wunderwerk an Selbstheilung". Man müsse nur die "Werkzeuge" dafür kennen und lernen, sie anzuwenden. Dabei setzt er auf Rezepte, die wir zwar kennen, aber dennoch zu oft nicht beherzigen: Eine gezielte Reduktion von Stress, viel Bewegung, eine vernünftige Ernährung – und mehr Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Körper und dem eigenen Geist.

Arzt und Patient auf Augenhöhe

Und er plädiert für gelassenes Abwarten: Viele Symptome verschwänden, wenn man dem Körper die Zeit lasse, sich zu selbst zu helfen.

Seine Erfahrung: Gerade bei älteren Patienten herrsche noch das Bild des "Gottes in Weiß" vor, des allwissenden Arztes. Esch hat ein anderes Ideal: Er will, dass Arzt und Patient auf Augenhöhe kommunizieren und bestenfalls miteinander agieren: "Die Ärzte müssen den Patienten an die Hand nehmen, und der muss die Erfahrung machen, dass er es kann. Aber die Ärzte müssen auch annehmen, dass nicht sie allein es sind, die Heilung bringen."

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